Selten hat die deutsche Titelgebung so daneben gehauen wie hier!!! "Kampf auf hoher See" paßt zu diesem TV-Film überhaupt nicht, weil hier keinerlei Schiffe aufeinander los gehen, geschweige denn irgendwelche Seeleute von einem Schiff auf das andere springen, entern und halt das tun, was kühne Seefahrer in anderen Filmen so tun. Man hat hier lediglich zwei Szenen, wo Seeleute ausgepeitscht werden.
Der englische Titel des Films heißt übersetzt "Längengrad" und paßt absolut, denn es geht in diesem Film um - Uhren!! Genauer Seeuhren und wie Uhren entwickelt wurden, mit denen man auch auf See die Zeit messen konnte, ohne, dass Dinge wie Gezeiten, unterschiedliches Klima und vieles andere ständig dafür sorgten, dass die Zeitmessung auf See nicht klappte.
Daher schon hier eine Empfehlung. Für Leute, die Pulverrauch und Geschützdonner hinter dem Titel vermuten (z.B. ala "Fluch der Karibik" oder "Des Königs Admiral" - Finger weg!!! Leute (Segler, Uhrensammler z.b.) die sich für Seefahrtsgeschichte oder Geschichte von Uhren interessieren (die Geschichte des Films ist nämlich wahr), werden mit diesem Film in jedem Fall etwas anfangen können.
Der Film erzählt auf zwei Zeitebenen, die parallel zueinander erzählt werden (ähnlich der Schematik, die die Highlander-Filme verwenden), die Geschichte des Uhrmachers Harrison über den Zeitraum ca. 1750 bis 1790 sowie die eines Mannes, namens Gould, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Uhren, die Harrison einst konstruierte, zu bewahren, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges.
Das Erzähltempo des Films ist recht langsam, aber das nostalgische Flair mit dem hier sowohl das 18. Jahrhundert, als auch der Beginn des 20. Jahrhunderts wiederbelebt werden, ist absolut gelungen.
Interessant ist der Film auch in sofern, weil man hier sieht, welche Schwierigkeiten es gab, bis sich revolutionäre Ideen von Erfindungen durchsetzten, die wir heute als selbstverständlichen Bestandteil unseres Lebens betrachten, weil Leute, die sie nicht wollten, sie über Jahrzehnte (!!!) blockierten.
Oder wer nicht glaubt, dass eine simple Uhr, die wir heute am Arm tragen, auch mal die Größe eines Schranks hatte, kann hier was dazu lernen. Eine Parallele, die Uhren mit PCs haben, da unsere heutigen HomePCs ja auch mal riesige Kästen waren.
Von der Geschichte, der Ausstattung, dem Informationsgehelt und dem nostalgischen Faktor her ist der Film wie gesagt interessant, darstellerisch finde ich ihn ein wenig durchwachsen. Michael Gambon (z. b. Dumbledore in Harry Potter) und Jeremy Irons (Stirb langsam 3, Das Geisterhaus) spielen ein wenig zu ausdruckslos. Eine mitreißendere Performance wäre hier wünschenswert gewesen. Diesbezüglich ist mir der Film etwas zu "ruhig". Aber wer eine langsame Erzählweise mag, der wird seine Freude an diesem Zweiteiler haben.