Mit diesem Fantasy-Epos beendete der legendäre Effektkünstler Ray Harryhausen seine einmalige Karriere und beglückte uns mit einer schönen nostalgischen Show seiner besonderen Qualitäten. KAMPF DER TITANEN hat grandiose Szenen zu bieten wie die Medusa im dunklen Tempel oder das Seeungeheuer im Finale, aber manche Monster wie der Geier oder der zweiköpfige Hund bleiben irgendwie unter ihren dramatischen Möglichkeiten. Wie auch immer: obwohl der Film doch etwas flach bleibt im Ablauf der Handlung und auch die irdischen Charaktere unter Eindimensionalität leiden, hat er immer noch jenen naiven Charme, den fast alle Harryhausen-Filme so unverwechselbar machen. Hier geht es darum, eine herrliche Phantasiewelt zu beschwören, wo Helden und Bösewichter ihren jeweiligen Schicksalen folgen. Das gelingt dem Film durchaus, wenn auch nicht so perfekt wie zum Beispiel in SINDBADS SIEBENTE REISE oder JASON UND DIE ARGONAUTEN.
Doch hat die Zeit gezeigt, daß KAMPF DER TITANEN - der schon damals Anfang der 80er wesentlich altmodischer wirkte wie zeitgleiche Fantasy-Produktionen - seine Patina recht gut steht. Er hat immer noch jenen Sinn fürs Wunder, der einfach unvergeßlich bleibt. Die knapp zwei Stunden laufen ohne übermäßige Längen ab, und der solide Rhythmus der Szenen mag heutzutage etwas lahm wirken, aber für damalige Verhältnisse ist es definitiv nicht langweilig.
Doch muß man allerdings auch sagen - und das fällt speziell nun mit dem Update auf Bluray auf - das praktisch alle Harryhausen-Filme unter ihrer Tricktechnik leiden. Das bezieht sich nicht auf die künstlerische Qualität als vielmehr auf ihre technische. Harryhausen hatte seine ganzen Tricksequenzen in 35mm gemacht, was leider bedeutet, daß Szenen mit Rückprojektionen und Matte Paintings immer unschärfer sind und wesentlich mehr graupeln. Diese Techniken hatten sich in 30 Jahren nie verändert, und nun in HD-Auflösung erkennt man recht mühelos, daß sich solche Tricksequenzen sehr deutlich von den "normalen", nicht optisch nachbearbeiteten Sequenzen abheben. Bei der SD-Auflösung trat dieser Umstand bisher nicht so deutlich hervor, aber er war im Grunde immer präsent.
Dies ist allerdings auch abhängig von den Erwartungen, die man an ein Bild hat. Erst mit der DVD seit nunmehr zwölf Jahren hatte man ein Medium, mit dem man eine brillante Bildqualität reproduzieren konnte, und seitdem wurden manche Filme in der "perfektesten" Qualität, die möglich war, veröffentlicht. Das verwöhnt das Auge aber auch sehr schnell, und nun ist man nicht mehr so ohne Weiteres bereit, "unperfekte" Qualitäten wie Graupeln, Unschärfen oder Löcher der abgetasteten Kopie zu tolerieren.
Und genau da beginnt das eigentliche Problem: denn KAMPF DER TITANEN wurde nachbearbeitet, allerdings nur in dem Maße, daß die Bluray alle Stärken, aber auch alle Schwächen der Negativ-Vorlage deutlich zu Ausdruck bringt. Man sieht sehr deutlich, daß die Tricksequenzen unter Qualitätsverluste durch Umkopierung leiden; hinzu kommt noch, daß viele normale Sequenzen wie zum Beispiel der Beginn des Films unter ungünstigen Lichtbedingungen gedreht worden sind, was das Negativmaterial nicht gut vertrug - auch die Szenen auf dem Olymp, die man mit Weichzeichner gedreht hat, zeigen diesen Effekt des Graupelns und der Helligkeitschwankungen. Andere Sequenzen wie Perseus' Gang über den Markt von Joppe sind dagegen von bestechendster und grandiosester Qualität, doch zugegeben: sie bleiben doch etwas zu sehr in der Minderheit.
KAMPF DER TITANEN hat einfach keine optimale Voraussetzung für ein vermeintlich "perfektes" Bild, und selbst wenn man das Negativ restaurieren würde, blieben viele dieser Probleme erhalten. Wenn man heutzutage den Film in einer nagelneuen 35mm-Kopie sehen würde, wären diese Unterschiede auch deutlich zu erkennen. Nur als die Harryhausen-Filme neu waren, hatte im Kino niemand diese technischen Ansprüche wie heute gehabt.
Was läßt sich also konkret zur Bildqualität sagen? Zuerst einmal sind keine Löcher, Kratzer und Läufer mehr vorhanden, die auf der DVD noch zu sehen sind. Die Schärfe ist grundsätzlich höher als auf der DVD (welche Kunst!), wenn man die GLEICHEN Sequenzen miteinander vergleicht, und in den dunklen Sequenzen wirkt das Bild der Bluray nicht so harsch wie das von der DVD. Wenn auch eher marginal, so hat die Bluray gegenüber der DVD die Nase vorn.
Natürlich: neuere Effekt-Filme wie zum Beispiel das Remake sehen deutlich besser aus, aber bei dreißig Jahre alten Streifen, die noch optische Bildbearbeitungen erfahren haben, muß man die Meßlatte woanders ansetzen. Außerdem zeigt das umstrittene Beispiel der Neuauflage von PREDATOR, daß man mit digitalen Filtern eine Menge machen kann, aber die Ergebnisse unterliegen doch einer ästhetischen Beurteilung. Die einen finden die Neuauflage gut, die anderen bevorzugen die ursprüngliche Qualität der Erstauflage.
Fazit: wer sich an den technischen Grenzen der Bildqualität nicht stört, kann sich die Bluray zulegen; wer den Film mag, macht auch nichts falsch. Bildpuristen werden wohl Magenschmerzen bekommen, aber letztendlich muß man mit diesem Bild leben.
Der deutsche Ton kommt recht kräftig und solide aus den Boxen, der englische Ton ist da wesentlich klarer und druckvoller. Die Specials belaufen sich auf ein Making Of mit Ray Harryhausen und einer Featurette-Galerie mit allen Trickmonstern.
Kampf der Titanen (Clash Of The Titans)
USA 1981 (MGM)
Regie: Desmond Davis
1,78:1 (16:9), Farbe
117:56 Minuten
Wertung:
Film - 5 Punkte
Bild - 3 Punkte
Ton - 4 Punkte
12:3 = 4 Punkte