Da ich bereits aus Vorahnung skeptisch an die Neuverfilmung des Originals von 1981 heranging und auch von verschiedenen Seiten vorgewarnt worden war, muß ich gestehen, daß meine Befürchtungen leider erfüllt wurden. Dies lag sowohl an der nicht vorhandenen Handlung als auch an der gesamten Umsetzung, vom Hauptdarsteller bis zur inhaltlichen Gestaltung, die mit der heutigen Belanglosigkeit inszeniert wurde. Zudem hatte ich mal wieder den Eindruck, man versuchte möglichst viele Zielgruppen zur Gewinnmaximierung in nur einem Filme anzusprechen.
Schon während ich mir "Kampf der Titanen" ansah und auch noch danach stelle ich mir die Frage, worum es in diesem Film überhaupt ging. Ich habe die Handlung nicht nachvollziehen können. Die gesamte Menschen-gegen-Götter-Handlung erschien unmotiviert, ja eigentlich sinnlos und als bloße Folie, um das Effektfeuerwerk abbrennen zu können. Welche Menschen hätten wohl im Altertum gegen Götter rebelliert, die so gegenwärtig sind?
Langsam empfinde ich mehr als nur Abneigung gegen den Hauptdarsteller, dessen Allgegenwart in jedem einschlägigen Hollywoodstreifen zwingend zu sein scheint und diesen allen einen Seriencharakter vermittelt; zumal sein Charakter im "Kampf der Titanen" keine Entwicklung durchläuft. Seine Motivation gegen die Götter zu kämpfen wirkt aufgesetzt und wird durch ein Standardmotiv unzureichend motiviert.
Daneben wissen einzig die schönen Landschaftsaufnahmen zu gefallen.
In bezeichnender Weise spiegelt dieser Film auch den Verfall der Bildung in den letzten 30 Jahren wider, insbesondere wenn man den Originalfilm mit diesem modernen Machwerk vergleicht: Brauchte man noch relativ fundiertes mythologisches Wissen, um den Originalfilm und die Symbole, Anspielungen und Zitate - aber auch die Abweichungen - zu erkennen, worin ja auch ein gewisser Wiedererkennungswert und die Möglichkeit zur Identifikation mit den Helden und der Geschichte lag, war der alte Film auch stilistisch bemüht, griechische Lebensart und dieses kulturelles Empfinden, wie wir es uns anhand der mythologischen Überlieferung dachten, zu vermitteln, so ist die Neuverfilmung ausschließlich orientiert an den einschlägigen Figurenkonstellationen, Handlungs- und Filmstandards für den konsumorientierten Durchschnittsbürger, der sich nur mehr der allgemein bekanntesten Einzelheiten griechischer Mythologie erinnern kann, ohne dabei geistig bemüht werden zu dürfen: ein bißchen Zeus, Hades, ein paar Ungeheuer, exotische Landschaft. So wirkt dieser Film auch zusammenhanglos, ja anonym, und ich habe nie den Eindruck, mich durch den Kosmos und auch die Gefühlswelt griechischer Mythologie zu bewegen: Der Hauptdarsteller mit Kurzhaarschnitt schaut aus wie ein Marineinfanterist aus Übersee mit ewiggleichem Gesichtsausdrucke und nicht wie ein griechischer Heroe, die Landschaften wirken fremdartig, aber nicht mediterran, geflügelte Stiere aus Mesopotamien verirren sich nach Hellas und ein Schuß "Herr der Ringe" darf es auch sein, wenn man dann auf Skorpionen reitet. Alles selbstverständlich blutfrei, möglichst zielgruppenoffen und damit im höchsten Grade familienkompatibel, aber farblos auf Grund der Beliebigkeit.
Ein weiterer seelen- und belangloser "Blockbuster", der nicht nur nach dem üblichen Muster gestrickt ist und nichts als eine fragwürdige Neuverfilmung oder Fortsetzung mit optisch neuer Aufmachung der besten Szenen des Originals darstellt, sondern ärgerlicherweise auch alle Ästhetik, Empfindungen und Werte amerikanischen Standards unterwirft, ohne den mindesten Versuch zu unternehmen, sich in das Vorgefundene hineinzudenken.