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Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert: The Clash of Civilizations. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert
 
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Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert: The Clash of Civilizations. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert [Taschenbuch]

Samuel P. Huntington , Holger Fließbach
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 592 Seiten
  • Verlag: btb Verlag; Auflage: 1. Auflage (1. Dezember 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442755069
  • ISBN-13: 978-3442755066
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,9 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (47 Kundenrezensionen)
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Samuel P. Huntington
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Clash und Crash mit Huntington
Es lohnt sich, mit Professor Samuel Phillips Huntington zu streiten. Es macht klüger – und man erlebt so seine Überraschungen beim Kampf der Argumente.

Harvard, im November 1996. SPIEGEL-Kollege Siegesmund von Ilsemann und ich sitzen im bescheidenen Büro des Professors in Boston, das so gar nicht zu dem pompösen Titel unseres Gesprächspartners passt („Eaton Professor of the Science of Government and Director of the John M. Olin Institute for Strategic Studies at Harvard University“). Ist er bereit für Gegenargumente zu seiner These vom kommenden Kampf der Kulturen, der in einen Weltkrieg münden könnte, „the Rest against the West“? „Nur zu, versuchen Sie, Löcher in mein Gedanken¬gebäude, in meine Landkarte für eine neue Ära der Politik zu bohren“, sagt er mit blitzenden Augen. Er hat Freude am Zündeln, genießt die intellektuelle Auseinandersetzung. Und er gibt sich kämpferisch gegenüber jeder Kritik. Neunzig Minuten höchste Konzentration, während das Tonband läuft. Nur ab und zu, und nur für jeweils eine Sekunde, lässt Huntington den Blick hinaus aus seinem Fenster schweifen, auf die Bäume und Rasenflächen des schönen Harvard-Campus, wo sich auf Parkbänken einige seiner Studenten auf die nächste Vorlesung vorbereiten.

„Und jetzt gehen wir in meine Kneipe hier gleich um die Ecke“, sagt er, als wir uns gerade für das offizielle Interview bedankt haben. „Denn ich glaube, zu diesem und jenem Punkt sollten wir noch etwas vertiefen.“

Es gibt alle paar Jahre mal intellektuelle Diskurse, originelle Denkstücke von Politikern oder Professoren, die große Aufmerksamkeit erregen. Der amerikanische Publizist Francis Fukuyama etwa, lange Zeit bekennender (und erst neuerdings bekehrter) Neokonservativer, hat 1989 so ein Traktat geschrieben. Er nannte es „Das Ende der Geschichte?“ und meinte damit, alle ideologischen Auseinandersetzungen seien durch den Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus in Osteuropa beendet, der Westen und seine Vorstellungen von Demokratie hätten für alle Zeiten gesiegt, von ein paar kleineren Störfällen abgesehen, sei der permanente Frieden ausgebrochen. Bald war Fukuyamas Gedankengebäude durch weltpolitische Entwicklungen als hoffnungslos überoptimistisch widerlegt. Selbst in Europa sollte wieder ein Krieg toben, und auch weit über den Balkan hinaus ging „die Geschichte“ durchaus weiter, terrorblutig und in bitteren Verteilungsschlachten um Rohstoffvorräte.

In der Sommer-Ausgabe 1993 der hoch angesehenen außenpolitischen Fachzeitschrift „Foreign Affairs“ hat dann Huntington seinen nur zwölf Seiten langen, mit einem scheuen Fragezeichen versehenen Aufsatz veröffentlicht: „The Clash of Civilizations?“ Schnell wurde klar, dass der Harvard-Wissenschaftler mit dem „Kampf der Kulturen“ (der in seiner korrekten Übersetzung eher ein „Zusammenprall“ sein sollte, was sich aber zugegeben nicht besonders griffig liest) ein langlebigeres und tiefer gehendes Erklärungsschema für die Zukunft der Weltpolitik lieferte als Fukuyama. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger pries es, der führende arabische Linksintellektuelle Edward Said rammte es in Grund und Boden; Politiker begannen bald die griffige Formel zu benutzen, um ihre Vorstellungen über Präventivkriege, Abgrenzung von anderen Religionen oder regionale Zusammenschlüsse zu begründen. Immer wieder wurde vor dem „kommenden Kampf der Kulturen“ gewarnt: ein fast schon klischeehaft wiederholtes Mantra vor allem der Erzkonservativen aller Länder. Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Scheitern einer diplomatischen Vereinbarung, nach jedem unbequemen Regierungswechsel in der Dritten Welt: Ist es nun so weit, haben wir ein weiteres Zeichen erlebt für den „Clash of Civilizations“? Eine Chiffre, von der bald nicht mehr so klar war, wofür sie eigentlich stand. Und ob jeder, der sie benutzte, auch wirklich die Argumentation des Autors kannte.

Als Huntington dann 1996 sein Buch vorlegte – der „Kampf der Kulturen“ nun schon selbstbewusst ohne Fragezeichen, und statt einem Dutzend Seiten mehrere hundert lang –, war endgültig klar, dass es sich nicht wie beim Kollegen Fukuyama um eine intellektuelle Einjahresfliege handelte. Das Werk stürmte die Bestsellerlisten weltweit und setzte sich dort fest, wurde in Politiker- wie in Literaten- und Kirchen-Zirkeln zu einer wegweisenden weltpolitischen Bibel. Vergleichbar ist dieser bis heute andauernde Hype um Huntington allenfalls noch mit einer anderen Epoche machenden Schrift, schon damals fast ein halbes Jahrhundert alt: George Kennan hat in seinem Essay 1947 über die „Ursprünge des sowjetischen Verhaltens“ die „Eindämmung“ des Kommunismus gefordert – die Forderung eines „Containment“ wurde zu einem der intellektuellen Schlüsseltexte der amerikanischen Politik für den Kalten Krieg. Und zu einer in die Alltagssprache übergehenden Floskel.

Huntingtons Erklärungsmodell für die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, für die Zeit nach dem Kalten Krieg ist in mehrfacher Weise außergewöhnlich: Er geht über den Staat als Grundeinheit der Weltpolitik hinaus. Und er verbannt politische Ideologien wie große ökonomische Auseinandersetzungen als geschichtsträchtige Komponenten in den Hintergrund. Der Harvard-Professor verkündet den Paradigmenwechsel. Eine völlig neue Form der internationalen Auseinandersetzungen beherrscht seiner Meinung nach das internationale Geschehen: Unterschiedliche Kulturkreise, die einander feindlich gegenüber stehen, prägen die Konfliktszenarien. Die Bruchlinien zwischen diesen „Civilizations“ sind für ihn die Schlachtfelder der Zukunft – besonders blutig: die Grenzregionen des Islam. Dem Westen, dank seiner Wissenschaft und Technologie derzeit noch mächtigster Kulturkreis der Welt, droht laut Huntington der Abstieg, vor allem infolge „Aufweichung“ seiner Werte durch die überall nachdrängenden Immigranten.

Aber ist Samuel Huntingtons „Clash of Civilizations“ wirklich ein schlüssiges Erklärungsmuster? Oder überwiegen gar die Ausnahmen in seinem Modell, in seinem Paradigma zur globalen Politik, und führen es so ad absurdum?

Zurück in das Studierzimmer des Harvard-Lehrers für Internationale Beziehungen, zu unseren Diskussionen in der Bostoner Kneipe, November 1996, im Erscheinungsjahr des Buches. Versuche, das Modell nach allen Seiten auf seine Tauglichkeit abzuklopfen. Er bestellt sich einen Saft, wir entscheiden uns angesichts der vorgerückten Nachmittagsstunde für ein Bier. Die Kneipe mit dem holzgetäfelten Interieur hat sich geleert; nur ab und zu nickt ein Gast herüber, der den Raum verlässt. Bald sind wir allein mit dem Barkeeper und den hübschen Bedienungen.

Professor Huntington, Sie sprechen davon, die USA könnten der Sowjetunion in den „Mülleimer der Geschichte“ folgen. Washington hat mehr Waffen und dadurch vermutlich auch mehr Einfluss denn je. Sie bezweifeln die Loyalität der Immigranten in Europa und den USA – ist das nicht Panikmache?

„Gerade Amerikas Einheit beruht auf einer gemeinsamen Kultur und einem gemeinsamen Vorrat politischer Prinzipien, die gegenwärtig von verschiedenen Seiten attackiert werden. Wir müssen die Flut der Immigranten eindämmen, weg von der Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft, weg von der Entwestlichung. In der Außenpolitik heißt das: Wir sollten Menschenrechte unterstützen, aber wir sollten nicht versuchen, andere Kulturen nach unserem westlichen Modell zu formen. Wir müssen akzeptieren, dass verschiedene Kulturen einen unterschiedlichen Wertekodex haben, dass individuelle Freiheiten nicht überall an der Spitze stehen.“

Professor Huntington, die schlimmsten Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gab es doch innerhalb der Kulturkreise: Stalins Säuberungen, Pol Pots kambodschanischer Genozid – alles im Wesentlichen Kriege gegen das eigene Volk. Und kaum jemand ist doch nach dem Kalten Krieg so zerstritten wie die islamische Staatengemeinschaft. Zudem kommt uns die Aufteilung der Welt in sieben oder acht große Kulturen reichlich willkürlich vor – man könnte Lateinamerika mit seiner spanisch geprägten Kultur, anders als Sie, beispielsweise auch zum Westen zählen.

„Bei Lateinamerika war ich mir nicht sicher bei der Zuordnung, darüber lässt sich streiten – aber darauf kommt es gar nicht an. Entscheidend für mich ist: Die Kraftfelder auf dem Globus verschieben sich, weg vom Westen, zu anderen Kulturkreisen. Besonders Religion schafft dabei ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, aber auch Abgrenzung gegenüber anderen. Deshalb gewinnen die Fundamentalisten des Islam, aber auch die Fundamentalisten des Christentums und des Hinduismus an Boden. Wenn aber die Welt künftig durch die Wechselbeziehungen zwischen sieben oder acht großen Kulturen geprägt wird, dann stellt sich die Frage nach einer neuen intellektuellen Landkarte für dieses Zeitalter. Es ergeben sich neue Fronten: Die Volksrepublik China ist dabei, wirtschaftlich und militärisch eine Weltmacht zu werden. Peking hat Iran und Pakistan Atomtechnologie verkauft. Die militärische Verbindung der wichtigsten Staaten des Konfuzianismus mit dem Islam stellt die größte Herausforderung für den Westen dar.“

Professor Huntington, heizt nicht die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt die Konflikte mehr an, als es unterschiedliche Kulturen vermögen? Siegt nicht statt der Bedenken um kulturelle Kluft doch die Habgier von Nationen?

„Natürlich existieren wirtschaftliche Interessen, aber sie sind nicht von primärer Bedeutung. Die Menschen kämpfen und sterben für ihren Glauben und identifizieren sich mit ihrem Kulturkreis – das hält sie mehr zusammen denn je. Das Wesen der westlichen Kultur ist die Magna Charta, nicht der Big Mac. Darum geht es, und darum ist mein Gedankenmodell zwar nicht perfekt, aber es liefert die entscheidenden Anhaltspunkte, die Leitlinien. Es ersetzt den Kalten Krieg – und ist der beste Kompass für die Zukunft.“

Er wünschte uns damals nach dem hitzigen Disput eine gute Heimreise, stieß mit uns an. Eher förmlich als herzlich. Die Distanz, so hatten wir vorher schon aus dem Umfeld des Professors gehört, war schon jeher ein Wesensmerkmal: Es erklärt sich aus seiner Lebensgeschichte und aus seiner Berufslaufbahn. Der Sohn einer Verlegerfamilie, geboren 1927 in New York City, musste sich viel Kritik gefallen lassen, weil er ab 1972 dem brasilianischen Militärregime als Berater diente und den sehr graduellen Übergang zur Demokratie in dem lateinamerikanischen Land verteidigte. 1986 verhinderten Kollegen von der Yale University zwei Mal Huntingtons Aufnahme in die National Academy of Sciences; er habe Statistiken zurechtgebogen, um seinen Argumenten mehr Gewicht zu verleihen. Huntington wies das empört zurück, zu seinen Verteidigern gehörte auch der Nobelpreisträger Herbert Simon.

Als wir – wie beim SPIEGEL üblich – nach der Rückkehr das bearbeitete Gespräch zur Autorisierung schickten, genehmigte der Harvard-Professor es fast ohne Änderungen. So souverän, wie wir es nach seinem Auftreten erwartet hatten. Aber dass er zwei, drei Adjektive ersetzte, einen Relativsatz strich, zeigte, wie genau er gelesen hatte: Huntington ahnte wohl immer, dass er bei der Erklärung seines Gedankenmodells ganz präzise sein musste – oder bei einigen Passagen absichtlich besonders vage –, um sich vor Fehlinterpretationen zu schützen. Fast zehn Jahre sind jetzt seit diesem Gedankenaustausch an der Harvard University vergangen. Ob die Theorie den „Test of Time“ überstanden hat, ob sie als weitgehend widerlegt gelten sollte – das ist Ansichtssache. Und doch lassen sich einige in der Zwischenzeit gewonnene Erkenntnisse kaum widerlegen.

Huntingtons Theorie traf bei manchen weltpolitischen Entwicklungen nach dem Ende des Kalten Kriegs den Nerv, zumindest oberflächlich gesehen. In Bosnien etwa verlief die Verwerfungslinie der Auseinandersetzungen zwischen westlichem Christentum, Orthodoxie und Islam, wie er es prophezeit hatte. In Teilen Afrikas, etwa in Nigeria, scheint sich sein Konzept ebenfalls zu bestätigen – der Kampf zwischen Muslimen und Christen überschattet andere Konflikte. Und auf den ersten Blick stimmt die Theorie von den kulturellen Bruchstellen auch im Kaukasus. Für Huntingtons Beobachtung, dem Westen stünde eine zunehmend aggressive Strömung des Islam entgegen, ausgelöst von einem demografischen Ungleichgewicht, lassen sich zumindest noch einige Belege finden. Die Volksrepublik China ist – wie von dem Propheten aus Harvard vorausgesagt – zur Weltmacht aufgestiegen, dabei zumindest teilweise beflügelt durch das kulturelle Konzept des Konfuzianismus.

Aber das war’s dann auch schon. Huntingtons Theorie hält in vielen Bereichen nicht stand. Von dem „zentralen kommenden Konflikt der Welt“, einer Achse gegen den Westen, zu dem sich „konfuzianische Staaten“ mit der „islamischen Welt“ zusammen¬geschlossen haben, ist weit und breit nichts zu sehen. Und auch mit den meisten „Bruchlinien“ kam es anders: Die Volksrepublik China hat Probleme mit separatistischen Islamisten innerhalb der eigenen Staatsgrenzen und arbeitet mit Anrainerstaaten wie Kasachstan und Kirgisien – und wohl auch mit der CIA – vehement gegen ein Vordringen der Anhänger Mohammeds. Zwar hat Peking noch gute Beziehungen zur Islamischen Republik Pakistan, aber Präsident Pervez Musharraf (Spitzname: „Busharraf“) ist längst abhängiger von den USA und den Milliarden, die er von dort für seine Kooperation beim „Krieg gegen den Terror“ erhält. Für den Niedergang der USA – so man davon angesichts der unveränderten militärischen Dominanz Washingtons sprechen kann – sind keinesfalls illegale mexikanische Einwanderer verantwortlich, die nach Huntingtons Meinung die Grundlagen der amerikanischen Nation gefährden, sondern George W. Bush, Dick Cheney und Donald Rumsfeld mit ihrer Missachtung der Weltgemeinschaft und ihrer verfehlten interventionistischen Politik.

Wenn weltweit die aufgewühlten und aufgehetzten islamischen Massen gegen dänische Mohammed-Karikaturen protestieren, die im Westen als Ausdruck freier Meinungsäußerung verstanden werden – hat das mit einem Zusammenprall von Kulturen zu tun? Vielleicht. Wenn US-Parlamentarier verhindern, dass ein in Dubai ansässiges Unternehmen die Geschäfte in sechs amerikanischen Häfen übernehmen darf, schwingt da Huntingtons Axiom mit – tut uns Leid, falscher Kulturkreis? Könnte sein, obwohl es da auch schlicht ums Bigbusiness und um Terror-Hysterie geht. Aber wenn ein großes, staatlich kontrolliertes Unternehmen aus der VR China eines der größten unabhängigen Erdöl-Unternehmen der USA kaufen will und bei diesem in globalisierten Zeiten doch ganz normalen Geschäft an Bedenken der Regierung Bush scheitert – ein „Clash of Civilizations“? Keinesfalls: Es ist eine politisch-wirtschaftliche Entscheidung, ein Stück ziemlich „unkultureller“ staatlicher Protektionismus aus Sorge um den Zugriff auf die für jede Wirtschaft (über-)lebenswichtigen Rohstoffe. Um es in Bill Clintons Wahlkampfworten zu sagen: It’s the economy, stupid!

Der Visionär Huntington hat vieles nicht vorausgesehen. Beispielsweise nicht, dass der Kampf um immer knapper werdende Ressourcen bei rapide steigendem Bedarf vor allem in China und Indien zu einem Weltkonflikt unter ganz anderen Vorzeichen führen könnte. Nichts treibt die großen Staaten heute mehr um als Energiesicherheit, als die großen Verteilungskämpfe um Erdöl und Erdgas. Unter Zurückstellung aller „kultureller“ Überlegungen biedern sich amerikanische Kabinettsmitglieder im islamisch geprägten, autoritär regierten Aserbaidschan an, buhlen Pekings Abgesandte um Gutwetter in unberechenbaren schwarzafrikanischen Staaten wie Sudan und Angola, machen Japaner den Russen aus dem „slawisch-orthodoxen“ Kulturkreis Avancen. Und die „gemeinsame Kultur“ Lateinamerika prägt ein interner Richtungskampf: Das ölreiche linksorientierte Venezuela mit dem Narzissten-Leninisten Hugo Chávez an der Spitze gegen die rechtsgerichteten, US-freundlichen Regierungen von Kolumbien, Peru und andere „Have-nots“. Ähnliche Schattenkriege toben in Zentralasien, wo um neue Pipelines durch Iran und um Iran herum in großem Stil geschachert und geschmiert wird. Nicht Religionsunterschiede, nicht kulturelle Zivilisationsbrüche – Erdöl ist der wahre Treibstoff künftiger Konflikte. Alles spricht dafür, dass nach dem Zeitalter des „wilden Friedens“ nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion jetzt ein Neuer Kalter Krieg folgt.

Huntington ist in seinem Buch clever genug, seine Grundthese abzuschwächen. Es könne schon auch zwischen einzelnen Gruppen innerhalb eines Kulturkreises zu Konflikten kommen, räumt er ein. Aber die Kämpfe zwischen Gruppen aus unterschiedlichen „Civilizations“ wären auf jeden Fall häufiger, anhaltender und gewalttätiger als die anderen. Auch das sei „grundfalsch“, argumentiert sein Harvard-Kollege Niall Ferguson. „Von 30 größeren bewaffneten Konflikten (nach dem Ende des Kalten Krieges) können nur zehn oder elf insoweit als solche zwischen Kulturkreisen angesehen werden, als eine Partei mehrheitlich muslimisch, die andere mehrheitlich nicht-muslimisch war. 14 hingegen waren ethnische Konflikte innerhalb eines Kulturkreises, die schlimmsten davon in Zentralafrika und im Irak, wo Schiiten und Sunniten sich bis aufs Messer bekämpfen.“ Wer denn in den vergangenen Monaten die meisten Muslime umgebracht habe, fragt der Huntington-Gegenspieler rhetorisch. Und liefert die Antwort gleich mit: „Natürlich wurden die meisten Muslime von anderen Muslimen getötet.“ Professor Ferguson befürchtet eher zentrifugale Tendenzen innerhalb der einzelnen Kulturen. Er sieht keinen „Clash“, sondern einen „Crash of Civilizations“ – kein Zusammenprallen der Kulturen im Weltmaßstab als vielmehr ein Zusammenfallen ihrer jeweiligen Werteordnungen.

Huntington hat während der 13 Jahre, in der seine faszinierende Theorie die intellektuelle Welt bewegte und die Politiker-Redemanuskripte füllte, entscheidende Schwächen seines Gedankengebäudes nie öffentlich eingeräumt. An zwei wichtigen Wendepunkten der neueren Geschichte hat er allerdings ausdrücklich abgeraten, seinen Schlüssel zur Erklärung der Weltlage anzuwenden. Die Terrorattacke auf New York und Washington am 11.9.2001 verband er nicht mit einem Kampf der Kulturen, sondern sah sie als einen „Angriff gemeiner Barbaren auf die zivilisierte Gesellschaft der ganzen Welt“. Und unmittelbar bevor die USA unter Umgehung der Vereinten Nationen gemeinsam mit einer „Koalition der Willigen“ den Irak-Krieg begann, warnte Huntington: „Das würde große Teile der Bevölkerung und der Regierungen in der muslimischen Welt aufbringen, die jetzt die internationale Koalition gegen den Terror unterstützen.“

Doch woher die „Angst des Zauberlehrlings vor der magischen Formel“ („Die Zeit“)? Möglich, dass er erkannt hatte, wie sehr sein „Kampf der Kulturen“ auch zur gefährlichen Falle werden kann. Dass all denjenigen Politikern, die ihr Handeln nach dieser Maxime ausrichten, drohen könnte, erst den Zustand herbeizuführen, dessen Schrecken sie beschwören. Möglich, dass Huntington inzwischen auch beobachtete, dass gerade von Auflösung gezeichnete, zerfallende Staaten wie Somalia und Sudan – oder auch Afghanistan – zu besonderen Brennpunkten werden.

Beim SPIEGEL-Gespräch in Harvard vor einem Jahrzehnt hat Huntington, als er sich in die Ecke gedrängt fühlte, seinen verstorbenen Kollegen Thomas Kuhn zitiert: „Eine Theorie muss nur besser sein als alle anderen, sie muss nicht alles erklären können.“ Er beugte sich vor und fragte uns, mit leicht spöttischem Unterton: „Haben Sie eine andere? Eine bessere Landkarte, um sich in der heutigen Welt zurechtzufinden?“ Anschließend lehnte sich Professor Samuel Phillips Huntington zurück, zufrieden mit sich und der Welt – und in der richtigen Überzeugung, dass man den „Kampf der Kulturen“ auch im neuen Jahrtausend lesen und über ihn streiten würde.
Weil jeder, der mitreden will, diesen Text kennen muss.

Nachwort von Erich Follath zu Kampf der Kulturen. SPIEGEL-Edition Band 11 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Selten hat das Buch eines politischen Wissenschaftlers bei Laien so viel Zuspruch, bei Fachkollegen so viel Widerspruch erfahren." (Die Zeit )

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100 von 111 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Zukunft ungeschminkt ins Auge blicken, 31. Januar 2006
Von 
ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Manchmal gehört es zum guten Ton, dass Offensichtliche zu leugnen. Sozialbetrug im großen Stil? Ein Schuft, der so etwas behauptet. Der Euro, ein Schuldenclub, der das Vermögen der Sparer vernichten wird? Ein ignoranter Pessimist, der so etwas auch nur erwähnt. Unüberbrückbare Gegensätze der großen Mächte unserer Zeit? Ein Kriegshetzer, der so etwas konstatiert. Schier endlos ist die Liste politisch korrekter Meinungsvorgaben, und wehe: jemand wagt es, dagegen zu verstoßen!

In diesem Sinne ist auch das vorliegende Buch des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington in höchsten Maße politisch inkorrekt. Die ungeschminkte Gegenwartsanalyse, die Huntingtons Kampf der Kulturen" liefert, widerlegt das Gutmenschengesäusel vom ewigen Frieden als einen wirklichkeitsvergessen Blindflug von Politik- und Feuilletoneliten. Kein Wunder also, dass über dieses Buch in der veröffentlichten Meinung fast nur gezetert wird - Grund genug aber immerhin, es selbst einmal zu lesen

Was also sind nun die Grundthesen des Buches? Zuerst und vor allem: die Konflikte der Zukunft werden nicht mehr rassisch, national oder ideologisch sondern kulturell definiert sein. Diese Konflikte werden sich zweitens auch nicht mehr vornehmlich zwischen Staaten sondern zwischen den acht KULTURKREISEN der Welt abspielen: dem protestantisch-katholisch geprägten Westen" (USA, Europa, Australien, Kanada) dem orthodoxen Kulturkreis (Osteuropa/Russland), dem lateinamerikanischen, dem islamischen, dem afrikanischen, hinduistischen, chinesischen und dem japanischen Kulturkreis. Huntingtons dritte These besagt, dass innerhalb dieser Kulturkreise, die sich vorwiegend im Hinblick auf ihre religiösen Ursprünge definieren, der Westen seine Dominanz verlieren wird. Denn die weltweite Technisierung und Modernisierung führt nicht zur Verwestlichung anderer Kulturen sondern zur INDIGENISIERUNG", d. h zur religiösen Revitalisierung der außerwestlichen Kulturen, wobei die Verbreitung demokratischer Prozeduren geradezu ein Vehikel der Indigenisierung darstellt, denn wo immer außerhalb Europas frei gewählt werden darf, werden prowestlichen Eliten einfach abgewählt.

Umso mehr interessiert sich Huntington für die Herausforderungen, denen sich der Westen tatsächlich gegenüber sieht. Neben geringer Produktivität und wirtschaftlicher Stagnation, dem Zerfall der Familie und der fortschreitenden inneren Auflösung (Kriminalität, Korruption, Drogen etc:) sind es vor allem zwei äußere Bedrohungen: (1) die Herausforderungen durch die Wirtschaftsexpansion des chinesischen Kulturkreisen und (2) die demographische Expansion, vornehmlich des muslimischen und des lateinamerikanischen Kulturkreises. Das letztere betrifft Europa, das sich einer muslimischen Masseneinwanderung gegenüber sieht, aber auch die USA, die durch die hispanische Einwanderung zu einer gespaltenen" Gesellschaft werden könnten, denn denn in den USA werden in einer Generation 25 % aller Amerikaner Hispanics sein.

Huntington scheut sich auch nicht, die in der öffentlichen Diskussion hartnäckig geleugneten blutigen Grenzen des Islam" anzusprechen. Vor allem die ungeschminkte Darlegung dieses Sachverhalt hat dazu beigetragen, den Autor als Rassisten" zu denunzieren. Wer sich die Mühe macht, die entsprechenden Erklärungen in dem vorliegenden Buch zu lesen, muss eine ganz andere, soziologische Erklärung zur Kenntnis nehmen: Huntington erklärt die blutige Konfliktträchtigkeit islamischer Gesellschaften durch den extrem Jugendanteil in den demographisch expansiven islamischen Bevölkerungen, was in dieser Kombination immer und überall zu Verwerfungen führen würde.

Was die Herausforderung durch China anbelangt, so erscheint mit China der größte Mitspieler der Menschheit auf der Bühne der internationalen Politik" ein Mitspieler, dem es in einigen Jahren gelingen könnte, Ostasien als Kernraum der Welt der Kontrolle der USA zu entziehen. Gegengewichte gegen das unaufhaltsame Vordringen Chinas (falls das Land nicht vorher in eine innere Krise gerät) könnte Japan sein, das sich aber als pazifizierte Gesellschaft wahrscheinlich anpassen wird, auf jeden Fall aber Indien und Russland, die von einem Aufstieg Chinas noch elementarer bedroht sind als der Westen

Konfliktregelung in einer Welt der Kulturen kann es nach Huntington nur kulturintern geben, d. h. KERNSTAATEN", die dominanten Mächte innerhalb einer Kultur, müssen in ihrem Bereich regulierend eingreifen, d. h. legitimerweise greift Indien als Kernstaat des hinduistischen Kulturkreises in den Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen auf Sri Lanka ein - und nicht China oder Europa! Ein Strukturmangel der internationalen Politik aber ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass nicht alle Kulturräume unbestrittene Kernstaaten besitzen. In Ostasien ist es China, im Westen (noch) die USA, wer aber ist der Kernstaat Lateinamerikas (Brasilien? Argentinien?), des islamischen Kulturbereiches (Iran? Saudi Arabien? Ägypten?) oder Afrikas? Huntington weist überzeugend nach, dass gerade der Mangel interner Dominanz in einzelnen Kulturkreisen die internationale Konfliktlösung erschwert.

In der Interaktion der Konfliktparteien spielten darüber hinaus EINSMAE", GESPALTENE" und ZERRISSENE" Staaten eine dynamische Rolle. Einsame Staaten existieren eingeklemmt in fremden Kulturräumen (Äthiopien, Haiti, Armenien, Bosnien) und sind auf die Hilfe ihrer entfernten Kernstaaten angewiesen. Gespaltene" Staaten (Staaten mit Anteilen verschiedener Kulturen wie etwa Fidschi, Singapur, Nigeria, Ex-Jugoslawien) sind potentielle Felder von Bruchlinienkonflikten", also Konflikten, in denen sich die Exponenten großer Weltkulturen selbst gegenübertreten. Zerrissene Staaten" sind Gebilde, deren Eliten versuchen, das Land die Kultur wechseln zu lassen, wie etwa die Türkei, die unter Atatürk aus dem Islam ausgetreten ist und keinen rechten Einstieg in Europa findet. Auch der Versuch Mexiko in ein nordamerikanisches Land zu verwandeln, gehört hierzu. Russland ist das zerrissenes Land, das zugleich Kernland einer Kultur ist. Wenn man Huntington weiterdenkt, könnte man sagen, sogar Europa ist dabei ein zerrissener Kontinent zu werden, den seine Eliten von seinen kulturellen Identitäten wegführen wollen und die dabei an ihrer Bevölkerung scheitern (siehe Abstimmungen zur EU-Verfassung ).

Was ist zu tun? Die Zukunft des Westens besteht deswegen in einer Kontrolle der Einwanderung (die allerdings erhebliche psychische Kosten und Politikstress mit sich bringt), damit er seine Identität bewahren kann. Außerdem muss sich der Westen bescheiden mit seiner partiellen Rolle als einer der acht Kulturen, er muss sich heraushalten aus den Konflikten der Welt, die nicht seine eigen Kultur betreffen, sich auf die eigenen Werte besinnen, diese verteidigen, aber nicht exportieren. Huntington plädiert für eine Zusammenarbeit der Ethiken der großen Weltreligionen im Benmühen große Konflikt zu vermeiden ( ein solcher wird am Ende des Buches S. 515ff. durchgespielt ).

Am Ende des Buches ist man überrascht über die Vielfalt der Einsichten, die dieses monumentale Werk enthält. Man hat ein Kompendium der Gegenwart mit all den Wahrheiten gelesen, vor denen sich der herrschende Teil der öffentlichen Meinung drückt. Am Ende hat man sogar das Gefühl als sei das Gezeter über dieses Buch selbst ein Teil der Krise des Westens, die der Autor beschreibt.
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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die Grundthese ist anfechtbar, die hohe Qualität des Stoffes nicht, 28. Juli 2006
Von 
Gordian Ezazi (Troisdorf, Nordrhein-Westfalen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Kaum eine Publikation der letzten zehn Jahre verursachte auf dem Parkett der Sozialwissenschaften so viel Furore, wie Samuel P. Huntingtons Kampf der Kulturen.

Huntingtons Grundthese lautet, dass es mit Beginn des 21. Jahrhunderts vor allem Konflikte entlang der unterschiedlichen Kulturkreise, Zivilisationen geben würde. Provokativ erscheint Huntingtons Ansatz vor allem auch deshalb, weil er unterschiedliche Zivilisationen untersucht und dabei oftmals zu unliebsamen Urteilen kommt.

Die diversen Statistiken und Ausführungen Huntingtons unterstreichen dabei die schwindende Welthoheit des Westens. Die islamische Zivilisation, so der Autor, sei hingegen aufgrund seines stark steigenden Bevölkerungszuwachses auf dem Vormarsch, der Islam bald die führende Weltreligion. Der sinische Kulturkreis (China) sei laut Huntington der mit der größten Zuwachsrate auf ökonomischem Terrain, was die Mächtebalance neu ordnen würde (Zitat:Analytiker vergleichen das Auftreten Chinas mit dem Aufstieg des wilhelminischen Deutschland zur dominierenden Macht in Europa Ende des 19. Jahrhunderts.

Viele Aspekte die der amerikanische Politikwissenschaftler in seinem Buch aufgreift, wurden bei Erstveröffentlichung (1996) kontrovers diskutiert. Zehn Jahre nach dem erscheinen hat sich mancherlei Kritik dabei als berechtigt entpuppt, so vermag Huntingtons Version der unterschiedlichen, gegnerischen Kulturkreise nicht zu erklären, warum sich gerade interkulturelle Bündnisse auftun (Lateinamerika und Islam) und in kohärenten Kulturkreisen offene Wertediskrepanzen zu Tage treten (Westen  USA und Europa).

Trotz der durchaus anfechtbaren und diskussionswürdigen Einteilung von Konflikten in Kulturkreise, ist Huntingtons Lektüre in vielerlei Hinsicht als gelungen zu bezeichnen.

Die dargebotenen Statistiken sind anschaulich und die von ihm gezogenen Schlüsse und Erkenntnisse oftmals interessant und zutreffend. Zum Beispiel, dass sich die meisten Konflikte entlang des islamischen Kulturkreises abspielen würden, erweist sich spätestens seit dem 11. September als nicht ganz falsch.

Wie gesagt, das vorliegende Buch muss man kritisch angehen, man muss Huntington auch nicht in allen Punkten zustimmen, aber gelesen haben sollte man sein Werk dennoch, gerade in Anbetracht seiner Aktualität.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen ...ein kleiner Baustein zum Verständnis verwirrender Ereignisse., 25. Oktober 2010
Ich habe dieses Buch bereits Ende der 90iger Jahre in den USA erworben und mit einer Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit gelesen. Es hat bewirkt, dass ich sensibler und kritischer der "weltweit bestmöglichen Lebensform = westliche Demokratie" (O-Ton meines ehemaligen Geschichtslehrers!) gegenüber wurde - aber auch "sehender" bzgl. interkultureller Konflikte. Dennoch fand ich damals die Interpretation des drohenden Zusammenpralls der Kulturen zu pessimistisch und das Herunterspielen der wirtschaftlichen Interessen des Westens unangemessen.

Nach dem 11. September habe ich mir das Buch erneut zugelegt und noch einmal auf Deutsch gelesen, da ich das Original verliehen und vergessen hatte, wem.

Dick orange gemarkert habe ich in Kapitel IV/10 "Von Transitionskriegen zu Bruchlinienkriegen":

"Muslime haben Probleme, mit ihren Nachbarn friedlich zusammenzuleben. [....] Muslime stellen ein Fünftel der Weltbevölkerung, waren aber in den neunziger Jahren weit mehr als die Menschen anderer Kulturen an gewalttätigen Konflikten zwischen Gruppen beteiligt. Die Beweise hierfür sind erdrückend."

Es folgt eine Tabelle (mit Quellenangabe), die tatsächlich erschreckend ist und verdeutlicht, dass Muslime an 26 von insges. 50 Konflikten beteiligt waren. Davon 15 interkulturell (gegen Nicht-Muslime) und 11 intrakulturell (Sunniten gegen Schiiten usw.). Wie man sieht, gehen Muslime auch untereinander nicht gerade zimperlich miteinander um.

In den folgenden Jahren bis heute scheinen sich diese Aussagen fast alltäglich zu bestätigen. Wenn irgendwo Blut fließt: fundamentalistische Muslime sind in der Regel dabei. (Mal abgesehen von Stammeskonflikten in Afrika. Die stehen auf einem anderen Blatt.)

Auch heute noch lohnt es sich, dieses Buch mit kritischem Blick zu lesen. Es kann durchaus dazu beitragen, die Arroganz unseres eigenen Kulturkreises zu relativieren und die alltäglichen kleinen und größeren Gewalttätigkeiten der Muslime in einem größeren Kontext zu verstehen - was nicht heißt, sie achselzuckend zu tolerieren!

Will man die fanatisierten Muslime (nicht die im Westen integrierten, von unseren Werten quasi indoktrinierten) besser verstehen, sollte man sich mit der Entstehung, Geschichte und Zielen des Islams beschäftigen. Der Islam ist gegenwärtig das am stärksten expandierende Gesellschaftssystem im Gewandt einer Weltregion. Da lohnt es sich schon, mal einen Blick auf die Ethik, Moral und innere Logik des Systems zu werfen. Ich persönlich bevorzuge "Die Araber" von Bernard Lewis, obwohl er mit seinen zweifelsfrei vorhandenen innerislamischen Kenntnissen zu einem ganz anderen Fazit kommt, als ich.

"Kampf der Kulturen" ist flüssig geschrieben und in großen Teilen immer noch aktuell. Dass die wirtschaftlichen Interessen des Westens nicht von primärer Bedeutung sein sollen, scheint mir persönlich zu blauäugig zu sein. Daher nur 4 Punkte.
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