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Deutschland vergreist. Die Alterspyramide gerät aus der Form. Ohne gravierende Einschnitt in das Rentensystem wird jeder Erwerbstätige eine Rente bezahlen müssen. Der Konflikt ist vorprogrammiert. "Man muss heute den Generationenkonflikt nicht mehr beschwören, er ist da", schreibt Reimer Gronemeyer. Der Theologe und Soziologe, der an der Uni Gießen lehrt, ist einer der ersten, die in Deutschland auf den drohenden Generationenkonflikt hingewiesen haben. Schon 1989 hat er vor einem "drohenden Krieg der Jungen gegen die Alten" gewarnt. Dafür wurde er beschimpft und gescholten - und nun zahlt er zurück. Sein neues Buch ist eine wütende Philippika gegen eine vergreisende Gesellschaft, die in Untätigkeit erstarrt, ja nicht einmal wahrnehmen will, wohin sie treibt. Eine Polemik gegen eine Gesellschaft, die soziale Beziehungen durch Geld und Fürsorge sowie Zuwendung durch Technik ersetzt. Und es ist eine eindringliche Warnung, dass der Vergreisung der Gesellschaft eine "Vereisung" unserer Lebenswelt folgen könnte. Dann nämlich, wenn "der Kampf der Generationen ... zum Stellungskrieg in Verteilungskämpfen erstarrt."
Doch birgt die Situation auch Chancen: "Die anstehenden Einschränkungen können auch zum Aufbruch in eine neue Gemeinsamkeit werden, die Konflikte nicht leugnet, sondern in die Hand nimmt." Das klingt ein wenig nach Wort zum Sonntag, ist aber Ausdruck eines Gesellschaftsbildes, in dem der Bürger die Schlüsselrolle inne hat.
In dem Buch findet sich viel Richtiges und Bedenkenswertes. Gronemeyer will provozieren, er schreibt an gegen die Selbstgefälligkeit einer Politik, die nur das "Weiter so!" kennt. Doch hat er sich einmal in Fahrt geschrieben, gibt es kein Halten mehr. Wo man genau hinsehen müsste, was unter welchen Umständen Sinn macht, zückt Gronemeyer den Vorschlaghammer und holt aus zum großen Rundumschlag. Er nutzt das Thema zu einer Generalabrechnung mit einer Gesellschaft, deren Funktionsmodus er ablehnt. Auf dem Rücken der Generationenfrage reitet er eine wütende Attacke gegen das Böse in der Welt. Getrieben von ohnmächtigem Zorn verliert er jedes Maß. Die Alten würden "in die Mülltonne geworfen, wo sie die radikale Logik des Marktes schon seit langem haben möchte". Endstation Zynismus.
Gronemeyer vermutet richtig, dass in dieser scheinbar so ausweglosen Situation auch Chancen wohnen - nur, es interessiert ihn nicht. Modelle? Ideen? Lösungen? Fehlanzeige! Wenn es um konstruktive, zukunftsorientierte Vorschläge geht, wird der sonst so wortgewaltige Autor stumm. Was Gronemeyer als Lösung anbietet, ist ebenso dürr wie dürftig. Leerformeln, mehr nicht: "Weniger Wachstum, weniger Verbrauch - dafür mehr Leben", "Abkoppelung von der Geldwirtschaft", "eine neue Alters-Subsistenz". Zum Wie kein Wort. Ein wichtiges Thema, verschenkt. Leider.
(c)changeX Online-Magazin für Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft
Kurzbeschreibung
Der Konflikt ist da: Die Alten gegen die Jungen, die Jungen gegen die Alten. Reimer Gronemeyer, anerkannter Fachmann für Generationenfragen, sagt klar und deutlich, was uns erwartet und wie wir es bewältigen können.
Das ganze System funktioniert nicht mehr, wenn nicht bald etwas passiert: Die Renten werden sinken, die Gesundheit wird unbezahlbar, die Gesellschaft droht am Generationenkonflikt zu zerreißen. Was tun? Alle Bereiche unseres Lebens, so Reimer Gronemeyer, der schon 1989 in einem Buch vor den Gefahren der Überalterung warnte, werden von der demographischen Revolution betroffen sein. Alte werden politisch mächtiger, aber sozial immer mehr verachtet. Sie wollen die Früchte ihrer Lebensarbeit ernten, doch die sind schon vorher aufgezehrt. In Wohlstand und Sicherheit haben alle stets nur gelernt: »Ich auch! Noch mehr!« Lange haben das auch alle bekommen. Jetzt sorgen sich viele um die Zukunft, denn so geht es nicht weiter. Reimer Gronemeyer nennt Ursachen, Symptome und Lösungsmöglichkeiten. Er entwirft das Bild eines »neuen Alters«, das sich aus den Zwängen des Floridaurlaubs oder des Marathons mit 75 befreit und neue Kompetenzen des Verzichts und der Selbsthilfe fördert. Nur so können wir den Krieg der Generationen noch verhindern.