Axel Honneth versucht die Moralität des menschlichen Handels mit dem Begriff der Anerkennung zu rekonstruieren. Er hat interessante Idee, leider sind diese nur selten ausgeführt. Insgesamt hat man den Eindruck, dass zuviel gewollt und zu wenig erreicht wurde. Auch ist sein Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, wichtige Passagen (z.B. Marx und Sartre) sind viel zu kurz und kommen nicht über Andeutungen hinaus. Es wird definitiv kein analytischer Ansatz verfolgt. Man hat den Eindruck, dass er sich übernommen hat, eine Konsequenz ist, dass man auf die Idee kommen könnte, dass entweder das Buch zu kurz ist oder dass das Buch die falschen Schwerpunkte setzt. Der letztere Eindruck kommt daher zustande, dass Honneth dazu neigt viele verschiedene Ideen anzusprechen aber keine - oder wenn doch dann so verkürzt, dass unklar ist, von was er überhaupt spricht - im Detail ausführt.
Das wäre das Inhaltliche, ein zweiter großer Kritikpunkt ist, dass das Buch einfach unklug aufgebaut ist. So hat man die ersten 250 Seiten keine Ahnung, was denn die Motivation des Buches ist und was als Ziel angestrebt wird. Das wird erst in den letzten zwei drei Kapiteln deutlich, davor ist es wirklich ein Kampf sich (scheinbar) in der Luft hängende Ideen anzueignen. Zu bemerken ist, dass es nach dem Literaturverzeichnis noch weitergeht, d.h. auf ca. 40 Seiten geht Honneth auf Kritikpunkte ein die im Anschluss an dieses Buch aufkamen, diese sind sehr aufschlussreich für das Verständnis des Anerkennungsbegriffs.
Trotz dieser Kritik, denke ich, dass der Begriff der Anerkennung ein wichtiger und interessanter Punkt ist und das Honneth es geschafft hat diesen in einer ersten Form, wenn auch sehr problematisch, zu artikulieren.