Aus der Amazon.de-Redaktion
Der 1971 geborene britische Komponist Thomas Adès erarbeitete sich beachtlich schnell die internationale Anerkennung als Stern der neuen Komponistengeneration. Sein Debüt-Album
Life Story enthüllte verblüffende Möglichkeiten, mit Schall und Echo zu experimentieren. Seine Oper
Powder Her Face von 1997 beschreibt ein polystilistisches Amalgam aus wilder Comedy und tragischen Pathos und birgt als Arbeit einen betäubend theatralischen Effekt. Die vorliegende CD versammelt weitere Stücke des vielversprechenden Talents und flügge gewordenen Künstlers Adès. Die "Chamber Symphony" entwickelt ein lebhaft farbiges Spiel zwischen der Dachshund-Klarinette und einem ungezwungenen Ensemble der anderen Instrumente -- "sie werden infiziert mit der persönlichkeit des Solo-Instrumentes" nennt es Adès. "... But All Shall Be Well" folgt einem sprunghaften Schema durch den widerhallenden Garten der Lüste, "These Premises Are Alarmed" versprüht Feuerwerkskörper aus phosphoreszierender Virtuosität. "Asyla" heißt das Kernstück der Aufnahme, eine Mahler-verwandte Symphonie für Orchester und drei Klaviere. Es betritt in seinen 22 Minuten das weite metaphorische Terrain der Doppeldeutigkeit des eigenen Namens -- des Plurals des lateinischen Wortes "asylum". Die chaotische Üppigkeit und Farbigkeit verweist auf Strawinsky und Ligeti, die beherzte Refuge der Schlußszene gleicht einem obsessiven Tollhaus. Der Dirigent Simon Rattle arbeitet Adès brillante orchestrale Vorstellungskraft und sein kontrolliertes strukturelles Design gekonnt heraus. Das breit angelegte "Asyla" macht einen faszinierenden Kontrast zum "Concerto Conciso" aus. In dem impulsiven Klavierstück zeigt der Komponist selbst sein Können als Pianist. Adés liebt ungewöhnliche Ensembles aus Saxophon, Streichern, Blechbläsern und Schlaginstrumenten und läßt sie rhythmisch-energiegeladen gegeneinander antreten. Der tiefe Reichtum dieser Musik wird nach mehrmaligem Hören nachhaltig deutlich. Dem Komponisten Adès ist eine gebührende Aufmerksamkeit gewiß.
--Thomas May