Immer wenn ich mich mit dem Thema Kamikaze beschäftige, und dieses Buch von Scherer und sein Film, den ich gestern wieder im TV sah, ist das eindrücklichste, dann denke ich an die deutschen Soldaten in den beiden Weltkriegen, die ja auch verheizt wurden von einer geisteskranken Führerschaft und deren Lakaien und deren geistloser Bürokratie und unmenschlicher Justiz, die keine Auswege erlaubte. Die Unterschiebung, und klammheimlich versuchte Motivierung für weiteren Kadavergehorsam, bei Kamikaze handele es sich um heroische Selbstaufopferung, von der man sich eine Scheibe abschneiden könne, so nirgends expliziert aber leider sublim vorhanden, diese Unterschiebung ist das schlimmste an nachträglicher Selbstbeweihräucherung der Pathetischen! "Die größten Bestien sind nicht einzelne Menschen, die größten Bestien sind die Staaten", bemerkte Nietzsche einmal in seinen Momenten kurzer Klarheit. Die jovialen Reden der Befehlshaber vor den deprimiert dastehenden jungen Männern, die keinerlei Ausweg sahen, denn Rechte hatten sie nicht (wie kein Soldat dieser Welt, auch heute nicht), die jovialen Reden, die im Film vorkommen sowie in den im Buch wiedergegebenen Tiefen-Interviews, die jovialen Reden sind das erschütternde, auf das wir blicken sollten, nicht auf einen angeblichen heroischen, vorbildlichen Tod, den es nicht gab, sondern nur die erbärmliche Ausweglosigkeit des Verschickten. Dass es sich hier um ein Problem aller Soldaten, nicht nur der japanischen, handelt, wird noch zu wenig entdeckt. Dass staatliche Systeme mit höhnischer Anwendung ihrer juristischen Einkesselungen immer wieder die Wehr- und Recht-losigkeit oder zumindest naive Verführbarkeit junger Männer ausnutzen können, das ist das eigentliche Problem. Die Selbstmord-Attentäter, mit dem Sprengstoff-Gürtel um den Bauch, sind nur ein weiterer Beweis, dass das Thema Kamikaze nicht auf ein Land oder eine Zeit beschränkt war. Etwas über den Tellerrand von 1944-1945 sollte man durch dieses Buch hinausgucken lernen. Das Buch gibt die Chance dazu!