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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unmenschlich sachlich!, 15. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Kameramörder. (Taschenbuch)
Zwei Paare verbringen die Osterfeiertage geminsam in der ländlichen Steiermark. Doch ein Verbrechen im benachbarten Ort dringt immer nachdrücklicher in die Idylle ein. schon die Handlung alleine, grausame Morde an Kindern vor laufender Kamers zu Ostern, könnte ein gutes Buch ausmachen. Doch Glavinic greift höher: Mit fast unmenschlicher Sachlickeit lässt der Autor den Ich-Erzähler die Ereignisse wiedergeben. Durch diese Distanz kommt ein unbehagliches Gefühl auf dass den friedlichen Aufenthalt überschattet. Der Medienpräsenz des Doppelmordes können und wollen sich die Protagonisten nicht verschließen, sie sind gerade süchtig nach Neuigkeiten. Es sind keine herausragenden Persönlichkeiten, doch mit nüchternem Blick schafft Glavinic es den Alltagstypen und Klischeegestalten Leben einzuhauchen. Ich wollte nach "Wie man leben soll" mehr von Glavinic lesen und bin dabei auf "Der Kameramörder" gestoßen. Nach den ersten paar Seiten hat mich der trockene Stil gepackt und für den Rest des Tages(und gleichzeitig Buches) nicht losgelassen. Die frische Mischung aus Medienkritik, trockenem Krimi und genauer Alltagsbeobachtung verdient ihre fünf Sterne.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
haarsträubend zu lesen aber spannend, 18. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Kameramörder. (Taschenbuch)
Nach den ersten Seiten wartete ich noch auf den Wechsel im Schreibstil. Doch da kam nichts Neues. Unfassbar dachte ich erst. So langsam gewöhnte ich mich an diese Art der Informationsvermittlung. Spaß macht der Stil nicht, aber das genau soll so sein (nehme ich jedenfalls an). Trotzdem kommt man nicht los von dem kleinen Buch. Die Seiten lesen sich schnell und man ist fast geneigt nicht nachzudenken über die Handlung. Doch es braut sich etwas zusammen. Zum einen weckt die Story unsere unermüdliche Neugier und wir müssen uns manchmal an die eigene Nase fassen, zum anderen wird die Szenerie immer unwirklicher. Der Schluss ist nicht vorhersehbar. Danach geht man in Gedanken das Buch ein zweites Mal durch. Warum? Lest selbst...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dynamik und außergewöhnlicher Stil, 28. Oktober 2011
Der erste Blick auf die Inhaltsangabe lässt vermuten, dass Thomas Glavinic dem Publikum mit "Der Kameramörder" einen Standardkrimi vorsetzt. Während der Lektüre merkt man jedoch recht schnell, dass dem kurzen Roman fast alle dafür notwendigen Zutaten fehlen. Man erhält beispielsweise weder über Opfer noch über Täter weiterführende Informationen, Motiv und Ermittlungsarbeit der Polizei bleiben ebenfalls großteils im Dunkeln. Dennoch ist die Geschichte über den Mord spannend und am Ende wartet ein durchaus überraschender Täter. Gelobt wird "Der Kameramörder" aber meist nicht wegen der Kriminalhandlung, die eigentlich auch nicht das Thema des Buches ist, sondern eher aufgrund der medien- und sozialkritischen Ansätze. Glavinic gelingt es sehr schön, die Sensationsgier der Medien, aber auch der Gesellschaft einzufangen. Zu 100 Prozent überzeugen kann die Umsetzung jedoch nicht, was vorrangig an der Perspektive der Erzählung liegt. Die Auswahl der Protagonisten und die durchwegs realistisch wirkende Wiedergabe erschweren eine tiefer gehende Behandlung dieser komplexen Thematik - ähnlich wie in " Sweet Sixteen" von Birgit Vanderbeke sind die Ansätze vielversprechend, eine nachhaltige Auseinandersetzung fehlt leider. Einen Denkanstoß bietet "Der Kameramörder" aber allemal. Wovon das Buch letztlich lebt, ist die wahnwitzige Dynamik, die die Geschichte durch die einfache Sprache erhält. Der Autor legt seinem Ich-Erzähler beinahe schon assoziative Gedankenketten in den Mund, die aber derartig treffend und gut formuliert sind, dass sich auch scheinbare Belanglosigkeiten perfekt einfügen und der Lesefluss kein einziges Mal unterbrochen wird. Der Stil selbst ist sehr knapp und von jeglicher Emotionalität befreit, was dem Thema durchaus angemessen ist. Altmodisch wirkende und moderne Ausdrücke und Satzstellungen fügen sich ideal aneinander, in jedem Satz meint man die Freude, die der Autor an der Sprache hat, zu spüren. Mir persönlich war das Lesen - abseits der genannten inhaltlichen Mängel - das reine Vergnügen, sodass ich eigentlich nur die Höchstwertung vergeben kann.
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