Es ist schon erstaunlich, dass immer wieder bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen auftauchen, die das Kriegsgeschehen anschaulich und hautnah schildern. Anders als in den Propagandaaufnahmen der Wochenschau sieht man hier die ungeschminkte und unzensierte Wahrheit - so wie der Landser den Krieg damals erlebt hat. Zwar aus der subjektiven Perspektive des filmenden Wehrmachtssoldaten, aber insofern doch objektiv, weil er alles gefilmt hat, was ihm vor die Linse kam: verwundete und tote deutsche Soldaten, Gräber und staubige Pisten, Schlamm und Schnee, Kontakte zu gefangenen Rotarmisten und zur Zivilbevölkerung, Freunde und Leid. Das Grauen und der brutale Soldatenalltag werden durch diese Amateuraufnahmen auch für nachwachsende Gnerationen nachvollziehbar. So sind die Bilder eine historische Quelle ersten Ranges.
Das Stilmittel, die Aufnahmen nicht durch einen professionellen Off-Sprecher kommentieren zu lassen, sondern von ehemaligen Wehrmachtsangehörigen, fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig, aber bei längerem Zuschauen stellt sich ein zusätzlicher Authentizitätseffekt ein, der die Wirkung der Filmaufnahmen noch unterstützt.
In der Schlacht um Stalingrad brechen die Filmaufnahmen unvermittelt ab. Wie ich erfahren habe, ist der Kameramann, der die Aufnahmen gedreht hat, kurz nach der letzten Einstellung gefallen. Seine einzigartigen Filme wurden von den Angehörigen über viele Jahrzehnte aufbewahrt und so dem Vergessen entrissen.