Eine fröhliche Aneinanderreihung aller möglichen und unmöglichen Sexstellungen? Das Kamasutra - das älteste Erotiklehrbuch der Hindus - ist weit mehr als das. Es ist ein Buch über die Lebenskunst im Allgemeinen, für die das Liebesleben besondere Bedeutung hat. Zwischen 200 und 300 n. Chr. zerbrach sich der aus Nordindien stammende Mallanaga Vatsyayana den Kopf über das Thema der Liebe und fasste die Resultate seiner Überlegungen und seiner Lektüre im Kamasutra zusammen. Im Mittelpunkt der Ausführungen stehen der so genannte Lebemann und die Kunst der Verführung, die sehr viel Einfühlungsvermögen erfordert, wenn sie zum Erfolg führen soll. Frauen, sagt Vatsyayana, sind empfindsam und sollten wie Blumen behandelt werden, damit sie nicht verblassen und ihren Duft verlieren. Mit Einsichten wie dieser taugt der uralte Ratgeber in mancher Hinsicht auch heute noch als Anleitung zu einer erfüllten Beziehung. Auch erprobte Tipps zum Fremdgehen fehlen nicht, aber wenn das Kamasutra eine Hauptaussage hat, dann die, dass die Lust kultiviert werden muss und der menschliche Sexualtrieb der Mäßigung bedarf, um seine Kraft zu entfalten.