Arne Hoffmanns "Kamasutra am Arbeitsplatz" ist die volle Packung, was das Thema Sex im Job angeht. In seinem ersten Teil stellt es die unterschiedlichen Untersuchungen vor, denen zufolge pi mal Daumen jeder Dritte schon mal in den Genuss eines solchen Abenteuers gekommen ist. Daraufhin beschäftigt sich Hoffmann mit den Gründen dafür und nennt in einem leidenschaftlichen Plädoyer viele Argumente, weshalb mehr Sex am Arbeitsplatz eine gute Sache sein kann: für den Einzelnen, für eine Firma, aber auch für unsere Wirtschaft insgesamt. Wenn er dabei mit Stichworten wie Work-Life-Balance, einer wachsenden Durchmischung von Job und Privatleben etc. die ohnehin bereits stattfindenden Veränderungen unserer Arbeitswelt schildert, gewinnt der Leser schnell den Eindruck, dass der Trend sowieso schon in diese Richtung geht.
Insofern widmet sich Hoffmann nach einer Reihe von prickelnden erotischen Geschichten zum Bürosex schließlich der Frage, wie man als Einzelner dafür sorgen kann, dass der eigene Sex am Arbeitsplatz ein möglichst positives Erlebnis darstellt. Wann sollte man sich auf so etwas einlassen und wann eher nicht? Wer kommt als Partner dafür in Frage? Wie verführt man jemanden zu einem solchen Abenteuer? Wie sorgt man dafür, dass es unbemerkt bleibt? Welche Orte und welche Stellungen bieten sich am Arbeitsplatz besonders an? Wie geht man mit neugierigen Kollegen um? Und wie zieht man sich elegant aus der Affäre, wenn die ganze Sache auffliegt? Das sind nur einige der vielen Fragen, von denen jede in einem eigenen Kapitel beantwortet wird.
Dabei unterliegt etlichen Passagen des Buches ein Hauch sanfter Ironie. So heißt es beim Thema Zubehör knochentrocken: "Gleitmittel sollten Sie rechtzeitig an dem Ort bunkern, an dem der Sex stattfinden soll, damit Ihnen keiner Ihrer Kollegen im Flur begegnet, während Sie es dorthin bringen. Es gibt verhältnismäßig wenige Bürotätigkeiten, die die Verwendung eines Gleitmittels erfordern." Ähnliche Umsicht sollte man auch nach dem Sex walten lassen: "Gibt es irgendwo verräterische Spermaflecken, die sich dort vorher noch nicht befanden?" Auf den folgenden Seiten erfährt man, wie man solche Flecken schnell und effektiv beseitigt - und welche Kaugummis am besten dafür geeignet sind, verräterischen Mundgeruch nach Oralsex zu unterdrücken. Mögliche Gefahren des Bürosex werden plastischer, indem der Leser in eine fiktive Situation versetzt wird: "Sie dachten zum Beispiel, das etwas abgelegene Büro einer noch für den Rest der Woche krank gemeldeten Mitarbeiterin sei sicher genug, um dort mit Ihrem Assistenten die 'orientalische Liebesschaukel' auszuprobieren - aber stattdessen platzt überraschend Seidel vom Controlling rein, um nach irgendwelchen wichtigen Unterlagen zu suchen, starrt Sie beide entgeistert an und rast dann zurück ins Kollegenrudel. Was tun Sie jetzt?" Auch vieles aus der vom Autor zitierten Literatur zu diesem Thema ist nicht ohne Witz: "Eine Umfrage der Firma Canon, die Kopiergeräte herstellt, förderte zutage, dass fast ein Drittel der Reperaturaufträge, die bei ihr eingingen, damit zu tun hatten, dass im Zusammenhang mit solchen Fällen Glas ersetzt oder ein Papierstau beseitigt werden sollte, in denen auch 'peinliche Bilder' als Beweisstücke für die Ursache des Schadens vorlagen." Dabei ergänzt Hoffmann das Thema Sex auf Kopierern mit folgendem "Sicherheitshinweis", der "Konflikten innerhalb der Bürobeziehung vorbeugen" soll: "Falls bei Ihnen der Mann auf der Auflagenscheibe des Kopierers zu liegen kommt, sollte seine Partnerin tunlichst vermeiden, mittels der 'Verkleinern'-Taste Kopien seines Penis im Miniaturformat anzufertigen. Nicht jeder Mann besitzt den für derlei Scherze notwendigen Humor."
All diese Einschübe, deren trockene Ironie stellenweise fast an Loriot erinnert, tun der Ernsthaftigkeit des Buches insgesamt aber keinen Abbruch. Dies wird etwa auch in Kapiteln wie "Sexuelle Belästigung vermeiden" deutlich, in denen der Autor mit erkennbar mehr Ernst beiden Geschlechtern gerecht zu werden versucht. Alles in allem ist "Das Kamasutra am Arbeitsplatz" so trotz seiner gründlichen Auseinandersetzung mit dem Thema leicht zu lesen und erinnert einen unweigerlich immer wieder an Situationen oder Kollegen aus dem eigenen Beruf. Wie sehr man sich durch die Lektüre schließlich zu einem eigenen Techtelmechtel inspirieren lässt, bleibt jedem selbst überlassen. Alle dazu notwendigen Tipps und Techniken hätte man jetzt jedenfalls zur Hand.