Es wirkt flüssiger als geschrieben, mehr erzählt und wenn man die Stimme von Michael Köhlmeier kennt, so hört man ihn reden. Im Buch findet sich der Autor wieder in Odysseus selbst, dem Redegewandten und in Ikarios, dem Vater Penelopes, der die Kunst beherrschte "Geschichten in Skizzenform zu erzählen, sie aber mit einer Substanz zu versehen, die aus der Phantasie der Zuhörer die fehlenden Teile sog, sodass sich die Erzählung erst im Kopf und im Herzen des Zuhörers vollendete und dort auch verankerte."(S.267) Die Geschichten strahlen Sonnenwärme aus, als läge man selber am Strand einer griechischen Insel und spürte den warmen Wind vom Meer her. Es sind menschheitserprobte Geschichten, verwinkelt, vielfältig, tiefgründig und sie sind einem so vertraut, als kennte man sie schon seit jeher. Die Geschichte der Vorbereitungen zum Krieg um Troia, in deren Mittelpunkt Agamemnon, Palamedes und Odysseus stehen, geht besonders nahe und lotet die kleinsten, verästelten Ängste, Motive, Gedanken, die menschlichem Handeln zugrundeliegen, aus. Die Darstellung der Beziehung von Odysseus zu Agamemnon ist für mich noch zutreffender und eindringlicher als die Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Odysseus und Kalypso, in deren Zentrum der Wunsch nach Unsterblichkeit, nach einem Stillstand der Zeit, nach einer nie versiegenden sinnlichen, sexuellen Anziehungskraft steht. Im Hintergrund beeinflussen Athene und Hermes - zwei der unzählbar vielen griechischen Gottheiten, die deshalb so sympatisch sind, weil sie keinerlei Moralvorstellungen haben und in ihrem Denken und Handeln das ganze Spektrum menschlichen Fühlens und Tuns beinhalten - das Geschehen maßgeblich und bewirken dass Kalypso - please release me, let me go - Odysseus heim fahren läßt zu seiner Frau Penelope und zu seinem Sohn Telemach.