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4.0 von 5 Sternen
Köhlmeiers zweiter Teil seiner Trilogie, 20. Juni 2000
Von Ein Kunde
Seit geraumer Zeit liegt der zweite Teil Michael Köhlmeiers Odysee-Tetralogie vor. Der Vorarlberger Autor hat sich zum Ziel gesetzt Homers Odyssee nachzuerzählen und die antike Vorlage in einen Gegenwartsroman zu kleiden, also den Mythos in modernes Gewand zu kleiden. Zugegeben, Kalypso mag nicht mehr so fesseln wie es beim Telemach der Fall war. Köhlmeier geht in diesem Roman der Frage nach, was Odysseus bewogen habe, die Unsterblichkeit auszuschlagen, die schöne Nymphe zu verlassen und nach einer langen Zeit wieder zu seiner Familie zurückzukehren. Odysseus steht im sexuellen Banne Kalypsos, die auch hin und wieder mit dem Bus in die Stadt fährt, um sich mit Zufallsbekanntschaften im Stundenhotel zu vergnügen. Hermes und Athene kommen nach Ogygia und verwandeln sich in Comic-Figuren, in Calvin& Hobbes, wobei sie die beiden für den Schweizer Religionsreformator und den englischen Aufklärer halten. Solche Anachronismen sind zahlreich, manchmal auch etwas überflüssig oder knapp an der Pornographie vorbei. Der Vorwurf, daß der Roman ausschließlich pornographisch sei, wie es Reich-Ranicky behauptet hat, hält nicht stand, denn auch in Kalypso zieht der Autor den Trojanischen Krieg heran, um kritisch das Heroentum zu betrachten. Auch Bilder, wie das Kalypsos, die sich unter den Sterblichen einen Mann sucht, der es mit Odysseus aufnehmen könnte, es aber nicht vermögen ihr standzuhalten und im Augenblick der Lust versteinern, und die Schilderung des Krieges, schon allein diese Stellen sind es wert, sich mit Köhlmeiers zweitem Teil seiner Odyssee-Trilogie zu befassen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Please release me, let me go., 13. Mai 2000
Von Ein Kunde
Es wirkt flüssiger als geschrieben, mehr erzählt und wenn man die Stimme von Michael Köhlmeier kennt, so hört man ihn reden. Im Buch findet sich der Autor wieder in Odysseus selbst, dem Redegewandten und in Ikarios, dem Vater Penelopes, der die Kunst beherrschte "Geschichten in Skizzenform zu erzählen, sie aber mit einer Substanz zu versehen, die aus der Phantasie der Zuhörer die fehlenden Teile sog, sodass sich die Erzählung erst im Kopf und im Herzen des Zuhörers vollendete und dort auch verankerte."(S.267) Die Geschichten strahlen Sonnenwärme aus, als läge man selber am Strand einer griechischen Insel und spürte den warmen Wind vom Meer her. Es sind menschheitserprobte Geschichten, verwinkelt, vielfältig, tiefgründig und sie sind einem so vertraut, als kennte man sie schon seit jeher. Die Geschichte der Vorbereitungen zum Krieg um Troia, in deren Mittelpunkt Agamemnon, Palamedes und Odysseus stehen, geht besonders nahe und lotet die kleinsten, verästelten Ängste, Motive, Gedanken, die menschlichem Handeln zugrundeliegen, aus. Die Darstellung der Beziehung von Odysseus zu Agamemnon ist für mich noch zutreffender und eindringlicher als die Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Odysseus und Kalypso, in deren Zentrum der Wunsch nach Unsterblichkeit, nach einem Stillstand der Zeit, nach einer nie versiegenden sinnlichen, sexuellen Anziehungskraft steht. Im Hintergrund beeinflussen Athene und Hermes - zwei der unzählbar vielen griechischen Gottheiten, die deshalb so sympatisch sind, weil sie keinerlei Moralvorstellungen haben und in ihrem Denken und Handeln das ganze Spektrum menschlichen Fühlens und Tuns beinhalten - das Geschehen maßgeblich und bewirken dass Kalypso - please release me, let me go - Odysseus heim fahren läßt zu seiner Frau Penelope und zu seinem Sohn Telemach.
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