Das Schicksal der Totalamnesie erscheint unmöglich, und doch kann es passieren, dass ein Mensch durch einen Unfall, verbunden mit einer seelischen Ausnahmesituation, sein Gedächtnis nicht nur teilweise verliert, sondern alles vergisst, was er jemals gelernt hat. Dies passiert mit Anna, sie muss ihre Sprache wieder erlangen und ihre Fähigkeiten im täglichen Leben, angefangen damit, dass sie lernen muss, dass man nicht kostenlos Bus fahren darf. Am Anfang erinnert sie den Leser wirklich an ein kleines Kind, doch rasend schnell wird sie erwachsen und lernt immer mehr. Für den Leser ist es faszinierend zu beobachten, wie die Welt sich vor Anna auftut und sie immer weiter in ihre eigene Vergangenheit vordringt, die anscheinend jeder vor ihr verstecken will. Den Grund dafür will sie erfahren, auch wenn die Suche nach ihrer Geschichte immer wieder droht, sie zu überfordern.
Passend zur Reifung Annas entwickelt sich auch der Sprachstil, der anfänglich noch sehr einfach gehalten ist, da ihre Gedanken sich ja auf dem Stand einer Siebenjährigen befinden, bis sie am Ende der Geschichte zu der jungen Frau reift, die sie in Wirklichkeit ist.
Joachim Friedrich verbindet hier gekonnt viele Elemente zu einem überzeugenden Roman. Er verflechtet eine zarte Liebesgeschichte mit einem handfesten Krimi, bei dem der Leser mit raten kann, wer gut, wer böse ist und vor allem: Was mit Anna geschah. Die Suche nach der Vergangenheit führt quer durch Deutschland und sogar nach Teneriffa, was dem ganzen noch mehr Abwechslung verleiht.
Für jugendliche Leser, die sich gerne von Krimis zum Mitermitteln verleiten lassen, ist dies eine spannende Lektüre.