Im Peak District herrscht tiefer Winter. Unüblich starke Schneemassen bedecken nicht nur Landschaft und Ortschaften, sondern auch so manches Verbrechen. So wird bei Räumarbeiten eines Schneepfluges die Leiche eines Unbekannten gefunden. Und wenig später entdeckt man in der Nähe eines alten Flugzeugwracks den Körper der jungen Marie Tenant, die sich dort scheinbar zum Sterben niedergelegt hat und erfroren ist. Allenfalls mäßig motiviert beginnt man mit der Ermittlung, die sich nicht nur wegen des schlechten Wetters als schwierig gestaltet. Mehr als sonst kränkelt die Polizei von Edendale an chronischer Unterbesetzung und Machtgerangel auf Führungsebene.
Da taucht zu allem Überfluß noch die Kanadierin Alanis Morrissey auf, die mit breiter Unterstützung der Polizei das Schicksal ihres im zweiten Weltkrieg verschollenen Großvaters zu ergründen hofft. Als sich herausstellt, dass es sich bei Morrisseys Großvater um einen Piloten handelt, dessen Jagdbomber am Irontongue Hill zerschellte, wird Ben Cooper hellhörig. Denn das Wrack des Flugzeuges liegt noch heute am Fuße des Felsens und ist kein anderes als jenes, neben dem Marie Tenants Leiche gefunden wurde. Cooper glaubt nicht so gern an Zufälle und lenkt die Ermittlungen entgegen den Anweisungen seiner stets skeptischen Vorgesetzten Fry geschickt in die Richtung, wo er einen Zusammenhang zwischen allen Fällen vermutet.
Nach Booth' ersten Romanen, die für mich einen neuen Meilenstein des britischen ländlichen Krimis markieren, hielt sich meine Begeisterung für "Kaltes Grab" arg in Grenzen. Booth' dritter Fall ist zwar wieder ein markanter sozialkritischer Krimi mit viel Lokalkolorit und expliziter polizeilicher Ermittlungsarbeit. Aber er krankt nicht nur an seinen vielen Handlungsabläufen, von denen dann einer zuletzt für Aufklärung sorgen soll, sondern auch am Thema. Dieses konnte sich mir leider während des gesamten quälend ermüdenden Lesens bis zum Ende nicht erschließen.
Außerdem muß ich sagen, daß mich ein Buch selten derart deprimiert hat. Das lag wohl zum einen daran, dass Ben Cooper, Diane Fry und so ziemlich alle Protagonisten des Romans Probleme wälzen und derzeit irgendwie schlecht drauf sind. Zum anderen vermittelt der Plot mit seinen düsteren Landschaftsbeschreibungen, der unwirtlichen Jahreszeit, den bedauernswerten Einzelschicksalen aller möglicher Zeugen und den ellenlangen flugzeugkundlichen Erklärungen eine einzige und immerwährende Tristesse.
Ich hoffe, die nächsten Bücher werden Stephen Booth wieder eher gerecht, denn eigentlich waren mir der melancholische Cooper, die herb-zickige Fry und der von feingeistigem Humor geprägte Stil des Autors sehr ans Herz gewachsen. *NW*