Wenn ein österreichischer Schlachthofbesitzer verurteilt wird, weil er billiges Fleisch aus Osteuropa als teure österreichische Spitzenqualität verkauft hat, so ist das a) vor einem österreichischen Gericht vor kurzem tatsächlich passiert? b) eine Erfindung von Eva Rossmann? Richtig ist a. Möglich wäre auch b). Aber zu viel sollte über den Plot von "Kaltes Fleisch" nicht verraten werden. Ich find es nur ganz spannend, wenn ein Krimi schon in der Zeitspanne zwischen Produktion und Erscheinen zur Vorlage für die Realität wird. Aber auch nach der Lektüre stellt sich die Frage: Wissen wir, was wir essen?
Und genau das ist eine der Stärken von Eva Rossmann: Ihre Krimis passieren in einem Alltag, der für Leserinnen und Leser nachvollziehbar ist. Und der trotzdem immer neue Überraschungen bereit hält, auch krimineller Natur. Passen Sie auf, wenn Sie einkaufen gehen, nicht nur auf die Preise...
Und: Achten Sie auf die Kassierinnen. Da stecken Menschen in den Uniform-Kitteln, auch wenn wir in der Schlange nicht immer dran denken. "Kaltes Fleisch" ist ihnen gewidmet. Meines Wissens das erste Buch, das dieser vielstrapazierten Gruppe von Frauen zugeignet ist. Und das zu Recht, eindeutig.
Mira Valensky in Küchen-Aktion, Vesna Krajner als Supermarkt-Spionin, ein Anwalt in obskuren Hinterzimmern, und Gismo, die verfressene, vorwitzige Schildpattkatze: Mir haben sie wieder spannende Stunden bereitet. Ich freu mich auf ihren nächsten Auftritt. Inklusive Kochrezepte (davon könnte es ruhig noch ein paar mehr geben) - auch wenn einem bei "Kaltes Fleisch" manchmal vorübergehend der Appetit vergehen sollte. Keine Angst, er kommt wieder.