Tja, wie soll ich bei diesem Roman objektiv bleiben? Den absolut höchsten Spannungsfaktor macht für mich nämlich die Tatsache aus, dass Kaltes Blut in jenem Ort spielt, indem ich aufgewachsen, zur Schule gegangen bin und heute noch immer lebe. Ich kenne daher praktische jede Straße die im Buch vorkommt und jede Platzbeschreibung, diese sind nicht fiktiv, sondern real. Das alleine macht einfach eine ganz andere Faszination aus und bringt eine ungewöhnliche Leseperspektive, die ungemein viel Spaß erzeugt.
Aber das macht natürlich für ortsfremde Leser so gar keinen weiteren Sinn, daher zur Handlung:
Sehr spannend aufgebaut und rasch und schnell erzählt, kommt der Roman gut in Fahrt, die Charakter sind teilweise etwas überspannt und nicht wirklich tragfähig ausgebaut, aber okay. Auch waren mir die einzelnen Personen zu sehr in Klischees verpackt, was mir ziemlich schnell verdeutlichte, wer der/die Mörder/in ist. Wie in vielen Kriminalromanen zu finden, wurde eine Taktik gewählt, die mir den erwarteten tödlichen Charakter servierte. Aber gut, dass brachte der Spannung keinen Abbruch, war es doch interessant zu lesen, wie Julia Durant diesen Fall löst.
Ok, ich gebe zu, die gegen Ende des Romanes herausgefilterte Dynamik auf dem Reiterhof (ich will nicht zuviel verraten) ist extrem überspannt und könnte dem Autor in der entsprechenden Interessensgruppe keine Freunde machen. Hier wurden richtig deftig Klischees und Vorurteile in einen Suppentopf gepackt und ein reichlich unverdaulicher Eintopf gekocht. Ich musste innerlich wirklich etwas grinsen, kam es mir doch vor, als wären hier ein paar Jugendträume mit Herrn Franz durchgegangen.
Und doch, das Buch ist spannend, der Stil wie gehabt, einfach, aber prima lesbar, gut aufgebauter Plot und einer Julia Durant, die sich wie immer mehr oder weniger von Bier, Fast-Food und Zigaretten ernährt. Aber so ist sie halt!