Eins gleich vorneweg: Man kann "Kalter Süden" nicht mit Freude lesen, wenn man nicht wenigstens "Nobels Testament" und "Lebenslänglich" davor gelesen hat. Es gibt kein: "Was bisher geschah", die Figuren werden nicht mehr eingeführt, entweder, man kennt sie oder man steht im Regen. Die Bücher bauen aufeinander auf, ob man das nun gut oder schlecht findet, bleibt jedem selbst überlassen, aber es istneben der nur einfach fortgesetzten Story aus "Lebenslänglich" auch wichtig, um die Figur Annika und all ihre Probleme und Beziehungen zu verstehen. Sie ist und bleibt eine der bewegendsten, authentischsten und menschlichsten Krimiheldinnen, die ich kenne und wenn man alle acht Bücher gelesen hat, weiß man nicht, ob man sie zur Freundin möchte, oder ob sie einem nicht irgendwie doch nervt in ihrer unsicheren Spröde, aber sie ist eben eine alte Bekannte. Und daß Liza Marklund Annika in "Kalter Süden" mal wieder fast am Glück schnuppern lässt, ist schön und versöhnlich nach all dem Unglück und Schmerz, den sie dieser Figur aufgebürdet hat. Natürlich wird Annika wieder in eine böse Geschichte hineingezogen , diesesmal geht es um einen Gasmord in Spanien, dem eine ganze Familie zum Opfer fällt und diesesmal hat Marklund auf bewährte Charaktere wie den charmanten "Q", Anne Snaphane, Sophia "DS" Grenborg sowie Kalle und Ellen, die Kinder Annikas verzichtet und Annika statt dessen eine Gruppe sehr interessanter Nebenfiguren zur Seite gestellt, die aufgedonnerte Dolmetscherin Carita, die nervige Fotografin Lotta, den inkompetenten Nachrichtenchef Patrik, den sexy Ermittler Niklas und den Hans- Dampf-in-allen- Gassen Rikard Marmen. Diese Typen bringen die Story schnell auf Tempo und haben mich sehr gefesselt. Dazu die Einschübe aus der Vergangenheit dreier Mädchen, deren Identität sich erst langsam herauskristallisiert. Okay - auf diese Zusatzschiene hätte man auch verzichten können, die Beziehung der Drei in der späteren Gegenwart und ihr Beitrag zur Geschichte blieb mir ein wenig zu weit hergeholt, überhaupt ist dieser "Die Welt ist ein Dorf" und alles hängt zusammen- Ansatz manchmal ein bisschen zu viel und unglaubwürdig. Es wäre glaubwürdiger, wenn nicht am Ende irgendwie alle und jeder miteinander verwandt wäre.Aber das hat meine lesefreude nicht getrübt. Liza marklund ist unter all den Fließband - Krimi- Schreiberinnen die Einzige, die mich persönlich noch nicht enttäuscht hat und ich freue mich schon wirklich auf das nächste Buch.