Ich habe schon mehrere autobiographische Bücher von Ärzten gelesen, doch keines hat mich bisher so gefesselt wie der Rückblick Wolfgang Spanns auf sein Leben und seine berufliche Laufbahn. Eine starke Persönlichkeit scheint aus diesen Erinnerungen zu sprechen, ein direkter, entschlossener, verlässlicher Charakter. Was er schreibt, hat Hand und Fuss, alles wird ohne Umschweife klar und deutlich gesagt. Gerade diese seine Eigenart, niemals Zweifel an seiner eigenen Meinung aufkommen zu lassen, seine innere Einstellung zu allem, wovon er berichtet, offen auszudrücken, gibt seinem Buch eine zutiefst persönliche Note und eine mitreißende Unmittelbarkeit.
Die ersten Kapitel widmet der Autor seiner Kindheit, der Jugend im NS-Staat, der Kriegszeit und seiner Ausbildung. Obwohl er sehr diskret hinsichtlich seines Privatlebens bleibt, gibt er doch soviel preis, dass man einen nachhaltigen Eindruck seiner Lebensumstände gewinnt, nicht zuletzt deshalb, weil er überaus lebendig und packend zu erzählen weiß.
Im weiteren Verlauf des Buches werden unter die Kapitel, die sich auf den persönlichen Werdegang beziehen, Kapitel über Sachthemen eingeflochten, wie z.B. "Die menschliche Leiche und der Umgang mit ihr" oder "Der ärztliche Kunstfehler". Zu diesen und anderen Gegenständen nimmt der Autor sehr dezidiert Stellung, verdeutlicht sie anhand eigener Erlebnisse und berichtet bei allem angemessenen Ernst und aller Fachbezogenheit doch bewundernswert locker und unterhaltsam, ja spannend.