Auch ich stimme der Meinung zu: Der Kauf dieser Operette lohnt sich! Und zwar umso mehr, wenn man sich den historischen Kontext anschaut: Diese Operette versucht einen durchaus inhaltlich fundierten, musikalisch kompetenten Spagat zwischen klassischer, eher etwas schnulziger Wiener Operette und dem aufkommenden Musical à la Gershwin. Beide Musikarten treffen also aufeinander und verschmelzen im Verlauf der Handlung zu einer "neuen Musik", wobei Kalman dort, wo er im Stile von Gershwin komponiert, diesen bisweilen sogar übertrifft.
Diese Symbiose beider Musikstile wäre ein logischer Anknüpfungspunkt für die Fortentwicklung der europäischen Operette gewesen, die dann freilich durch die Verbotspolitik der Nationalsozialisten und den folgenden Provinzialismus ins Abseits des Kulturgeschehens geriet. Auch Kalmans Musik zählte im Dritten Reich zur "entarteten Musik".
Die Auffühung selbst ist durchaus sehr sehenswert, die sängerischen und darstellerischen Leistungen sind überzeugend, die Inszenierung überraschend pfiffig und modern, aber angemessen. Deshalb eindeutig vier Sterne!