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Kall, Eifel
 
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Kall, Eifel [Gebundene Ausgabe]

Norbert Scheuer
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 2 (13. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406535542
  • ISBN-13: 978-3406535543
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 493.992 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Norbert Scheuer
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Kurzbeschreibung

Vor Arimonds Gastwirtschaft binden die jungen Männer einem Hahn die Krallen zusammen und ziehen ihn am Seil hoch. Auf den Schultern eines Trägers sitzend, betrunken und mit verbundenen Augen schlagen die Männer nach dem Hahn. Milli, mit kleinen schimmernden Federn im Haar, schaut zu, und Braden glaubt, sie würde ihm gehören, wenn er nur Hahnenkönig würde.
Rituale aus dem kleinen Ort in der Eifel, der das Zentrum von Norbert Scheuers neuem Buch bildet. Wie in Sherwood Andersons "Winesburg, Ohio" sind die Geschichten in diesem Buch einzelnen Menschen aus dem Ort gewidmet und bilden zusammen, sich ergänzend und vernetzend, das Gewebe nicht nur dieses Städtchens ab, sondern einer ganzen Welt. Mit dem nüchternen Pathos des Chronisten erzählt Scheuer in "Kall, Eifel" von den Lebenden und den Toten, von Liebe und Krieg, von Schönheit und Verfall, Betrug und Hinterlist.
Eine der Figuren, Malchold, sieht die Schatten aus den Steinbrüchen durch Kall und die Umgebung streifen und gebietet den Schatten zu schweigen: "Es war still geworden, der stillste Moment, seit die Welt erschaffen wurde." Diese Stille liegt über allen Geschichten und verleiht dem neuen Buch von Norbert Scheuer seine melancholische Schönheit.

Über den Autor

Norbert Scheuer, 1951 geboren, studierte physikalische Technik und Philosophie. Er erhielt mehrere Literaturpreise und arbeitet als Sytemprogrammierer. 2010 wurde Norbert Scheuer mit dem "d.lit.-Literaturpreis" ausgezeichnet.

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Format:Gebundene Ausgabe
Norbert Scheuer schreibt seine Bücher über Menschen und Orte in der Eifel. Provinzliteratur? Heimatliteratur? Weit gefehlt. Scheuer tut das, was viele große Erzähler des 20. Jahrhunderts vorgemacht haben: Die kleine Welt wie in einem Brennglas betrachten, um sie als Sinnbild der großen Welt sichtbar zu machen. Sherwood Anderson mit seinem "Winesburg/Ohio" und William Faulkner mit seinen Geschichten rund um das "Yoknapatawpha County" haben dafür ein Beispiel gegeben. Scheuers Erzählband "Kall/Eifel" braucht den Vergleich mit den großen Namen nicht zu scheuen.
Kall an der Urft wird zum Zentrum eines literarischen Mikrokosmos: Wie Anderson knüpft Scheuer in seinen Geschichten ein Netz von Figuren, Orten und Begebenheiten. Wer die beiden Romane Scheuers, "Der Steinesammler" und "Flussabwärts" kennt, wird viele der dort auftretenden Figuren wiederfinden: den Steinsammler Braden und seine große Liebe Milli, die Arimonds, den Friseur Delamot u.a. Mehr noch als in den Romanen wird diese Welt in all ihren Bezügen sichtbar. Scheuers Erzählkunst ist von einer lakonischen Dichte und einer emotionalen Intensität, die ihm niemand vorgemacht hat.
Scheuer ist ein realistischer Erzähler, doch in seiner Eingangsgeschichte "Fittichwehr" macht er Anleihen bei der phantastischen Literatur. Die beiden Freunde Leo und Martin tauchen in das Wehr hinab und finden dort eine inzwischen versunkene Kleinstadtwelt mit ihren Häusern und Menschen. Diese Welt wird in den folgenden Geschichten ans Tageslicht gehoben.
Es sind, auf den ersten Blick, einfache, alltägliche Geschichten von Kneipen- und Friseurgesprächen, von Schlägereien, Anglern, Hochzeiten, Pferdediebstählen, zerbrochenen Beziehungen und den Schatten der Vergangenheit. Doch alle diese Geschichten haben einen doppelten Boden. Scheuer singt das Hohe Lied der Desillusionierung - von der Vergeblichkeit der Liebe, vom Tod, der Einsamkeit, vom ungelebten Leben, aber auch das Lied von der Hoffnung und vom Neuanfang.
Meine Lieblingsgeschichte ist die letzte: "Graureiher". Die nackten Handlungselemente sind schnell erzählt: Malchold, alt, müde, desillusioniert, fährt zu seinen Fischteichen und erschießt sich. Leo und Martin, die sich am frühen Morgen zum Angeln verabredet haben, finden den Toten im Wasser, von Graureihern bepickt. Hinter diesem ruhig und undramatisch erzählten Geschehen werden zwei gegensätzliche, bei Scheuer immer präsente Lebensperspektiven miteinander verknüpft: Mit Malchold endet ein gescheitertes Leben, mit Martin und Leo, der auf dem Sprung ist, Kall zu verlassen, beginnt der Versuch eines eigenständigen, selbstbestimmten Leben. Das Ganze vor dem Hintergrund einer wunderbar dicht geschilderten Naturatmosphäre, in der der Leser von der Stille und dem Halblicht einer morgendlichen Wasserlandschaft eingefangen wird.
Großes Kino - so sagt man wohl dazu. Sagen wir besser: Große Literatur! Wer einen deutschen Erzähler sucht, der wirklich etwas zu erzählen hat, sollte Norbert Scheuers "Kall/Eifel" lesen.
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