Indien zur Kolonialzeit: Als der englische Arzt Simon Palmer (Paul Guers) bei seinem Botschafter Talbot (Ian Hunter) über den Verbleib einer dringend erwarteten Medikamentenlieferung nachforscht, erkennt er in dessen Ehefrau seine eigene, verflossene Geliebte: Senta Berger, in der Blüte ihrer Jugend. Das übliche, unvermeidliche, hier leider etwas kitschig inszenierte Eifersuchtsdreieck bahnt sich an... Dummerweise macht dies Palmer auch zum Hauptverdächtigen, als in seiner Gegenwart der unsympathische Oberleutnant Walsh (Michael Medwin) von einer Gruppe rebellierender Inder ermordet wird. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Palmer den wahren Mörder überführen und kommt den Rebellen dadurch gewaltig in die Quere - vor allem ihrem Anführer, dem dämonischen Kali-Priester Saddhu (Klaus Kinski, zur Abwechslung einmal schokoladenbraun geschminkt - und mit einem Bart, der, so O-Ton Kinski, "dem Weihnachtsmann zur Ehre gereicht hätte"...).
Dramaturgisch lehnt sich der Zweiteiler an Fritz Langs "Tiger von Eschnapur"-Remake an. Aber was in den 50ern schon ein wenig sympathisch angestaubt wirkt, wirkt nun in den 60ern (das auf der Hülle angegebene Entstehungsjahr 1971 ist falsch) fast anmaßend. Dass Kolonialherrschaft und Rebellion sich gewissermaßen gegenseitig bedingen, scheint diesem Film an keiner Stelle zu Bewusstsein zu kommen. Am Ende scheint der Film vor allem diesen Eindruck hinterlassen zu wollen: dass die Inder ein undisziplinierter, ohne fremde Hilfe nicht lebensfähiger Haufen seien, der ohne die starke Hand des Kolonialherren in Seuchen, Aufruhr und Menschenopfern versänke. Sorry, aber so eine einseitig imperialistische Apologetik sollte man sich zur Entstehungszeit des Filmes eigentlich nicht mehr leisten dürfen. Da fühle ich mich peinlich berührt. Wenn dann auch noch alle halbwegs interessanten indischen Rollen von Europäern gespielt werden, kann ich mich eigentlich nur noch fremdschämen. Merkwürdig: Sandokan-Filme kann ich akzeptieren, weil sie in Kabir Bedi immerhin einen Einheimischen in den Mittelpunkt stellen; auch mit Lex Barker als Kara Ben Nemsi habe ich kein Problem. Vielleicht, weil er so heroisch (und letzten Endes auch: ironisch) überzeichnet ist, dass man gar nicht in Versuchung kommt, ihn mit der Realität europäischer Kolonialherrschaft zu verwechseln. Aber dieser europäische Gutmensch Dr. Palmer, an welchem die quengelnde nasale Anthony-Perkins-Synchronstimme von Eckard Dux noch das Sympathischste ist - er blieb mir fremd, geradezu unheimlich, und konnte mir zu keiner Zeit wirklich ans Herz wachsen. Bei einem Zweiteiler, für den man insgesamt 183 Minuten Zeit mitbringen muss, ist das eine mittlere Katastrophe. Gefreut habe ich mich dafür, wann immer die prominenten Nebendarsteller auftauchten: Lex Barker und Joachim Hansen als englische Offiziere, die entzückende Senta Berger und Klaus Kinski als zwergenhafter und dämonischer Priester. Claudine Augers Augenbrauen scheinen weit über Gebühr "indisch geschwärzt": Dadurch sieht sie nun aus wie Bert und zeigt gerade genug Fleisch, um zu keiner Zeit sexy zu wirken. Und das mit dem rassigen Bond-Girl aus "Thunderball"... Alle Deutschen scheinen sich übrigens selber synchronisiert zu haben, auch Klaus Kinskis verstörende Stimme wertet den Film hörbar auf. Das ist interessant, weil sie in den meisten seiner folgenden italienischen Filme nicht zu hören ist.
Der Film wird auf zwei DVDs ausgeliefert, ohne weitere Extras darauf. Das Bild ist 1.66:1 anamorph (Teil 1) sowie 16:9 anamorph (Teil 2), hat kräftige Farben, aber etwas verwaschene Kontraste. Es ist genießbar, aber bei weitem nicht von der Qualität der zur gleichen Zeit entstandenen und auf DVD veröffentlichten Karl-May-Filme. Hübsch gelungen sind die zwei je achtseitigen Beihefte. Äußerlich den historischen Ausgaben der Illustrierten Film-Bühne nachempfunden, weisen sie neben den kompletten Texten der Film-Bühnen-Ausgaben auch noch ein paar interessante kurze Artikel über Schauspieler, Regisseur, Filmmusiker, Entstehung und Dreharbeiten auf.
Mein ganz persönliches Fazit: 3 Punkte für den Film, 4 Punkte für die Veröffentlichung mit Beiheften, 5 Punkte dafür, eine weitere Lücke in Klaus Kinskis Oeuvre geschlossen zu haben. Danke, Pidax.