,,Kalendergeschichten haben in der deutschen Literatur eine gute Tradition, die bis zu Grimmelshausens ,,Immerwährendem Kalender'' zurückreicht. Ihr Meister im 19. Jahrhundert, bis heute unvergessen, war Johann Peter Hebel. Bertolt Brecht hat diese Tradition für unsere Zeit erneuert.'' - so die Einleitung zu Brechts Kalendergeschichten.
Kalendergeschichten, das sind Berichte von Momenten unseres Lebens, die uns nachdenken lassen.
Brecht greift mit den einzelnen Stücken verschiedene Bereiche und Themen menschlichen Seins auf, sei es nun wahre (Mutter-)Liebe und Gerechtigkeit (der Augsburger Kreidekreis), die Manipulation in unserer Gesellschaft durch Macht(-streben) (Wenn die Haifische Menschen wären), als auch Fragen zu Gott, Glück, Wissen und Weisheit (Geschichten vom Herrn Keuner) und viele andere.
,,Wenn Herr K. einen Menschen liebte. ,Was tun Sie', wurde Herr K. gefragt, ,wenn Sie einen Menschen lieben?' ,Ich mache einen Entwurf von ihm', sagte Herr K. ,und sorge, daß er ihm ähnlich wird.' ,Wer? Der Entwurf?' ,Nein', sagte Herr K., ,der Mensch.' ''
Sie regen uns an, Dinge bewußt werden zu lassen, die uns angehen, auch kleine Dinge zu beachten, uns zu positionieren, andere Menschen und Geschehnisse in ihren Problemstellungen wahrzunehmen und versuchen zu verstehen. Brecht selbst läßt dabei zwar hin und wieder den pädagogischen Zeigefinger erkennen, stets jedoch unaufdringlich, sachlich, schlicht. Ein Schmunzeln oder auch ein Sorgenfältchen bleibt immer im Gesicht des Lesenden zurück. Und: Brecht regt an, die Kalendergeschichten weiterzuentwickeln und immer wieder neue, uns betreffende entstehen zu lassen.
Ein ideales Handbuch für Gespräche/Diskussionen in Gruppen und Schulklassen, nachwievor aktuell und wichtig.