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3.0 von 5 Sternen
Distanziert, 24. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Kaiserstrasse (Gebundene Ausgabe)
1957 verschlägt es Leo Böwe, Waschmaschinenvertreter aus der Provinz, beruflich nach Frankfurt, wo der Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt gerade Thema Nummer eins ist. Leo, noch sehr jung und schon in einer Vernunftehe mit der dümmlichen Liz verheiratet, ist unerklärlich fasziniert von dieser Frau und ihren Lebens- und Todesumständen.
Zehn Jahre später ist Leo Vater einer Tochter, lebt mit ihr und Liz in seiner Heimatstadt, wo ihn der Name seiner Straße immer an die gleichnamige, die Kaiserstraße in Frankfurt erinnert. Jule ist ein etwas merkwürdiges Kind, das den Mord an Benno Ohnesorg trocken mit den Worten kommentiert "Wenn ich groß bin, erschieße ich dich, Papa".
Das Buch wirft Schlaglichter auf fünf Jahre in der deutschen Nachkriegszeit: die Wirtschaftswunderzeit 1957, in der Leo staunend die Welt außerhalb seines provinziellen Umfelds entdeckt; die beginnende Studentenrevolte 1967; der "deutsche Herbst" 1977 mit den Terroraktionen der RAF; den Mauerfall 1989 und die "Millenniums"-Stimmung 1999.
Die Stimmung der jeweiligen Zeit fängt Judith Kuckart treffend ein, besonders gelungen die Darstellung der Aufschwungszeit, in der noch viel Spießermief das Familienleben prägte. Ihre Sicht auf Partnerschaft, Ehe und Familie ist kühl und illusionsarm, die Protagonisten leben eher nebeneinander her als wirklich miteinander. Vieles bleibt unausgesprochen, sowohl zwischen den Figuren als auch im Roman selbst, man muss einiges zwischen den Zeilen herauslesen und bekommt es nicht auf einem Silbertablett serviert.
Dies ist gleichzeitig einer meiner Kritikpunkte an dem Buch. Für meine Begriffe bleibt zuviel nur angedeutet, hinzu kommen Formulierungen, die wohl originell sein sollen, auf mich aber nur aufgesetzt und gewollt wirkten. Mein Interesse an Leo und Jule wurde zum Ende hin immer weniger. So fremd wie sie einander sind, blieben sie auch mir, man kommt nicht an sie heran. Besonders Jule wirkte auf mich immer mehr um die Idee eines Menschen herum konstruiert, der sich schlecht auf Zwischenmenschliches einlassen kann, aber nicht wirklich mit Leben erfüllt.
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1.0 von 5 Sternen
eine Enttäuschung, 4. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Kaiserstrasse (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin schreibt sich durch die bundesrepublikanische Geschichte, indem sie an einigen markanten Zeitpunkten (1957, 1967, 1997, 1989, 1999) Halt macht. Ihre Kaiserstrasse liegt in einer fiktiven westdeutschen Kleinstadt. Die Hauptpersonen sind Leo Böwe, vom Waschmaschinenverkäufer zum CDU Abgeordneten aufgestiegen, und seine Tochter Jule. Je länger die Geschichte andauert - umso unpersönlicher und fremder werden einem die handelnden Personen. Es gelingt der Autorin nicht, das jeweilige Zeitgefühl einzufangen. Das Zitieren historischer Requisiten (Nitribitt, Lorenz-Entführung u.ä.) reicht nicht. Um das Eingangsmotto "Ein Roman ist ein Spiegel, der sich auf einer großen Straße fortbewegt" (Stendhal) zu erfüllen, muss man auch in der Lage sein, erzählen zu können, welche Bilder dieser Spiegel einfängt. Das gelingt der Autorin trotz mancher stilistisch schöner Passagen leider nicht. Überwiegend enttäuschender Post-Grass!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Falsch in Klang und Fakten, 22. März 2008
Alles an diesem Buch ist ausgestellt und behauptet. Deutsche Geschichte wird willkürlich herbeizitiert, ohne dass es die Personen kontrurieren oder bereichern würde. Geschweige denn etwas zur Historie zu sagen hätte. Meilenweit entfernt von der Substanz eines Uwe Timm! Nichts stimmt, und als dann auch noch Miles Davis sein melancholisches Saxophon (!!!) für ein Klagelied rauskramen musste, habe ich das Ganze entnervt weggeworfen.
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