Ich bin, wie die Autorinnen des Buches eine Gegnerin des KS und wollte selbst meine erste Geburt so natürlich wie möglich. Leider wurde es aufgrund abfallender Herztöne meines Babys nach über 22 Stunden Wehen ein Kaiserschnitt. Auch heute, 5 Monate später hadere ich mit diesem "Schicksal", das ja eigentlich keines ist: habe ich doch ein gesundes Kind wie viele meiner Freunde und Verwandte kopfschüttelnd sagen. Das stimmt natürlich und ich bin jeden Tag für mein wunderbares Kind unendlich dankbar. Und dennoch kommen Momente, wo ich traurig bin und mir vorwerfe: Habe ich wirklich alles versucht, hätte ich nicht auf die Ärzte hören sollen? Haben sie den KS gemacht, weil ich privat versichert bin und der KReißsaal mit 8 Geburten überlastet war? Warum hab ich nicht hinbekommen, was viele vor mir und nach mir so gut hinbekommen?
Ich habe mir also zur Verabeitung das Buch gekauft. Der Titel: Der Kaiserschnitt- Wie die Narben an Bauch und Seele verheilen schien mir genau aus der Seele zu sprechen. Ich wollte das Erlebte endlich abschließen und mit dem KS Frieden schließen.
Leider äußert sich das Buch weitestgehend negativ über Ärzte, Krankenhauspersonal und KS. Laut Aussage des Buches sind ein Drittel der KS unnötig, Ärzte wollen immer nur auf Nummer sicher gehen und wenn man Privat versichert ist kann man sowieso schonmal davon ausgehen, dass man ein hohes Risiko für einen KS hat. Hinzukommt die Aussage: Bei abfallenden Herztönen ist ein KS nicht nötig.
Diese Aussagen schüren erneut meine oben genannten Zweifel und machen mich noch trauriger, weil ich wieder denke: Hätte ich mich dagegen wehren sollen??
Auch die am Anfang beschriebenen Erfahrungsberichte sind sehr düster und einseitig. Die Ärzte sind die Bösen, die sich z.B. über zu langes Schamhaar beschweren und die Frauen wie Fleisch behandeln.
Ich habe meinem Arzt und der Hebamme vertraut und hoffe, dass ich irgendwann mit dem KS Friedenschließen kann. Dieses Buch hat mir dabei allerdings nicht geholfen. Denn wenn der KS erst gelaufen ist, ist hilft es nicht zu sagen: Ja, war wahrscheinlich falsch. Helfen würden eher Mutmachgeschichten, dass z.B. nach dem KS eine spontane Geburt möglich ist oder den Müttern vermitteln, dass auch sie stolz sein können. Nicht nur, weil sie für ihr Kind eine Op bei oft vollem Bewußtsein erleben, sondern auch, weil sie direkt nach der geburt wieder aufstehen und sich um ihr Kind kümmern. Eine liebe Krankenschwester hat, nachdem ich schon knapp 20 Stunden nach dem KS wieder aufgestanden bin, um mein Baby zu wickeln zu mir gesagt:" Daran können sich so einige Operierte ein Beispiel nehmen, die noch Tage nach einem Eingriff im Bett in Selbstmitleid vergehen. Das können nur Mütter für ihre Babys. So schnell nach einer schweren OP wieder aufstehen."
Dieser Satz war und ist heilsam für mich. Das Buch leider nicht.
Und ein letztes: Im Buch heißt es: "Ärzte und Krankenhauspersonal sollten sich im Klaren sein, welche langjährigen Konsequenzen ein KS für eine Frau und das Kind haben." Ich habe lange über diesen Satz nachdenken müssen und muss sagen: Ja, es hat bestimmt Konsequenzen und prägt mich für den Rest meines Lebens. ABER: Ein behindertes Kind hat 1000x mehr Konsequenzen für mein weiteres Leben und das weitere Leben meines Kindes.
Sollte ich nochmal schwanger werden, werde ich sicherlich alles daran geben, dieses Kind spontan zu entbinden. Aber wenn ich in die strahlenden Augen meines lächelnden Sohnes schaue weiß ich jetzt schon: Sollte mein ungeborenes Kind auch nur Ansatzweise in Gefahr sein, werde ich nicht zögern und wieder einen KS machen lassen. Auch, wenn ich mit den Konsequenzen leben muss. Denn das tue ICH für mein Kind und stelle meine Bedürfnisse hinter die meiner Familie.Und auch das ist eine Leistung.