Als vor einigen Jahren die These Rolando Denekes, Kaiser Maximilian von Mexiko hätte sich seiner Hinrichtung in Querétaro duch eine Verschwörung mit seinem Freimaurerbruder (wenn auch politischem Gegner) Benito Juárez entzogen, in großem Stil nach einer Notiz in der spanischen Zeitung ABC bekannt wurde, ging es in den mexikanischen Medien hoch her: wochenlang äußerten Kaiserreich-Spezialisten, renommierte und auch nicht so bekannte Historiker und sonstige Fans des Themas ihre Meinung im heftigen Wettstreit.
Das große Verdienst Lughofers war es, am Puls der Debatte zu sein und das Thema aufzugreifen, um auch den deutschen Sprachraum an der höchst amüsanten Polemik um die an sich schon an grotesken Elementen reichen Geschichte des Zweiten Mexikanischen Kaiserreichs teilnehmen zu lassen. Sein daraus entstandenes, ziemlich ordentlich recherchiertes Buch bringt im ersten Teil, der dem Entstehen und Scheitern des Kaiserreichs gewidmet ist, kaum etwas, was nicht schon in den zahlreichen Maximilian-Biographien zu lesen wäre. Neu ist lediglich die Betonung der herausragenden Rolle der Freimaurer; sehr alt dagegen die doch recht eurozentristische Ansicht, die relevante Geschichte Mexikos beginne erst mit dem Auftauchen des Eroberers Hernán Cortés, das den Auftakt zu Lughofers Buch bildet.
Spannend wird es aber unbedingt, wenn Lughofer im zweiten Teil die Indizien zusammenträgt, die für eine mögliche Inszenierung einer Hinrichtungsfarce auf dem Cerro de las Campanas sprechen. In einer logisch gut durchdachten Argumentationskette sät er Zweifel an der offiziellen Version vom Tod des Kaisers und rekonstruiert das Zusammenwirken möglicher Mitwisser in einer Rettungsmission. Dabei verliert er nicht den skeptischen Blick auf die Indizien, die den Deal zwischen Juárez und Maximilian zwar möglich, vielleicht sogar plausibel erscheinen lassen, ihn jedoch nicht beweisen. Dafür bräuchte es tatsächlich, wie Lughofer am Schluß richtig bemerkt, einen DNA-Vergleich der sterblichen Überreste jenes Justo Armas in El Salvador, als der der entthronte Kaiser angeblich weiterlebte, und einer Haarprobe Maximilians. Beides müßte mit dem genetischen Material eines Habsburgers verglichen werden. Und schließlich wäre es interessant, das Geheimnis des Toten in der Kapuzinergruft zu lüften, der dort in Maximilians Sarg ruht.
Johann Lughofers Darstellung liest sich packend wie ein Krimi, auch wenn es für den weiteren Verlauf der (Welt-)Geschichte völlig unwesentlich ist, ob Maximilian tatsächlich von den Republikanern hingerichtet oder heimlich gerettet wurde. Faszinierend ist es allemal, das "Was wäre wenn..." konsequent durchzuspielen, auch wenn sich der ernsthaft interessierte Leser gewünscht hätte, dass der Autor seine Recherchen mit Quellenangaben sauber dokumentiert hätte.