Schon beim Lesen des Vorworts wird klar: der Autor möchte endlich mit dem falschen Bild von Sissi (sic!) aufräumen, das "gewisse Wiener HistorikerInnen" aufgebaut haben. Zu diesem Zweck werden einige "Fakten" an den Haaren herbeigezogen bzw. äußerst kreativ gedeutet.
So wird beispielsweise schon zu Beginn des Buches in den Raum gestellt, dass Herzog Max gar nicht Elisabeths Vater sei - und das obwohl gerade sie sehr viele Charaktereigenschaften ihres Vaters geerbt hat. Doch damit nicht genug, Herr Reiser meint endlich beweisen zu können, dass Marie Valerie die Tochter Andrassys ist. Diese These stützt sich auf den Zeitpunkt des allerhöchsten Eisprungs, den Herr Reiser zu kennen meint, und eine recht abenteuerliche Rechenformel zur Errechnung des Geburtstermins. Bestätigt wird diese "Tatsache" von zwei Münchner Gynäkologen, die namentlich nicht genannt werden bzw. nicht genannt werden wollen.
Hätte der Autor das Tagebuch der Erzherzogin Marie Valerie gelesen (wie es die Quellenangabe vermuten lässt), wäre ihm aufgefallen, dass es sich bei "Bruder Feri" nicht um ein uneheliches Kind Elisabeths, sondern um eine Puppe Valeries handelt. Aus besagtem Tagebuch geht ebenfalls hervor, dass die Kaiserin selbst die Beziehung zwischen dem Kaiser und Katharina Schratt initiiert hat - und nicht umgekehrt, wie es der Autor in seinem Buch behauptet. Dass der Autor den Ort von Elisabeths Reitunfall mit "Sasselot" anstatt "Sassetot" angibt, sei hier nur nebenbei bemerkt.
Alles in allem ein recht abenteuerliches Werk, das keine neuen Erkenntnisse enthält, sieht man von der peinlich genauen Aufzählung der Bayernaufenthalte der Kaiserin ab. Ich hatte bei der Lektüre ständig das Gefühl, dass es der Autor den "gewissen Wiener HistorikerInnen" unbedingt zeigen wollte. Dass dabei Objektivität und historische Fakten auf der Strecke bleiben ist bedauerlich.