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Produktinformation
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Kaiserin Elisabeth «Sisi» in neuen Publikationen
Die hundertste Wiederkehr des Todestages der österreichischen Kaiserin Elisabeth, die am 10. September 1898 von dem italienischen Anarchisten Luigi Luccheni in Genf ermordet wurde, hat nicht nur die Tourismusbranche und die Souvenirindustrie in Bewegung gesetzt, sondern auch die Federn der Feuilletonisten und Historiker. Zwar hat die eigenwillige Persönlichkeit der aus Bayern stammenden Herrscherin der Donaumonarchie seit je die Gemüter beschäftigt. Es gibt eine umfangreiche Literatur, die zwischen Fakten und Fiktionen balanciert, zünftige Historiker ebenso herausfordert wie Psychologen und Romanciers. Auf das Jubiläum hin ist die Flut der Publikationen beträchtlich angeschwollen. Auf einige soll im nachfolgenden hingewiesen werden.
Standardwerke
Lange bevor sich der Film des Themas bemächtigte, dessen Konjunktur in Ernst Marischkas «Sissi»-Trilogie mit der jungen Romy Schneider in den fünfziger Jahren kulminierte, hatte der Schriftsteller und Historiker Egon Caesar Conte Corti seine umfangreiche Darstellung «Elisabeth. Die seltsame Frau» verfasst, die seit 1934 ihre 43. Auflage erreicht hat und nun als eine Art Klassiker der Sisi-Literatur gilt. Conte Cortis Buch, das sich auf ein reiches, allerdings nur mündlich überliefertes privates Quellenmaterial stützte, ist von einem unkritisch-nostalgischen Ton der Donaumonarchie gegenüber gehalten und bewegt sich am Rande der historischen Belletristik. Zu der reich illustrierten Neuedition hat der Historiker Karl Vocelka aus heutiger Sicht ein wertendes Nachwort verfasst und sie mit einem bis zur Gegenwart nachgeführten Literaturverzeichnis ergänzt.
Nahezu ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis 1981 Brigitte Hamanns fundamentale Biographie «Elisabeth. Kaiserin wider Willen» Cortis Bild revidierte und dank einem ausführlichen Quellenmaterial korrigierte und erweiterte. Hamanns grundlegende Darstellung liegt ebenfalls in einer Neuedition vor, welche durch die Berücksichtigung nochmaliger neuer Quellen (das Tagebuch der langjährigen kaiserlichen Geliebten Anna Nahowski und die sämtlichen nun im Original zugänglichen Briefe Franz Josephs an Katharina Schratt) eine wichtige Ergänzung erfahren hat. Brigitte Hamann hat das durch Gerüchte, Legenden und Voreingenommenheiten verstellte Bild «einer Frau, die sich weigerte, sich ihrem Stand gemäss zu verhalten», auf den knappsten Nenner gebracht: «Fast ein halbes Jahrhundert lang von 1854 bis 1898 war Elisabeth Kaiserin und Königin eines problemgeladenen Reiches in einer Zeit des Niederganges. Sie tat nichts, diesen Niedergang zu verlangsamen. Sie war keine Frau der Tat. Resignation ins Private, ja in die Dichtung, schliesslich in die Einsamkeit das war Elisabeths Antwort auf die Forderung nach Pflichterfüllung, wie Kaiser Franz Joseph sie so unermüdlich seinen Untertanen vorlebte.»
Elisabeth in ihrer Welt
Zusammen mit Elisabeth Hassmann hat Brigitte Hamann auch, unterstützt durch sechzehn Mitarbeiter, unter dem Titel «Elisabeth Stationen ihres Lebens» in komprimierter Form und veranschaulicht durch 270 Abbildungen eine Darstellung der Vita der Kaiserin gegeben, die gleichzeitig als Katalog zu der dreiteiligen Wiener Ausstellung «Schönheit für die Ewigkeit» (in der Hermesvilla, in der Hofburg und in Schloss Schönbrunn) dient. Einer zusammenfassenden Skizze von Elisabeths Lebensstationen folgt eine Charakteristik ihrer Wohnsitze in Bayern, Österreich, Ungarn und Griechenland. Ausserdem werden ihre Reiseziele, ihre Erholungsorte, Reiseaufenthalte und ihre Transportgelegenheiten in Erinnerung gerufen, alles in gebührender Knappheit, Präzision und Sachlichkeit, ohne eine Spur von Nostalgie.
Eine Ergänzung findet dieser Band durch den üppig illustrierten Katalog zur Sonderausstellung «Keine Thränen wird man weinen . . .» des Historischen Museums der Stadt Wien in der Hermesvilla. Er zeigt uns die Kaiserin in ihrer Selbstdarstellung, in ihren durch Heines Vorbild geprägten dichterischen Phantasien und in ihrer Selbstbespiegelung als Titania in Shakespeares «Sommernachtstraum», in ihrem steten Fernweh, wobei die Diskrepanz zwischen künstlerischen Traumvisionen und der spätbürgerlichen Realität und Banalität des ausklingenden 19. Jahrhunderts ernüchternd wirkt.
Interessant, aber auch zum Widerspruch herausfordernd ist die Position der Soziologin Lisa Fischer, die unter dem Titel «Schattenwürfe in die Zukunft» aus feministischer Perspektive «Kaiserin Elisabeth und die Frauen ihrer Zeit» schildert. Wir verfolgen Elisabeth auf dem Weg zu einer eigenen weiblichen Karriere, beim Aufbruch zu neuen Ufern der Unabhängigkeit (etwa im Schönheitskult), wobei sie von Eugénie von Frankreich, Carmen Sylva aus Rumänien, Lola Montez und Georges Sand als Mitstreiterinnen und Seelenschwestern begleitet wird. Sisi wird verstanden als Protagonistin der Emanzipation und der Selbstverwirklichung. Als solche wird sie auch in dem von Renate Daimler recht zufällig zusammengestellten Bändchen «Frei sollen die Frauen sein . . .» vorgestellt, bei welchem es sich um eine Sammlung von Zitaten aus dem Tagebuch ihres Vorlesers Constantin Christomanos handelt. Wie ein Paradox nimmt sich Ingrid Haslingers üppig illustrierter Band «Tafeln mit Sisi» aus, der Rezepte und Essgewohnheiten der Kaiserin in sich vereinigt, wenn man ihre latente Magersucht bedenkt.
Bilder und Wunschbilder
Bei einer Persönlichkeit, die ihr Leben dem Kult der Schönheit weihte, konnte es nicht ausbleiben, dass ihr auch Bildbände gewidmet wurden und werden. Oft handelt es sich dabei um eine Lebensgeschichte, bei welcher das Hauptgewicht auf die Illustrierung gelegt wird. Je nach Umfang, Auswahl und Präsentation liegt dabei der Akzent auf der Verdeutlichung der historischen Fakten oder auf der bildhaften Ausschmückung, die an Selbstzweck grenzt. So lässt der Schriftsteller Johannes Thiele seiner 1996 erschienenen umfangreichen Biographie «Elisabeth. Das Buch ihres Lebens» nun den üppig, ein- und mehrfarbig illustrierten Band «Elisabeth. Bilder ihres Lebens» folgen, der «Ein Leben in Bildern» zeigen will. In einem einleitenden Feuilleton sucht der Autor nochmals das Geheimnis seiner Heldin zu ergründen, die «vielleicht einer der widersprüchlichsten, sicherlich einer der zerrissensten Charaktere des 19. Jahrhunderts» war. Das mitunter etwas zufällig anmutende, chronologisch gegliederte Bildmaterial, das von Mädchenporträts Elisabeths bis zu Romy Schneider als «Sissi» und zu Maya Hakvoort im gleichnamigen Musical führt, lässt den Betrachter ein Panoptikum zwischen Geschichte und Geschichten erleben.
Gezielter eingesetzt wird das bisher teilweise unveröffentlichte Bildmaterial in Martha Schads neue Aspekte erschliessendem Buch «Kaiserin Elisabeth und ihre Töchter». Der mit 239 Abbildungen und Dokumenten versehene Band geht den Lebenswegen der drei Töchter Franz Josephs und Elisabeths nach, die bisher meist im Schatten ihres tragisch verstorbenen Bruders, des Kronprinzen Rudolf, gestanden haben. Neben der in frühem Kindesalter verblichenen Erzherzogin Sophie (18551857) handelt es sich um Erzherzogin Gisela von Österreich (18561932) und Erzherzogin Marie Valérie von Österreich (1868 1924). Das aus minuziösen Recherchen entstandene Familienpanorama der Töchter der Kaiserin bildet eine interessante Fortsetzung der habsburgischen Geschichte bis zum heutigen Tage.
Einen spezifischen Gesichtspunkt rückt die Publikation von Gerda Mraz und Ulla Fischer-Westhauser «Elisabeth. Prinzessin in Bayern, Kaiserin in Österreich, Königin von Ungarn» in den Vordergrund, den schon der Untertitel «Wunschkinder oder Die Kunst der Retouche» andeutet. Die 210 Abbildungen (davon 29 in Farbe) entstammen der Porträtsammlung und dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und zeigen anhand der sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelnden Photographien und Lithographien, wie sich das Bild der jungen Herrscherin im Laufe der Zeit bis zu den Jahren 1868/69 ausnahm, als sich Elisabeth den Photographen verweigerte. Schon vorher war es üblich gewesen, das Bild der Kaiserin durch Retuschen in ihrem Sinne zu verändern, was späterhin auch durch Photomontagen bewerkstelligt wurde. So macht dieser klug kommentierte Band deutlich, wie die Realität im Sinne der Monarchin verändert wurde.
Hansres Jacobi -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Natürlich liegt der Hauptaugenmerk auf der Lieblingstochter Marie Valerié, aber trotzdem gelingt es Martha Schad leider nicht besonders gut, die Personen lebensecht darzustellen. Sie verliert sich einfach zu sehr in Stammbäumen. Die ständigen Zeitsprünge und die vielen Personen lassen nicht zu, dass man das Buch in einem Zug lesen kann. Ich persönlich halte es nicht gerade für ein gelungenes Buch, schon gar nicht Neueinsteiger ins Thema "Kaiserin Elisabeth".
Man bekommt nur einen kleinen Einblick in das Leben der Töchter, aber dieser ist auch sehr subjektiv. Das liegt wohl auch daran, dass Martha Schad die Familie nicht verägern wollte, die ihr viele Quellen zur Verfügung gestellt hat.
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