Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt bemerkte einmal zutreffend, daß es gelungen sei aus der ganzen deutschen Geschichte ein Verbrecheralbum zu machen. Die Macher dieses Hörbuchs haben sich offensichtlich diesem Ziel verschrieben: An Wilhelm dem II. läßt es kein gutes Haar.
Alles was an Negativem über den Kaiser gesagt werden kann, alle Vorurteile und Klischees werden munter reproduziert: Der Monarch war eben ein geistesgestörter Krüppel, säbelrasselnd, feige, ohne Intellekt, selbstsüchtig, dilettantisch, maßlos, blutdürstig, planlos, faul etc. Das Bild das der Autor von Wilhelm II zeichnet ist simpel, besteht nur aus schwarz-weiß Konturen, Grautöne finden kaum Verwendung. Der Schwerpunkt liegt auf der Psyche des Kaisers und den außenpolitischen Krisen des Reiches , die allein ihm, dem Neurotikerauf dem Thron, angelastet werden - Abwägungen, Differenzierungen, Seitenblicke auf Wirtschaft, Bildung, Kultur, Wissenschaft des kaiserlichen Deutschlands - Fehlanzeige.
Der zeitweise hämische Unterton der -eigentlich guten- Sprecher tut ein übriges. Es wird viel geurteilt, wenig analysiert, die Umstände der Zeit werden dem unbedarften Hörer kaum erläutert, Deutsche Geschichte von 1890 bis 1918 erscheint so als Werk eines unzurechnungsfähigen "Neros der Neuzeit", die Katastrophe von 1918 quasi als determiniert. Dies ist im vorliegenden Fall besonders bedauernswert, da die Audio-CD offensichtlich für die politische Jugendbildung konzipiert ist.
Ein Lichtblick immerhin ist die Schilderung der Julikrise und der Vorgeschichte des 1. Weltkrieges. In diesem Zusammenhang ist eine gewisser Wille zur Objektivierung der Darstellung erkennbar, in toto ist diese Hörbuch aber ein Beispiel dafür wie Geschichte besser nicht erzählt werden sollte.