Für viele Genies, wie Mozart, Kopernikus, Gaudi oder Picasso, gilt, dass Sie ihrer Zeit weit voraus waren und ihre herausragende Begabung von Zeitgenossen nicht erkannt wurde. Die Werke dieser Genies sind in ihrer Zeit häufig sogar umstritten und abgelehnt worden und fanden erst Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte danach Anerkennung und Würdigung. Friedrich II. war ein solches Universalgenie, der als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu seiner Zeit höchst umstritten, verfolgt und verbannt wurde. Erst Jahrhunderte später setzte ein tieferes Interesse an seiner Person und seinen Werken ein. Doch diese Auseinandersetzung blieb bis heute lückenhaft, weil viele Spuren zu diesem außergewöhnlichen Menschen ("stupor mundi") bereits durch die Zeit verlorengegangen waren und weil viele Forscher, die sich auf Spurensuche zu ihm aufmachten, bereits vorgefertigte Meinungen besaßen, die wiederum durch ihre Zeit und ihren ideologischen Hintergrund gefärbt waren. Dies gilt vor allem für die Forscher des 19. Jahrhunderts und die aus der Zeit des deutschen Nationalsozialismus. Friedrich II. war ein Universalgenie, der epochale Leistungen auf dem Gebiet der Ornithologie, der Philosophie, der Politik, des Rechtswesens und der Baukunst geleistet hat. Er hat die Welt verändert ("immutator mirabilis"). Eine seiner Burgen, das Castel del Monte ist in seiner Rätselhaftigkeit und Einzigartigkeit bis heute nicht entschlüsselt und gibt Anlass zu vielen Spekulationen, ob es sich bei dem Castel um ein Astrologisches Instrument (ähnlich Stonehenge) handelt, oder um ein verschlüsseltes Zahlenrätsel als Hinweis auf die Grablegung in der Cheopspyramide oder um eine Nachbildung der Kaiserkrone oder etwas ganz anderes. Genauso rätselhaft erscheint die Person Friedrich II. bis heute.
Dieses Buch ist ein Katalog, der anlässlich der Landesausstellung 2007in Oldenburg über Friedrich II in entstanden ist. Es ist ein Vielautorenbuch der profiliertesten europäischen Wissenschaftler. Der erste Teil des Buches (315 Seiten) widmet sich in insgesamt 23 Aufsätzen (Essays) den verschiedenen Aspekten von Friedrich II.. Im zweiten Teil (Seiten 318 bis 509) ist der eigentliche Ausstellungskatalog. Hierwerden die einzelnen Ausstellungstücke beschrieben und erklärt. Ein Glossar sowie ein Literatur- und Quellenverzeichnis komplettieren das Werk. Das ganze Buch ist überaus reich bebildert und von höchster Druckqualität und Farbwiedergabe.
Für den, der Ausstellung nicht besucht hat, aber mehr über Friedrich II erfahren möchte ist der erste Teil mit den Aufsätzen und Farbtafeln ein Muss. Ich halte dieses Buch für die beste Informationsquelle über diesen Mann und den Stand der Forschung. Die Kapitelgliederung erlaubt ein relativ rasches und gezieltes Nachlesen über einen umschriebene Aspektes dieses Genies. So gibt es ein Kapitel über seine Bauwerke, eines über das weltberühmte Buch von der Beizjagd, über seine Papstpolitik, über seinen so einzigartigen, unblutigen Kreuzzug mit Rückeroberung Jerusalems und auch eines über seine vier Ehefrauen und seine Geliebten. Bei Vielautorenbüchern kommt es leicht zu Wiederholungen, weil eben die verschiedenen Autoren ein und das gleiche Detail beschreiben. Diese Wiederholungen sind hier aber kaum anzutreffen. Man kann die Aufsätze in chronologischer Reihenfolge lesen, aber das ist keinesfalls zwingend, weil eben kein Kapitel das Wissen des vorangegangenen voraussetzt. Jeder Aufsatz ist von höchster wissenschaftlicher Professionalität. Das Kapitel über Friedrichs mathematischen Überlegungen und seine Auseinandersetzung mit Fibonacci habe ich nicht verstanden. Auch das Kunsthistorische Kapitel, dass die Entwicklung der Bautechnik in seiner Zeit beschreibt, war zu schwer für mich. Trotzdem hat sich der Kauf dieses Buches für mich gelohnt. Selten habe ich ein Buch als so unterhaltsam und gleichzeitig so informativ erlebt. Und auch die Abbildungen können einen ins Träumen und Staunen bringen.