Der Berg Kailash in Westtibet gilt den Hindus, den Buddhisten, den Bön und den Jainas als Nabel der Welt, als irdische Manifestation des mythischen Meru, jener hohen Weltenmitte, welche die Grenze der Kontinente bildet. Die Absolvierung einer Kora um diese Naturerscheinung, die sich inmitten des tibetischen Hochlandes wie eine von Außerirdischen eingesetzte Pyramide in die Höhe erhebt, gilt gleichsam als Verdienst zugunsten der Möglichkeit einer Wiedergeburt in höherer Ebene.
Baumann nimmt uns mit auf eine spannende und geistig ungemein bereichernde Pilgerschaft. Im Zentrum des Interesses steht die Faszination ob der Anziehungskraft des Kailash für Pilger aller sozialen und kulturellen Ausprägungen. Vier Flüsse finden ihren Ursprung im Einzugsgebiet des Sechstausenders. Wir begleiten den Autor zu den Quellen von Brahmaputra, Karnali, Sutley und Indus. Anschließend umwandeln wir das Zentrum selbst, um am Ende ins Innerste dieses Naturjuwels vorzudringen, in den inneren Kreis, dessen Zutritt nur jenen erlaubt ist, die bereits 13 Umkreisungen vorweisen können. In den Erzählungen, wie bei Baumann üblich ein ausgeglichenes Potpourri aus abenteuerlichem Reisebericht und kulturell-religiösen Erlebnisschilderungen, begegnen wir einer Unzahl an Wundern, Mythen und Legenden. Hier hat alles eine Geschichte, jeder Stein ein Vorleben, jede Höhle eine Bedeutung. Wir befinden uns von Anfang an in der Gegenwart des Wunderbaren. Das Bewusstsein des Autors hinsichtlich dieser Tatsache macht die Lektüre ungemein lesenswert. Zusätzlich erleichtern 197 Farbfotografien (!) und drei hervorragende Karten den Zugang zu dieser einmaligen und unvergesslichen Welt im Transhimalaya. Lesen und staunen!