"Kai kann´s" ist ein wahres Ermutigungsbuch für alle Kinder, denen im Vor-oder Nachhinein schon gesagt wird, was alles wieder nicht klappt. Ob es das Anziehen, das Einschütten, das stolperfreie Gehen oder das vorsichtige Umblättern von Buchseiten ist: das Bilderbuchkind Kai ist hier einfach ein "Unglücksrabe" und wird von seiner Mutter auch so gesehen. Aber alles ändert sich, als die graue Katze ins Spiel kommt und Kai erklärt, dass alle Menschen ungeschickt sind und er sich einfach denken soll "Kai Kann´s". Daraufhin probiert Kai diesen Gedanken aus und schafft tatsächlich vieles viel leichter und geschickter.
Ob es aber sinnvoll ist, dass Kai es schafft, einen anderen Jungen mit "minderhirniger Siebendümmling!" zu titulieren? Hier scheint man übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Denn ansonsten sind die Beispiele des Könnens vortrefflich ausgewählt der Realität der Kinder im Kindergartenalter entlehnt.
Die Illustrationen sind sehr schön ansprechend und wirken farbenfroh und sind aus der Perspektive der Kinder heraus gezeichnet. Mit wenigen Strichen gelingt es Carola Holland, die Mimik und Gestik der Kinder darzustellen. Gelungen ist auch, dass immer auch Tiere mit ins Bild gerückt werden.
Im Nachsatzblatt ist ermutigend eingebaut, dass die Autorin Edith Schreiber-Wicke und die Illustratorin Carola Holland auch nicht alles können, dafür aber in anderen Punkten vortreffliche Leistungen zu bringen vermögen.
So ist das Buch ein wichtiger - und hoffentlich nicht alleiniger - Baustein, aus dem Kleinkindalter herauswachsende Mädchen und Jungen zu selbstbewußten Menschen gedeihen zu lassen. Mögen die Eltern bei der Lektüre erkennen, wie nachhaltig negativ es sich auswirken kann, wenn der Entmutigung mehr Platz eingeräumt wird als der Ermutigung. "Liebe Mutter, lieber Vater: Du kannst es!"