Ein dunkles, förmlich nach Folter und Mord riechendes Verlies, eine junge Frau, deren Kleidung und Aufmachung keinerlei Zweifel über ihren Beruf lassen, und ein seltsamer Mönch mit einer Krähe auf der Schulter, dessen Augen ihn gleich als irren Sadisten und kaltblütigen Killer verraten. Von Anfang an ist klar, wie das endet. Man kennt solche Szenen aus dem deutschen Sensationskino der 60er- und 70er-Jahre, als kein Mord zu schmierig, kein Killer zu pervers und keine Frau zu hilflos sein konnte. Nur ist hier alles eine Spur zu dick aufgetragen. So offensichtlich war diese Art von Filmen selbst damals nicht. Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich diese Szene, mit der Thomas Jahns
Kai Rabe gegen die Vatikankiller beginnt, als reines Spiel, als Film-im-Film, entpuppt.
Die Zeit, in der solche wüsten, sich ganz an die niederen Instinkte richtenden Momente im deutschen Kino noch ohne jede ironische Brechung möglich waren, sind schon lange vorbei. Selbst der Schund, wie man so etwas früher gerne abwertend nannte, hat in den späten 90er-Jahren, einer Zeit, die nichts mehr ernst nehmen wollte, seine Naivität und Unschuld verloren. Ein Bedauern darüber ist in Thomas Jahns zweitem Film ganz deutlich zu spüren. Doch auch er kann sich dem Zeitgeist, diesem recht aufdringlichen Hang zur Ironie, nicht ganz entziehen.
Dabei hat sein Drehbuch über einen kaputten Star, Kai Rabe (Steffen Wink), einige Morde an einem Filmset und einen desillusionierten Polizisten (Klaus J. Behrendt), der sich in eine viel jüngere, natürlich wunderschöne Schauspielerin (Sandra Speichert) verliebt, alles, was zu einer Hommage an das wilde Unterhaltungskino der 60er-Jahre gehört. Aber am Ende ist aus Kai Rabe genauso wie ein paar Jahre zuvor aus Martin Walz' Kondom des Grauens nur eine Parodie und keine Huldigung geworden.
Man hat fast den Eindruck, als hätte Jahn der Mut zur eigenen Courage verlassen. Nur in den wunderbar poetischen Szenen zwischen Klaus J. Behrendt und Sandra Speichert, in denen Jahn seine Figuren vollkommen ernst nimmt, spürt man noch, dass in Kai Rabe mehr als nur eine sich anarchisch und wüst gebende Parodie auf die deutsche Filmwirtschaft und eine vergangene Form des Kinos gesteckt hätte. --Sascha Westphal