Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es darf geträumt werden!, 28. Mai 2007
Vorweg: Dieses Buch ist wirklich ein harter Brocken. Es ist zum Teil unverständlich, verworren, man könnte fast "sinnlos" sagen; es kreuzen sich phantastische Lebenswege auf verschiedenste Art und Weise, es werden Handlungsstränge begonnen und nie beendet - und trotz alldem 5 Sterne! Warum? Weil dieses Buch ein magisches Feuerwerk ist.
Der 15jährige Kafka Tamura, für sein zartes Alter übrigens ein ganz schön heller Kopf mit Hang zur Verträumtheit, reißt von zuhause aus. Sein Vater gibt ihm einen Fluch mit auf den Weg: Eines Tages wirst du deinen Vater töten und mit deiner Mutter schlafen, eine Bewahrheitung des Ödipus-Komplexes. Bald darauf ist der Vater wirklich tot, doch Kafka an einem ganz anderen Ort - oder war er doch im Traum da?
Der Junge sucht Antworten auf viel zu viele Fragen, und der Leser begegnet dabei den schillerndsten und absurdesten Gestalten: dem alten Nakata, der seine Vernunft bei einem kurz angeschnittenen Pilzunglück verloren zu haben scheint und nun mit Katzen spricht; Johnny Walker, der Katzenköpfe im Kühlschrank aufbewahrt, um eine ultimative Flöte zu konstruieren; Herrn Oshima, über dessen Geschlecht man nicht ganz im Klaren ist - und nicht zuletzt der bezaubernden Bibliothekarin Saeki-san, der Kafka im Traum und in der Realität immer und immer wieder begegnen muss.
Wunderschöne Höhepunkte wie die liebevolle und detaillierte Beschreibung eines Musikstücks machen Kafkas Welt so traumhaft und surreal, während er eigentlich immer nur auf der Suche nach seinem wirklichen Leben ist. Murakamis Ideenreichtum scheint unerschöpflich, und einen "gewöhnlichen" Charakter gibt es hier nicht. Handlungen werden aufgegriffen, wieder fallen gelassen, der Leser wartet vergeblich auf eine Auflösung des Rätsel, doch genau dieses Warten bringt zum Nachdenken, führt zu eigenen Interpretationen.
Dieser unglaubliche Roman kann nicht uninterpretiert bleiben, und genauso wenig vergessen werden. Keineswegs handelt es sich hier um die schicksalhafte Geschichte eines Teenagers, der von Zuhause abhaut, sondern um einen hochphilosophischen Kopfsprung in alle Längen, Breiten und Tiefen, die das Leben zu bieten hat. Was passiert, wenn man an keiner Lichtung Halt macht, sondern tiefer in den Wald vordringt, bereit, einfach alles zu finden.
Ich kann das Buch nur mit Höchststernzahl bewerten und weiterempfehlen, denn es hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht, zum Nachdenken, zum Spekulieren, zum Hoffen und Verzweifeln und -natürlich!- zum Träumen. Erwarten Sie keine Antworten auf Ihre Fragen, sondern erwarten sie noch m e h r Fragen, und Sie können sich problemlos auf "Kafka am Strand" einlassen! Ein Meisterwerk.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zwischen Traum und Wirklichkeit, 24. Februar 2007
"Kafka am Strand" knüpft formal an "Hard-boiled Wonderland oder das Ende der Welt" an.
Wieder gibt es zwei Handlungsstränge, von denen sich der eine mit der Flucht des Knaben Kafka befasst, der andere behandelt das Schicksal von Nakata, einem geistig Behinderten, der nach einem Zwischenfall im zweiten Weltkrieg mit Katzen sprechen kann. Es vermischen sich die fantastischen Handlungsstränge, in deren Zentrum - genau wie bei "Hard-boiled Wonderland..." eine alte Bibliothek steht.
Das Buch steckt voller Wahrheiten über das Leben und voller Symbolik, die Fluchten, die die Hauptpersonen unternehmen, sind Reisen in die eigene Seele, gleichzeitig ist die Geschichte aber auch durchaus unterhaltsam und spannend, so dass nie Langeweile aufkommt.
Gleichsam faszinierend ist in diesem wie in vielen anderen Romanen Murakamis seine bildgewaltige, klare Sprache. Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen, wie scharf umrissen Murakami in seinen Büchern formuliert. Mit einem einzigen Satz, einem einzigen Vergleich oder einem Symbol ist er in der Lage, ein Szenario zu umreißen, einen Geruch in der Nase entstehen zu lassen, ein Bild zu malen, das noch lange im Kopf des Lesers bestehen bleibt. Die Emotion einer Situation, eines Moments, so klar durch Worte erzeugt, ins Leben gerufen, das ist meisterhaft!
"Dieses Buch ist der ungewöhnlichste Entwicklungs- und Liebesroman, den wir bisher von Japans Kultautor gelesen haben: zeitlos und ortlos, voller Märchen und Mythen, zwischen Traum und Wirklichkeit und dabei voller Weisheit." steht im Klappentext des Buches zu lesen.
Ich persönlich habe mich gerne in diese Welt mit hineinreißen lassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine Welt, in der Johnny Walker Katzenherzen isst, um aus ihren Seelen eine Flöte zu bauen..., 2. Mai 2008
Wenn es plötzlich anfängt, Fische zu regnen; Wenn ein Mann mit dem Namen Johnny Walker Katzen aufschlitzt, ihre noch pulsierenden Herzen isst, um aus ihren Seelen eine Flöte zu bauen; Wenn auf einmal Colonel Sanders, die Kenntucky-Fried-Chicken-Figur, zum Leben erwacht und hübsche Mädchen vermittelt; Wenn eine Frau von zwei übereifrigen Feministinnen als chauvinistischer Prototyp einer patriachalen Gesellschaft beschimpft wird. In all diesen Fällen kann es sich eigentlich nur um einen Roman Haruki Murakamis handeln, der als ein Hauptvertreter postmoderner japanischer Literatur gilt.
Der 2002 veröffentlichte Roman "Kafka am Strand" besteht aus zwei Plotlinien. Der hochintelligente Kafka Tamura reißt mit 15 Jahren von zu Hause aus. Sein Vater ist ein Workholic, der sich nicht um ihn kümmert und seine Mutter hat die Familie zusammen mit seiner Schwester verlassen, als Kafka vier Jahre alt war. Auf seltsamen Wegen lernt er Oshima kennen, der in einer Bibliothek arbeitet. Schon bald fühlt sich Kafka zu der introvertierten, aber höchst attraktiven Bibliotheksleiterin Saeki hingezogen, die mehr als dreißig Jahre älter ist als er.
Nakata kann weder lesen noch schreiben, hat noch nie seine Heimatstadt verlassen oder mit einer Frau geschlafen und spricht von sich selbst nur in der dritten Person. Dafür kann er mit Katzen sprechen und verdient sich ein Zubrot als Detektiv für verlorengegangene Katzen. So macht er die unerfreuliche Bekanntschaft mit dem Katzenmörder Johnny Walker, in Folge dessen er sich auf den Weg in eine andere Stadt macht, ohne zu wissen, was er da überhaupt will. Auf seinem Weg trifft er den lebenslustigen Fernfahrer Hoshimo, der sich kurzentschlossen entschließt, den seltsamen alten Kauz auf seiner Reise ohne Ziel zu begleiten.
"Kafka am Strand"zieht den Leser unweigerlich in seinen Bann. Der Vorwurf, dass Murakamis Bücher ob ihrer höchst obskuren Begebenheiten nicht oder nur schwer verständlich seien, ist schlicht nicht zutreffend. Genau das Gegenteil ist der Fall. Hat man sich einmal auf die Geschichte eingelassen, bietet der Roman eine optimale Projektionsfläche, die keinen Leser mehr loslässt, da sich jeder auf irgendeine Art und Weise in den teils absurden, übernatürlichen Ereignissen wiederfinden kann. Dies ist ja auch das besondere an den Romanen Franz Kafkas, die gerade wegen ihrer auf den ersten Blick verwirrend erscheinenden Struktur die gesamte kognitive Vorstellungskraft des Lesers erfordern. Und ein Leser erkennt nun einmal nur das, was ihn selbst beschäftigt.
Was zeitweilig etwas störend wirkt, sind die sporadischen Ausflüge ins Reich der Kalenderblättchenphilosophie. Sätze wie: "Die Konturen meines Ichs schieben sich übereinander und rasten mit einem leisen Klicken ein" (78) oder "Nicht der Mensch bestimmt sein Schicksal, sondern sein Schicksal bestimmt ihn" (274) glänzen nicht gerade vor philosophischer Tiefenschärfe. Aber das kann auch an der Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche liegen. Dafür bietet der Roman meiner Ansicht nach auch eine Vielzahl von sehr gelungenen rhetorischen Bonmots, die essentielle Fragestellungen des Menschen knapp, präzise und höchst verständlich auf den Punkt bringen: "In Wahrheit ist jede Wahrnehmung schon Gedächtnis: Die reine Gegenwart ist das unfassbare Fortschreiten der Vergangenheit, die an der Zukunft nagt" (372).
Fazit: Toller Roman, der zum Nachdenken anregt und dabei bestens unterhält. Und das ist es doch schließlich, was gute Literatur ausmachen sollte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|