Bei kaum einem anderen Autor ist die eigene Biographie so eng mit den Werken verknüpft wie bei Franz Kafka. Kafka schrieb seine Erzählungen und Romane nicht um ihrer selbst willen, sondern weil das für ihn die einzige Möglichkeit war, seine Gedanken und seine Gefühle mitzuteilen, oder einfach nur loszuwerde, denn man darf nicht vergessen, daß die meisten seiner Erzählungen ja nicht zur Veröffentlichung bzw. sogar zur späteren Vernichtung bestimmt waren. Neben seinen überaus zahlreichen Briefen sind seine Tagebücher das intimste Zeugnis. Es wird deutlich, das auch Kafka einige Zeit bracuht, um zu seinem ganz persönlichen Tagebuchstil zu finden. Neben den Schilderungen von persönlichen Erlebnissen finden sich Überlegungen zu seiner Situation und den Beziehungen zu seinen Mitmenschen. Grundsätzlich ist die Kenntnis der Biografie Kafkas sehr von Vorteil, diese Vorbedingung wird aber dadurch sehr erlichtert, daß ca. ein Drittel des Buches aus einem sog. Kommentar besteht, der zu den einzelnen Eintragungen das zum Vertändnis notwendige Hintergrundwissen vermittelt, die oft abgekürzten Personnennamen auflöst und zahlreiche Querverweise zu seinem Werk liefert. Die vorliegende Ausgabe der Tagebücher druckt die Eintragungen genau in der Reihenfolge, wie sie in den Tagebuchheften vorlagen, also nicht immer chronologisch: da Kafka die Hefte auch zur Niederschrift einzelner Prosastücke verwendete, nachträglich dann enstandene Lücken auffüllte oder die Hefte von hinten her beschrieb, sind einzelne Abschnitte nicht in der korrekten zeitlichen Reihenfolge. Eine Verweistabelle löst aber dieses Problem. Die Tagebücher sind sicher nichts für den gelegentlichen Kafka-Leser, für alle Kafka-Fans sind sie aber ein unbedingtes Muß. Kaum irgendwo sonst ist Kafka in einer so konzentrierten und persönlichen Form zu erleben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)