Zwei Aufnahmen sind hier zusammengekoppelt, die gewisse Pole darstellen.
Einerseits Marriner mit Varady und Fischer-Dieskau, die nicht in historischer Spielweise musizieren. Ein nicht der Klangrede verpflichtetes Bach-Spiel.
Die beiden Sänger gehörten nie einer Scene alter Musik an. Fischer-Dieskau hat in seinem Leben allerdings sehr viel Bach gesungen, diese Kantaten auch mehrfach eingespielt.Er war im Zeitpunkt der Aufnahme 56 Jahre und hatte bereits ein Sängerleben von über dreissig Jahren absolviert. Mir gefallen diese späteren Aufnahmen nicht so sehr. Es klingt irgendwie angestrengt, als wenn die Stimme schon ein wenig ausgelaugt wäre.
Seine Frau, Julia Varady, damals vierzig, hat eine grosse Stimme, für Bach vielleicht ein wenig zu gross. Ich kenne angenehmere Stimme für dieses Genre, wie zum Beispiel Elly Ameling.
Im Kontrast dazu der Miminalist Rifkin mit Juliane Baird. Diese Stimme wiederum ist sehr schmal. Auf Elly Ameling hatte ich bereits verwiesen, die mit wunderbar voller, warmer Stimme diese Kantate singt.
Immerhin bekommt man auf einer CD die Spannbreite von Bach-Interpretationen mit, einerseits die herkömmliche, breit ausmusizierte Variante eines Marriner, andererseits die historische orientierte "Schmalspurversion" eines Rifkin.
Beide überzeugen mich nicht sonderlich.