Geschlagene fünf Jahre mussten sich Fans von Patricia Kaas gedulden! Denn so lange hat es gedauert, bis eine der erfolgreichsten Sängerinnen aus Frankreich nach Erscheinen ihres vorherigen Albums
Sexe Fort endlich wieder ein neues nachlegt:
Kabaret. Bereits die ersten Takte bringen Gewissheit, dass sich hier das Sprichwort “Gut Ding will Weile haben“ bewahrheitet und die Wartezeit sich gelohnt hat. Das erste Stück “Addicte Aux Heroines“ -der Form nach eher ein Intro- ist musikalisch angelehnt an die Arrangements von Georges Delerue und Antoine Duhamel, die einst mit ihrer Filmmusik den frühen Werken von François Truffaut ihren unverwechselbaren musikalische Charme verliehen. Inhaltlich stellt das Stück ein Glaubensbekenntnis dar, an starke Frauenpersönlichkeiten wie Coco Chanel, Marlene Dietrich, Anais Nin oder Hildegard Knef, die mit ihrer Energie und Kreativität nicht nur Vorreiterinnen ihrer Domäne waren, sondern auch Gestalterinnen des Frauenbilds ihrer Zeit. Mit dem darauffolgenden “Das Glück Kennt Nur Minuten“ erweist sie der Knef ihre Ehre, freilich ohne deren Tiefe zu erreichen. Hier wird deutlich: Auch wenn Patricia Kaas sich auf dem Cover noch so viel Mühe gibt wie eine Diva dreinzuschauen, ist sie allenfalls eine Imitation einer solchen. “Die Knef“ und “Die Dietrich“ sind stehende Begriffe, “Die Kaas“ jedoch noch nicht. Das zu ändern, dafür besitzt Patricia Kaas jedoch die besten Voraussetzungen, in Form eigenständiger Vorstellungen vom Musikmachen sowie dem unbedingten Willen, sich nicht zur Legehenne in der Massentierhaltung der Unterhaltungsindustrie degradieren zu lassen, -ein hoher Anspruch, den sie auf
Kabaret konsequent einlöst. Souverän spielt Patricia Kaas mit musikalischen Zitaten wie jenen von Erik Saties “Gymnopédie No.2“ (“Une Dernière Fois“) und einer Prise Ennio Morricones “Cinema Paradiso“ (“Wo Sind Die Clowns“). Letzteres ist eines der wenigen deutschsprachigen Stücke dieser CD, und erinnert in seiner Interpretation leider fatal an Daliah Lavy, mit Textzeilen wie “Isch hab mein Stischwort versäumt, was so wischtig war.“ Das kann man mögen, muss man aber nicht, ganz im Gegensatz zum Rest, den man einfach gern haben muss!
Kabaret ist eine großartige Reminiszenz an Etablissements zum nächtlichen Schwofen und Tangotanzen in Berlin, Paris und Buenos Aires der 30er Jahre in Form von Chansonklassikern wie “Falling In Love Again.“ Parallel hierzu zieht Patricia Kaas musikalische Vergleiche zu heutigen Lounges und Clubs mit dezenten Elektro- und lässigen Easy-Listening-Elementen. Mühelos verwandelt sie sich in die Interpretin des Titelsongs zum nächsten James Bond Film (“Alone“) oder in Grace Jones höchstpersönlich (“September Song“). Patricia Kaas Fans aufgepasst:
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Andreas Schultz Aus der Amazon.de-Redaktion Patricia Kaas, die französische Weltstimme aus Lothringen, legt mit
Kabaret ein spannendes Album vor. Der Albumtitel und manch populäres Evergreen unter den 13 Songs läßt erst einmal vermuten, dass die Pop- und Chansonsängerin nur in die große Kiste der altbewährten Klassiker der 20-er- und 30-er-Jahre gegriffen hat. Irrtum - denn mit einem geschickten Gespür mischt sie Marlene Dietrichs „Falling In Love Again“ („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“) mit neuen, teils auch selbstgeschriebenen Liedern wie dem Tango „Une dernière fois“ und punktet vor allem beim eigenen Diva-Repertoire. Hier nimmt man ihr das etwas verruchte, laszive und doch verletztliche Vamp auf Anhieb ab, was insbesondere für das wundervolle, fast nur rezitierte Piano-Chanson „Addicte aux héroines“ gilt, aber auch für die große Gesangesgeste mit „Et s'il fallait le faire“ und die geflüsterte Nachtclub-Musette “Mon piano rouge“.
Die höchst untesrschiedlichen Cover-Versionen in mehreren Sprachen, wie etwa „Wo sind die Clowns“, von Katja Epstein einst viel pfiffiger gesungen, sind bisweilen Geschmackssache. Trotz hinreissender Arrangements schaffen sie wegen dem lupenreinen, oftmals zu glatten, respektvolle Gesang eine kühle Distanz, die man von Patricia Kaas live so gar nicht kennt. Der läßige Hildegard-Knef-Song „Das Glück kennt nur Minuten“ lebt eher von den frech-ironischen Swing-Arrangements, was auch für „Kabaret“ und dem fast instrumentalen Charleston „Pigalle“ gilt. Wie sehr ihr hingegen der legere, fast improvisierte Lounge-Jazz liegt, beweist sie mit Kurt Weills inzwischen schon zu Tode gesungenen „September Song“, aus dem Patricia Kaas ein wahres Kunststück macht. - Ingeborg Schober