Normalerweise greifen gerne turnschuhbesohlte Zeitgenossen, die sich am Sonntagmorgen aus Versehen in der Bahnhofsbuchhandlung wieder finden, nach den Ausgaben des Typenkompass - einer durchaus erfolgreichen Reihe aus dem Motorbuch-Verlag. In den kleinen Bändchen wird in kompakter Form dem Leser ein guter Überblick über das betreffende Thema gegeben. Aufgrund des begrenzten Buchumfangs ist i.a. der Inhalt nicht ausgesprochen anspruchsvoll und bietet eher einen Überblick als das er das Thema in der Tiefe erschließt.
Im Einzelfall befinden sich aber in dieser Buchreihe wahre "Goldkörnchen", die eigentlich eine repräsentativere Aufmachung verdient hätten. So z.B. der Typenkompass "KPz Leopard 1". Auf knappen 128 Seiten erfährt der Leser alles Wissenswerte über dieses Fahrzeug - vom Beginn der Entwicklung bis zur Aussonderung und Verschrottung. Auch werden alle wichtigen Komponenten des Fahrzeugs vorgestellt. Und der Leser spürt dabei, dass er hier Informationen aus erster Hand erhält, denn der Autor ist nicht nur ein ausgebildeter Wehringenieur mit langjähriger Erfahrung, sondern hat den KPz Leopard 1 auch während seiner Zeit bei der Bundeswehr in der Praxis "genießen" können! Daher ist ein Kapitel auch den Erfahrungen aus dem Truppenalltag gewidmet.
Obwohl schon eine Vielzahl an Publikationen über den KPz Leopard 1 auf dem Markt sind, kann der Autor als Insider ersten Ranges in dem Bändchen noch viele bislang unbekannte Informationen auftischen - so insbesondere im Kapitel über die Versuchsträger, die auf Leopard - Komponenten basieren. Trotz des knappen Umfanges erfährt der Leser interessante Einzelheiten über den Aufbau eines Schleifrings, eines Turmdrehkranzes oder über die Funktion einer regenerativen Lenkung. Es ist einfach erstaunlich, welche Fülle an interessanten Informationen der Autor in diesem Band untergebracht hat! Und nebenher nutzt der Autor die Publikation, um mit einigen Fehlern aufzuräumen, die man sonst in der Panzerliteratur von Autoren, die sich gerne als "selbsternannte Panzerexperten" bezeichnen, liest: so erfährt man, warum die Kanone - trotz Stablisierung - nicht auf dem Ziel gerichtet bleibt - oder warum sich eine Hohlladung nicht durch die Panzerung "durchschweißt".
Damit ist der Typenkompass "KPz Leopard 1" nicht nur etwas für Hobby-Enthusiasten und Panzerfreaks - auch Fachleute aus dem Metier werden den Inhalt mit Interesse studieren und dabei spüren, dass die Qualität des Informationsgehaltes den Wert des Kaufpreises dieses Bändchens bei Weitem übersteigt! Mit der Qualifikation des Autors in der Hinterhand, hätte der Verlag durchaus mehr aus dieser Publikation machen können!