Um den Globus als Phileas Fogg
Seit dem Jules-Verne-Jubiläumsjahr 2005, dem 100. Todesjahr des großen französischen Reise- und Abenteuerschriftstellers, ist es endlich möglich, selbst in die Rolle einer der berühmtesten Figuren aus Jules Vernes Feder zu schlüpfen: Phileas Fogg, der britische Gentleman und schnellster Weltumrunder des viktorianischen Zeitalters. Man hat es wohl nicht vergessen: Im 1873 erschienenen Roman "In 80 Tagen um die Welt" geht Phileas Fogg mit seinen Kollegen im Londoner Reform-Club die kühne Wette ein, in jener für damalige Verhältnisse unerhört kurzen Zeit den Erdball zu umkreisen, dank der modernen Verkehrmittel wie Eisenbahn, Dampfschiff und Heißluftballon.
Eine unerhörte Wette
Der heutige Spieler kann angesichts dieser Zeitangaben und Gefährte nur schmunzeln aber wenn er nun in die Rolle Foggs schlüpft und die Erde in Form des Spielbretts zu durchmessen gedenkt, wird er rasch den Hauch von nostalgischem Abenteuer verspüren. Denn hier heißt es clever, gewitzt und auch geduldig zu sein und gewieft zu planen: Man darf nicht gleich auf jeden Zug aufspringen - es könnte sein, dass sich schon bald eine Möglichkeit bietet, noch viel schneller voranzukommen. Und Züge in diesem Spiel nicht das einzige Fortbewegungsmittel: Schiffe, Ballons und sogar Elefanten können helfen, die einzelnen Etappen der Reise zu überwinden.Die Route um die Welt führt, ganz nach Jules Verne, von London nach Paris ins italienische Brindisi. Von dort geht es über den Suezkanal weiter nach Bombay, Kalkutta, Hongkong und Yokohama. Es folgt eine große Pazifik-Überquerung mit Ziel San Francisco, und weiter quer durch den nordamerikanischen Kontinent nach New York, bis dann die letzte Etappe über den Großen Teich zurück nach London ansteht.
Zu Lande, zu Wasser und durch die Luft
Die einzelnen Reiseziele sind auf der Karte untereinander mit Routen verbunden, denen verschiedene Symbole zugeordnet sind. So zeigt die Strecke von London nach Paris z.B. ein Eisenbahnsymbol und ein Schiffssymbol, da man sowohl per Schiene über Land reisen, als auch den Ärmelkanal überqueren muss . Die Route Suez Bombay hingegen überwindet man allein per Schiff, in zwei Etappen somit sind hier zwei Schiffssymbole zu sehen. Der Reisende löst seine Passagen mit Handkarten, auf denen das Verkehrsmittel abgebildet ist.
Die Zahl die auf der entsprechenden Karte steht gibt an, wie lange die Schiffsreise oder Bahnfahrt jeweils dauert - und der Marker auf der Zeitleiste, die das Spielbrett umgibt, wird entsprechend vorwärts geschoben. Dort, wo zwei Schiffsfahrten oder zwei Zugfahrten nötig sind, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, kann man Zeit sparen, wenn man zwei Karten mit gleicher Zahl legt - dann muss man nicht umsteigen, sondern "bezahlt" nur einmal die angegebene Zahl an Tagen per Direktroute. Handkarten zum Nachziehen werden jeweils zu Beginn der Runde ausgelegt. Eine Aktionsleiste am Spielbrettrand sorgt dafür dass das Nachziehen von Karten zusätzlich eine Aktion auslöst - etwa die Möglichkeit einer raschen Ballonfahrt oder ein Goldgewinn - so dass ein Spieler in seinem Zug einen Kompromiss zwischen guter Handkarte und günstiger Aktion finden muss.
Der gewiefte Mister Fix
Doch man darf nicht vergessen: Phileas Fogg wird von Mister Fix, einem ehrgeizigen Detektiv verfolgt, der fest davon überzeugt ist, daß der Reisende keine reine Weste besitzt, sondern eine Bank in England ausgeraubt hat, sich also auf der Flucht befindet. Fällt die Aktion auf den Detektiv, so wird dessen Figur auf ein beliebiges Etappenziel gesetzt: Lästig für die Mitspieler, denn wer am Ende seines Spielzuges mit seiner eigenen Figur noch auf einem Feld steht, auf dem sich auch der Detektiv befindet, der verliert zwei Reisetage. Und dies ist fatal. Denn in diesem Spiel gewinnt nicht, wer in der realen Spielzeit als erster die Welt umrundet hat und wieder in London angelangt ist, sondern wer dies rechnerisch angegeben auf der Zeitleiste in weniger Tagen geschafft hat. Somit ist auch jeder Etappensieger von Vorteil. Auch wenn man das große Ziel, nach London zurückzukehren, nie aus den Augen verlieren darf, sind doch die kleinen Etappenziele nicht zu verachten. Wer als Erster einen Etappenort erreicht, erhält einen Bonuschip, ebenso derjenige, der einen Ort als Letzter ansteuert. Die Bonuschips bringen den Reisenden entweder Gold oder eine zusätzliche Reisekarte; auch zum Ziehen einer Ereigniskarte vom verdeckten Stapel können sie berechtigen, oder gar dazu, für alle Mitspieler eine Zeitstrafe zu verhängen.
Sobald dann erste Spieler mit seiner Figur wieder in London angekommen ist, erhöht sich für die anderen Spieler der Zeitdruck ganz erheblich. In den folgenden Runden verlieren nämlich alle Spieler, die London noch nicht erreicht haben, je einen Tag. Das Spiel endet, wenn der vorletzte Spieler in London eintrifft. Wer für die Weltreise die wenigsten Tage benötigte, hat dann das Rennen In 80 Tagen um die Welt gewonnen. Neben dem rasanten und doch nostalgischen Spielspaß besticht In 80 Tagen um die Welt auch durch seine ausgesucht schöne und stimmige Grafik. Die Atmosphäre der Ära wird mit zeitgenössischen Postkartenmotiven und Illustrationen in Pastellfarben heraufbeschworen. Der Schöpfer des Spiels, Michael Rieneck, wurde dafür mit einer Nominierung zum Spiel des Jahres 2005 belohnt.
Das Spielmaterial:
1 Spielplan - 6 Zielfiguren - 6 Zeitsteine - 6 Wettscheine - 24 Goldmünzen - 18 Bonus-Chips - 1 Detektiv-Figur - 1 Startspielersymbol (Uhr) - 1 Würfel - 15 Ereigniskarten - 60 Reisekarten (30 x Eisenbahn, 30 x Schiff) - 1 Anleitung
Für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahren auch als mit Variante für 2 Spieler möglich. Spieldauer zwischen 50 und 70 Minuten.