Die in Berlin lebende Österreicherin ELISABETH R. HAGER ist eine umtriebige junge Frau voller Abenteuerlust und Ideen. Seit 2010 ist sie Regieassistentin in der Hörspielabteilung von Deutschlandradio Kultur, bloggt (...) und veranstaltet vierteljährlich eine experimentelle, intermediale Lese- Performance- und Musikreihe (...). Es war nur eine Frage der Zeit bis sie als Schriftstellerin debütieren würde.
Elisabeths erster Roman handelt von der 26jährigen Klara Bergerer, genannt Bubi, die nach dem Abitur (Matura) von Tirol nach Berlin zieht, um zu studieren und 'in der linken Szene unterwegs' zu sein. Sie lebt in einer Kreuzberger 4er-WG und arbeitet für einen medizinischen Verlag.
Ihr Leben ändert sich nachdem sie 'einfach mal wieder was Aufregendes erleben' wollte und in einem Club jemanden kennenlernt, mit dem sie ihre erste Erfahrung mit der psychoaktiven Substanz DMT macht. Bubi kündigt ihren Job und fährt zu ihren Eltern nach Tirol. Ihr Reisebegleiter, der türkische LKW-Fahrer Can, erzählt ihr von seinen Problemen als Migrant und schon kurz darauf erfährt die Protagonistin selbst wie es sich als Fremde in der Heimat anfühlt, denn 'Dahoam' ist ihr altes Zimmer nicht mehr der Wohlfühl- und Rückzugsort, den sie gesucht und gebraucht hat. Alte Mutter-Tochter-Konflikte brechen auf und als Bubi ihrer Mutter sagt, dass sie schwanger ist, erfährt sie, dass auch sie das Ergebnis eines One-Night-Stands ist. Und wieder ergreift sie die Flucht. Nach einer Auszeit auf der Almhütte ihrer Eltern und einem weiteren Drogenrausch reist die junge Frau weiter, um ihren leiblichen Vater zu finden, dessen Adresse in Rom sie herausgefunden hat. Sie findet ihn und erreicht mit ihm einen Ort zum Niederlassen, eine Möglichkeit zu sich selbst zu finden, um dann hinaus aufs offene Meer zu schwimmen.
Bubi und all ihre Begleiter sind in der Tat wie Kometen, die auf ihren Umlaufbahnen um die Erde kreisen und in der Atmosphäre verglühen. Immer irgendwie auf der Flucht, immer mit unangenehmen Begebenheiten konfrontiert, kurven sie durch ihr Leben, dessen Zentrum sie nicht kennen, und ziehen mit einem Leuchtschweif durch die Welt. Gerade in dieser Kometen-These kann sich jeder Leser wiederfinden, egal wie alt er oder sie sein mag.
Zugegeben, das Buch hat seine Längen. Wer keine detaillierten Personen- und Situationsbeschreibungen mag, muss sich durchbeißen, aber es lohnt sich. Es lohnt sich für nachdenkliche Passagen, für Formulierungen zum Schmunzeln und vor allem für den einen wunderbaren Kernsatz des Buches: 'Bubi hatte keine Geschichte, nur ein Bündel loser Fäden und die Sehnsucht nach einer rettenden Sandbank, auf der sie eine Weile ausruhen und den Sucher ihres Fernrohrs scharf stellen konnte.' Dieser Satz erklärt nicht nur Bubis Leben, sondern das vieler Suchender.
'Kometen' ist in seiner Erzählweise und bildreichen Kraft mehr Drehbuch als Roman, das Storyboard eines jungen Menschen und durchzogen von herrlich österreichischem Sprachduktus. Ich wünsche dem Buch, der Autorin und uns allen einen guten Flug und sichere Landung auf der Sandbank, später.