Vorweg - toller Schreibstil, dem ich sehr angetan war. Er ist lebendig, greifbar und somit fühlte ich mich sofort der Erzählerin vertraut, als ob man in einem Cafe sitzen würde und Ihrer erlebten und durchlebten Geschichte lauschen würde!
Zum Inhalt: Der Inhalt ist so offen und ehrlich (was ich in anderen Büchern in dieser Richtung oft vermisst habe - das "Wirkliche", "Offene" und "Ehrliche" Anschauen seiner Problematik). Viele Bücher von Betroffenen oder auch Fachbücher waren sehr "schönumschreibend" oder eklatant "in den Keller" gesetzt, verfasst. Hier stellt sich nicht selten dann ein Frustgefühl des Lesenden ein, denn Betroffen greifen in der Regel zu dieser Art von Büchern um einen "Weg" zu entdecken, der anderen half um diesen selber mutig einzuschlagen.
Das war auch schon ein Diskussionsthema zwischen Psychologen, psychologisch interessierten Menschen und mir. Wir fanden heraus, dass wir doch theoretisch genau wissen wie die Definition und Konstruktion von Angst ist und ertappen uns auch in Situationen, wo die Angst uns dennoch beherrschen will und es ihr durchaus gelingt. Wie sollen wir da anderen Betroffenen gegenüber sitzen und kluge Antworten, gar Anweisungen geben können?
Genau das erfasse ich auch in diesem Buch. Natürlich sind es Gedanken der Autorin, ihre Erlebnisse anders, auch unterschiedlich von anderen Betroffenen, denn jedes Leben zeichnet seine eigenen Erlebnisse auf. Jeder schreibt seine eigene Geschichte, aber es ist doch sehr viel sehr ähnlich. Das konstruierte Grundmuster der Angst ist auf jeden Fall erkennbar! Es wurde von ihr verinnerlicht und verstanden und humorvoll niedergeschrieben.
Ich finde das Buch sehr hilfreich, auch besonders für Menschen, die den Angstmechanismus noch nicht durchschaut haben oder noch ganz tief in diesem Sumpf einer Hoffnungslosigkeit stecken und auf Hilfe warten, eine Lösung erflehen und noch nicht verinnerlicht haben, dass sie selber die Lösung in sich tragen.
Etwas irritiert hat mich nur der mittige Aufbau der Gedichte.Diese hätte ich ans Ende gesetzt. Sie sind teilweise sehr bedrückend und ziehen Dich mittig stark herunter. Manchmal nimmst Du es auch nicht beim Lesen auf und musst es wirken lassen. So neigen sie dazu, dass sie untergehen. Das ist natürlich mein ganz persönlicher Eindruck. Meine Leseempfehlung wäre für den Leser. Lies die Gedichte(den Mittelteil) zuletzt und immer mit gedanklichen Pausen!
Auf jeden Fall hebt sich das Buch aus der Litanei an Selbsthilfebüchern von Betroffenen stark ab, denn die meisten tragen doch die similären Konzepte: Ich stecke im tiefsten Verlies und am Ende jubel ich auch aus dem Himmel! Wer glaubt an so ein Leben? Ich nicht! Dafür ist das Leben zu komplex, Menschen zu sehr Individuen.