Dieses Buch ist nicht der Roman zum Film „K-19", sondern ein Fachbuch über die Havarien in der sowjetische/russische Nuklear-U-Bootflotte. Sieht man von ein paar Druckfehlern (es fehlen gelegentlich mal einzelne Buchstaben in Wörtern) und zwei - auf Verständnisfehlern beruhende - Übersetzungsfehlern ab, ein sehr gelungenes Buch.
Den Schwerpunk der Darstellung bildet das U-Boot K-19, deren nukleare Havarie ja auch den Handlungshintergrund für den gleichnamigen Film bildet. Huchthausen ist ein pensionierte Kapitän der US Marine und hat nun nach „Hostile Waters" und „October Fury" mit „K-19" sein drittes Sachbuch über sowjetische U-Boote geschrieben. Während die beiden anderen genauer am jeweiligen Gesehen orientiert sind, präsentiert er in diesem Buch eine grobe, aber sehr gut gelungene Rundumschau der Havarien und ihrer Ursachen, die oftmals ihre Wurzeln selber in der Denkweise der sowjetischen Militärmaschine hatten. Dies wird besonders deutlich, wenn er die Geschehnisse rund um K-19 mit aktuelleren Katastrophen wie der der Kursk 2000 oder der Komsomolez 1989 vergleicht. Es ist somit kein Buch nur für Marinefreaks, sondern ein problemlos für Jedermann verständlicher Abriss eines wichtigen Aspektes unserer Zeitgeschichte.
Erfreulicherweise beschränkt er sich nicht nur auf die militärischen und historischen Aspekte, sondern bezieht die Umweltproblematik konsequent mit ein. Der Leser bekommt so in einem der letzen Kapitel einen Überblick über den derzeitigen Kenntnisstand der nuklearen Verseuchung durch die Hinterlassenschaften der sowjetischen/russischen Atom-U-Boote. 8 komplette Atom-U-Boote mit 18 Reaktoren, 46 Atomwaffen, 9.000 Tonnen ausgebrannter Brennelemente, 16.000 Kubikmeter radioaktiv-verseuchtes Kühlmittel aus den Reaktoren und 11.350 Tonnen fester Atommüll an über 50 verschiedenen Stellen in den Meeren dieser Welt. Und er zeigt die Probleme auf, die bei der Lagerung der 270 zu verschrottenden U-Boot-Reaktoren (und darüber hinaus allein 10.000 Brennstäbe bei der Pazifikflotte), die derzeit nur noch notdürftig gesichert in schrottreifen Schiffen vor sich hin rotten. Die größte nukleare Katastrophe der russischen Marine steht uns vielleicht noch bevor, zumal in diesem Buch auch sehr deutlich wird, das Vertuschen und Unterdrücken bei der russischen Marine wieder groß in Mode gekommen ist.
Abgerundet wird das Buch durch eine sehr gute Aufrisszeichnung von K-19, zwei Sektionen mit Photos (historischen und solchen vom Film), einer recht umfassenden Bibliographie zum Thema und eine sehr gute und umfassende Chronologie der sowjetischen/russischen Marineunglücke.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen.