Im wahrsten Sinne traurig und öde ist das Leben der Protagonisten, wie es sich uns in dieser Erzählung darbietet.
In einem Mehrfamilienhaus in einer besseren Gegend in Stuttgart lebt Leonie mit ihrem Mann Simon, einem ehrgeizigen Geschäftsmann. Er hat wenig Zeit für sie und ihre beiden kleinen Töchter, die noch im Kindergartenalter sind.
So recht heimisch werden kann Leonie nicht in ihrem Viertel, und ein wenig beneidet sie die Frauen auf dem Spielplatz und auf der Strasse, die Zeit zum Plaudern haben. Doch fühlt sie in sich eine gewisse Ambivalenz, denn sie fände es öde, sich nur dem Haushalt und den Kinder zu widmen.
Gegenüber lebt Judith mit Klaus und den beiden Söhnen Kilian und Uli. Sie hat einst Kunstgeschichte studiert und sich in Ausstellungen umgesehen. Ihre Magisterarbeit hat sie nicht beendet, als ihr langjähriger Jugendfreund Sören eines Tages aus ihrem Leben verschwand. Heute hat sie sich der Anthroposophie zugewandt und ernährt ihre Kinder gesund und nach Maßgabe der anthroposophischen Philosophie. Mit Müsli und Märchen, ohne Fernsehen und abgeschottet vom angeblich verderblichen Alltag bundesrepublikanischer Wirklichkeit gestaltet sie für sich und ihre Söhne ein Leben, in dem alles gut gehen soll. Dazu gehört auch der Professorenehemann, ein Langweiler mit liebevoller Familienfreude. Judith hält das alles nur aus mit Hilfe heimlichen Zigarettenkonsums und den kleinen Psychoaufhellern aus der Apotheke.
Zwischen den beiden benachbarten Familien finden sich kaum Gemeinsamkeiten. Im netten Türkenladen von Nazim an der nächsten Ecke kauft man dagegen persönlich betreut ein. Doch hier stören Jugendgangs und besonders Marco den Frieden.
A. K. Hahn zeichnet die Welt mit allen sozialen Unterschieden von Arm bis Reich, von harmonischem bis zu aggressivem Verhalten zwischen den Menschen. Dass es nur wenige Freuden gibt unter den Bedingungen einer in dieser Art zerrissenen Gesellschaft, in der jeder seinen Platz sucht, ist klar. Die Protagonisten leiden an ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen. Ihre Erwartungen schwanken zwischen dem Wunsch nach Konsum und Enthaltsamkeit, nach Liebe, Zärtlichkeit und dem Wunsch nach einem friedlichen Leben.
Zerrissen werden sie von einer Realität, die niemandem das gewährt, was er sich wünscht. So hetzen und jagen sie durchs Leben und aneinander vorbei, ohne je zufrieden zu sein.
Die Erzählung bietet eine tragische Momentaufnahme aus dem heutigen sozialen Alltag einer Gesellschaft, die keine Ruhe finden kann. Einzig Nazim, der türkische Händler, verkörpert im besten Sinn einen Ruhepol im hektischen Lebensalltag. Doch auch diese Ruhe ist am Ende trügerisch.
Fast wirken die Figuren mit ihren jeweiligen Charakteren wie gefangen in einem unsichtbaren Käfig.
Lakonisch, nüchtern und alltäglich ist die Atmosphäre, mit der A.K.Hahn den Alltag der Familien und ihres Umfeldes einfängt.
Sie beschreibt einen Ist- Zustand. Es gibt keine Anweisungen oder moralischen Mahnungen, wie die Welt zu verbessern wäre. Insofern bietet der Roman im besten Sinne immanente Gesellschaftskritik.