...unsere lieben russischen Mitbürger in Berlin. Ich konnte es ja kaum glauben, als ich zum ersten Mal Kaminers unterhaltsame Stories gelesen habe. Dieses völlig liebenswertes Chaos. Und schon habe ich auch eine Russin geheiratet, und was soll ich sagen, jetzt habe ich das alles jeden Tag zu Hause, insbesondere wenn meine Schwiegermutter zu Gast ist.
Als angeheirateter Russisch-Berliner erkennt man dann auch sofort die kleinen Verweise wie das mittlerweile geschlossene oder besser umgezogene Restaurant Astoria, oder auch die von anderen angeheirateten Deutsch-Russen betriebenen Restaurants. Insofern liest sich das alles toll. Es ist nicht nur lustig und unterhaltsam, sondern auch sehr wahr.
Etwas warnen muss ich allerdings vor der im Buch beschriebenen Küche. Ich hoffe, meine Schwiegermutter liest das jetzt nicht, aber so richtig klasse schmeckt die russische (oder besser sowjetische) Küche nur dann, wenn man mit dem Geschmack die verlorene oder zumindest ferne Heimat verbindet. Dann kann das Essen auch ohne Gewürze, mit viel Teig und Zucker und manchmal auch Schmand ein euphorisches Gefühl auslösen. Ich persönlich liebe aber immerhin den Borschtsch, der löst bei mir inzwischen auch schon Heimatgefühle aus (Danke, Schwiegermammi).
Zumindest für mich sind die im Buch enthaltenen Rezepte daher nicht immer eine Aufforderung zum Nachkochen. Aber irgendwie gehört das auch zu Wahrheit über meine (Fast-) Landsleute. So kocht halt meine Schwiegermutter. Meine Frau kocht übrigens nicht. Und ich koche dann doch lieber westeuropäisch oder "pazifisch", oder wenigstens mit anderen Kräutern außer der hier oft verwendeten Petersilie.
Aber ehe jetzt das wilde Chaos völlig um sich greift, hier endlich die Beschreibung des Buches. Jedem wichtige Teilstaat der ehemaligen Sowjetunion ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Es beginnt mit einer kurzen Geschichte, in der das jeweilige Land, seine damalige Rolle in der UDSSR, seine heutigen oder ehemaligen Bewohner oder seine Küche eine Rolle spielen. Danach gibt es dann ca. fünf Rezepte zum Nachkochen. Die Rezpete reichen von frugal europäisch bis tatarisch scharf. "Fisch mit Moosbeeren und Honig" hört sich sehr lecker an. Der Tiefpunkt ist allerdings "Gefüllte Eier mit Sprotten". Abgeschlossen wird das ganze dann durch drei kurze Aufsätze zu den drei Kernthemen der russischen Küche: Kaviar, Wodka und Muttis Küche. Das alles liest sich schnell, unterhaltsam und macht Lust auf ein gutes Bier mit Freunden.