Da unser Sohn einen Waldkindergarten besucht und dort auch mal Bucheckern gesammelt und geröstet hat (und sehr lecker fand!), waren wir sehr gespannt auf dieses Buch. Und wir sind absolut begeistert davon!
Es ist jammerschade, dass wir so viele Ressourcen einfach überhaupt nicht nutzen (nicht einmal zur Kenntnis nehmen!) - dabei würder der Wald in unseren Breiten eine Vielzahl an kulinarischen und gesunden Genüssen bieten. Und das Sammeln macht auch noch Groß und Klein Spaß und bringt einen an die frische Luft.
Es ist wirklich unglaublich, wie viele Dinge man selber machen kann - und das ohne großen Kostenaufwand und sogar ohne eigenen Garten (wir haben zwar einen, gehen aber auch gerne in den Wald). Vorgestellt werden hier die Birke, die Buche, die Eiche, die Esskastanie (haben wir zum Glück auch im Garten), die Fichte und andere Nadelbäume, die Robinie, die Sommerlinde, der Spitzahorn, die Vogelkirsche und die Walnuss (wächst glücklicherweise auch gleich vor unserer Haustür :).
Die meisten dieser Bäume sind ja nun wirklich "Wald- und Wiesenbäume" und kommen sehr oft vor - Walnüsse und Esskastanien sind mir persönlich in "freier Wildbahn" zwar noch nicht begegnet (zumindest nicht im Wald), aber man findet sie trotzdem öfter als man denkt, wenn man genau hinschaut. Es ist also kein Problem, sich die Zutaten für die leckeren Gerichte, die hier vorgestellt werden, zu besorgen. In der hinteren Buchklappe findet man auch praktischerweise einen Erntekalender, auf dem man sich rasch eine Übersicht über saisonale Highlights verschaffen kann. Im Moment (Februar), können u.a. die Rinde der Eiche und der Birke genutzt werden.
Jede einzelne Pflanze wird hier ausführlich vorgestellt - zunächst in einem Porträt, anhand dessen eine exakte Bestimmung problemlos möglich ist (sollte man sie nicht ohnehin schon kennen). Natürlich sind hier auch die vielen farbigen Fotografien äußerst hilfreich. Wuchs und Aussehen, Vorkommen und charakteristische Inhaltsstoffe sowie deren Heilwirkung werden ebenso erläutert wie Sammeltipps (Erntezeit und verwendete Pflanzenteile). Im Anschluss findet sich jeweils immer der Rezept- und Ideenteil, der u.a. Birkenwasser, Birkenblättertee, Birken-Kräuter-Öl, Buchenblätter-Salat, Bucheckern zum Knabbern (wirklich sehr sehr schmackhaft!), Bucheckern-Risotto, Bucheckernöl, Eichelplätzchen, Eichelschnitten, Eichelbrot, Eichelkuchen, Eichelaufstrich, Eichelkaffee, Kastaniengemüse, pikantes Maronenpüree, Kastanienchutney, Fichtengemüse indischer Art, Fichtensirup, Fichtengelee, Fichtenöl, Fichtennadeln als Gewürz, ausgebackene Blütentrauben der Robinie, Robinienschoten-Gemüse, wässrigen Robinienblüten-Auszug, Erdbeeren mit Robinienblüten, Robinienblütengelee, Lindenblättersalat, Lindenblütenlimonade, Lindenkapern u.v.m. umfasst.
Hier ist wirklich für jeden etwas dabei!
Dem Autor gelingt es sehr gut, den Lesern die Scheu und vielleicht auch die Angst vor den Nahrungsmitteln zu nehmen, die uns die Natur im Wald so üppig bietet. Mit Eicheln assoziiert man vielleicht nicht unbedingt lukullische Genüsse - naja, dass sie an Schweine verfüttert werden und zur Herstellung eines Kaffees taugen, weiß man vielleicht, aber dass man daraus auch ein tolles Brot backen kann, ist den jüngeren Menschen in unsren Gefilden wahrscheinlich nicht so bekannt. Dabei gab es nach dem 2. Weltkrieg noch das Rezeptheftchen "10 Pfund Eicheln sind 7 Pfunde Eichelmehl"!
Ich kann das Buch rundum empfehlen - der Preis ist wirklich ein Witz, wenn man überlegt, was man dafür bekommt :-) Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf den Frühling - dann werden wir unseren ersten Ahornsaft selber machen und noch viele andere Rezepte aus diesem Buch probieren!