Dieses Buch hat mir ein Freund in die Hand gedrückt, der "Core Energetics" nach John Pierrakos gelernt hat; er meinte, in diesem Buch seien alle Grundsätze seiner Arbeit gut beschrieben.
Trotz der Nähe und Bekanntschaft von Ron Kurtz mit John Perrakos erklärt das Buch jedoch nicht Core-Energetics, sondern Ron Kurtz' selbstentwickelte Methode, die er "Hakomi" genannt hat. Diese Methode entstand während vieler Jahre, in denen Ron Kurtz therapeutisch arbeitete, in einer Zeit, in der die Psychotherapie "den Körper entdeckt" hatte und verschiedene neugierige Menschen unterschiedlicher beruflicher Herkunft mit Körpererfahrungen experimentierten. Auch Ron Kurtz hat sich intensiv mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht, viel gelesen, studiert, ausprobiert und sich immer wieder selbst Rechenschaft darüber gegeben, was er eigentlich tut, und vor allem, wie er es tut.
Das Buch ist gut aufgebaut und flüssig, angenehm geschrieben. Ron Kurtz' Humor und Menschenliebe ist immer wieder schön spürbar; es ist eine Lektüre, die nicht nur lehrt, sondern begeistern kann. Mit einer buddhistischen Grundhaltung von Gewaltlosigkeit und einer Liebe allem gegenüber, was ist, ist Ron Kurtz dennoch kein "Esoteriker", und was er beschreibt, ist wirklich eine klare, intelligente, feine Methode, die lehrbar und lernbar erscheint.
Ich bin vom Autor und vom Inhalt des Buches begeistert und versuche, vieles davon in meiner Praxis als Körpertherapeut einfließen zu lassen.
Zwei Schwierigkeiten mit dem Buch gibt es dennoch:
Erstens ist Ron Kurtz ein "Kind der 1960er bis 1980er" Jahre (so könnte man sagen), und seine psychologischen Erläuterungen bauen auf Begriffen wie "schizoid", "oral", psychopathisch", "masochistisch", "phallisch" und "hysterisch" auf. Wer damit nicht vertraut ist, dem werden gewisse Textpassagen unverständlich oder veraltet erscheinen. Die Begriffe stammen noch aus den Anfangszeiten der Psychologie bzw. der Psychotherapie. Jedoch lohnt es sich, die Bedeutung der so bezeichneten Charakterprozesse anderswo nachzulesen und sich vom despektierlichen Beigeschmack gewisser Ausdrücke nicht beeinflussen zu lassen.
Zweitens verknüpft Ron Kurtz verschiedenste Typologien von pschischen und körperlichen "Grunddispositionen" zu einer umfassenden, mehrdimensionalen Typologie. Diese ist für Leser, die nicht "vom Fach" sind, verwirrend kompliziert und schwer zu verstehen. Hier wünscht man sich, dass er gründlicher "aufgeräumt" hätte, dass er - statt einfach alles tabellarisch nebeneinander aufzuzählen - ein übergreifendes, klareres Schema entwickelt hätte.
Alles in Allem dennoch eine wärmste Emfpehlung!