Als Laie, dem dieses Buch zum Thema "Körpertypen" mehr oder minder zufällig in die Hände fiel, entwickelte sich in mir vom Lesen der ersten Seite an eine fast schon kindlich anmutende Neugier und Faszination in Bezug auf dieses Thema. Eines vorab: Jeder, der sich dafür interessiert, warum wir Menschen so aussehen, uns so verhalten und einfach so menschlich sind, wie wir nun mal sind, wer sich für eine analytische und intensive Betrachtung unserer Sozialbeziehungen begeistern kann und dabei bereit ist, sich selbst und die Menschen in seinem Umfeld sowie deren und vor allem die eigenen Verhaltensmuster kritisch zu hinterfragen, wird dieses witzige und gleichsam ernsthafte Buch ebenso verschlingen wie ich. Um interessierten Laien wie mir zu vergegenwärtigen, worum es bei der Lehre von den Körpertypen konkret geht, fasse ich Aufbau und Inhalt des Buches von Roland Bäurle hier mal kurz zusammen: Aufbauend auf anerkannten wissenschaftlichen Forschungen sowie mit einer gewissen Nähe zu Esoterik und Spiritualität, lassen sich laut den Vertretern dieser Lehre die Einheit aus körperlichem Erscheinungsbild, Charakterzügen und typischen Verhaltensmustern im zwischenmenschlichen Umgang Rückschlüsse auf gewisse frühkindliche Erfahrungen ziehen, die uns Menschen wiederum in so fern geprägt haben, als dass wir ihnen eben unser heutiges körperliches, seelisches und charakterliches Erscheinungsbild "verdanken".
Im Zuge dessen lassen sich fünf grundlegende und gleichsam prototypische Körpertypen unterscheiden. Diese können in unterschiedlichen Verhältnissen in der Existenz eines Menschen vorherrschen, doch kaum jemand entspricht genau einem Typ, die meisten Menschen sind Mischtypen. Das Buch startet mit einem zwischen Witzigkeit und Aufschlussreichtum pendelnden Test, der dem unvoreingenommenen Leser vor Augen führen kann, welcher Körpertyp bei ihm vorherrscht. In der Folge werden die fünf Typen pointiert und prägnant erläutet: Wie kommen sie zustande? Welche frühkindlichen Erlebnisse führen zur Vorherrschaft welches Typs? Wie sehen die verschiedenen Typen aus? Welche Charaktereigenscahften kennzeichnen sie? Wie verhalten sich verschiedene Typen zueinander? Wer kann gut mit wem im Job oder vor allem in der Liebe?
All diese fragen erörtert der Autor auf leicht verständliche und unterhaltsame Weise. Erstaunlich ist es, wie schnell man da sich selbst und seine Freunde wiederfindet und ohne Mühe meint, sie alle kategorisieren zu können. Nun, so einfach ist das natürlich nicht, aber dieser Wiedererkennungseffekt führt erstens zu großem Lesespaß und führt einem zweitens vor Augen, das hinter dieser dem Normalbürger doch recht unbekannten Lehre einiges an fundierter empirischer Forschung steckt. Eines ist jedoch für die Lektüre besonders wichtig: Man darf sich auf keinen Fall angegriffen fühlen oder abschrecken lassen von den bewusst diskriminierenden Namen und den vielen negativen Eigenschaften, die sich mit den einzelnen Körpertypen verbinden.
Der verquer und einsam durchs Leben stolpernde "Schizoide", das nach Aufmerksamkeit lechzende und dabei egoistische "orale" Mäuschen, der zu Manipulation und oder Aggressivität neigende, sich keinerlei eigene Schwächen eingestehen könnende "Psychopath", der dickliche, sich überall einschmeichelnde und hintenrum sabotierende "Masochist" oder der rastlose, oberflächliche und nur nach Leistung und der damit verbundenen Anerkennung hechtende "Rigide", sie alle sind sozusagen Prototypen, die in ihrer reinsten Form erstens nicht existieren und zweitens bewusst überzeichneet dargestellt werden, um den Leser darauf aufmerksam zu machen, dass es sich lohnt, Verhaltensmuster zu hinterfragen. In diesem Sinne geht es bei auf dieser Lehrer basierenden Therapiemethoden, wie der Autor klarstellt, nicht darum, Menschen charakterlich umzukrempeln, sondern sie in ihrer Selbstwahrnehmung und Selbstachtung so zu stärken, dass sie über die in der Kindheit entstandenen Verhaltensmuster ihres jeweiligen Körpertyps hinauswachsen und diese bewusst kontrollieren und filtern können, um so ein besseres Leben führen zu können. Ein hochinteressanter Ansatz, hier von einem nicht direkt an der Forschung beteiligten, aber sehr kenntnisreichen Journalisten pointiert, unterhaltsam und aufschlussreich dargestellt.