Der Verfasser dieses in der 5. Auflage erscheinenden erziehungswissenschaftlichen Buches, der deutsche Wissenschaftler Rudolf Heidemann, möchte in erster Linie Studenten, Junglehrern und deren Mentoren, aber auch verbesserungswilligen „arrivierten" Lehrern eine Hilfestellung bei der Erreichung einer bestmöglichen pädagogischen Ausbildung bieten. Er beginnt seine Ausführungen mit dem Hinweis, dass der dicht gedrängte Schulalltag in der Praxis meist keine ausreichend anschauliche Unterrichtsbeobachtung, deren Ergebnisse eine schrittweise, aber sich stetig weiterentwickelnde Verbesserung des Unterrichts ermöglichen, zulässt. Einerseits fehlt vielfach die Zeit, andererseits steht der Mentor vor der schwierigen Aufgabe, das Beobachtete objektiv festzuhalten, die Datenmenge dabei aber so klein zu halten, dass sie überschaubar bleibt und konkrete Verbesserungsvorschläge liefern kann.
Heidemann gibt sich nicht mit der - aus der geisteswissenschaftlichen Lehrerbildung entstandenen - Annahme zufrieden, zum Lehrer sei man geboren oder nicht, sondern verdeutlicht den Wert einer fundierten Lehrerausbildung, die vor allem durch konsequente Beobachtung und durch regelmäßiges, aufbauendes Training die Qualität des Unterrichts in hohem Maße steigern und sichern kann. Sich der vielfältigen Beobachtungskonzepte bewusst, hat Heidemann ein praxisnahes Trainingsprogramm entwickelt, das auf leicht handhabbare Beobachtungsbögen zurück greift und sich immer nur mit einer relativ kleinen Zahl von Trainingskategorien beschäftigt, um die trainierende Person nicht zu überfordern. Ein solches Trainingsprogramm dauert in seiner Gesamtheit zwischen 25 und 30 Unterrichtsstunden und gliedert sich in mehrere Trainingseinheiten. In jeder einzelnen Trainingseinheit legt man das Augenmerk auf 3 vorher vereinbarte Kategorien, vergleicht unter anderem nach der Stunde den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand. Diese Kategorien kommen aus dem Bereich des „Nichtverbalen Lehrverhaltens" (z.B. Blickkontakt, Körperstellung vor der Klasse, Mimik und Gestik, usw.), der „Lehrersprache" (z.B. Schweigen, Reflektierendes Sprechen, Fragetechnik, usw.) und dem Gebiet „Lehrer im Umgang mit der Klasse" (z.B. Lob und Zustimmung, Aktivierung stiller Schüler, Disziplinieren, usw.).
Im weiteren Verlauf dieses Buches geht Heidemann auf jede dieser insgesamt 21 Kategorien genau ein, indem er das theoretische Umfeld aufarbeitet und schließlich viele praktische Beispiele auflistet, die sich der Leser meiner Ansicht nach wirklich zu Herzen nehmen kann!
Nach den theoretischen Grundlagen, die Heidemann auf knapp 30 Seiten schaffen möchte, und der Vorstellung verschiedener, gängiger Beobachtungskonzepte vertieft sich der Autor auf 130 Seiten in die Konzeption seines Trainingsprogramms.
Im Anhang sind die einzelnen Beobachtungs- und Trainingsbögen aufgelistet, die zur Durchführung dieses penibel entworfenen Programms verwendet werden sollen.
Nach einem umfangreichen Literaturverzeichnis beschließt das der Orientierung dienende Sachregister dieses 215-Seiten-starke Buch.
Geht man nach dem Titel, müsste man dem Verfasser eine völlige Themenverfehlung - zumindest aber Irreführung vorwerfen. Denn, die Körpersprache im Unterricht spielt nur auf ca. 30 Seiten eine Rolle! Was diesen Teil des Buches betrifft, möchte ich besonders auf die Einschätzung Heidemanns hinweisen, dass, je widerspruchsfreier sich der ganze Körper bewegt, um so glaubwürdiger die Körpersprache des Lehrers sei und dadurch dann auch die Glaubwürdigkeit seiner Person zunähme.
Aber um noch einmal auf die doch relativ kurzen Ausführungen im Buch, hinsichtlich der Körpersprache, zurück zu kommen - dies erscheint mir prinzipiell kein Nachteil zu sein, da die bereits oben genannten Themen wie Lehrersprache oder Umgang mit der Klasse um nichts weniger bedeutsam sind. Auch der einleitende Theorieblock hat seine Berechtigung, obgleich er für meinen Geschmack etwas zu lang ausgefallen ist.
Was das Buch so wertvoll macht und warum ich es daher allen Lehramtskandidaten zur Lektüre empfehlen möchte, ist der Umstand, dass man aus den praktischen Beispielen und den realitätsnahen Schilderungen zahlreiche Lehren ziehen kann, die hoffentlich einmal Eingang in den persönlichen Unterricht jedes Lesers finden.
Die Sprache wurde gefällig verfasst, der Inhalt kann vom Leser schnell erfasst werden. Das Buch polarisiert nicht und predigt nicht etwa die „eine Wahrheit", sondern zeigt öfters die vielfachen Sicht- und Verhaltensweisen von Lehrern auf. Es betont auch aufrichtig die Verschiedenartigkeit der Konsequenzen, die ein und das selbe Lehrerverhalten manchmal nach sich ziehen kann.
Dadurch wird für den Leser verständlich, auf welch schmalem Grat sich ein Pädagoge ständig bewegt und wie wichtig das Verstehen der unzähligen Mechanismen im Schulalltag ist.
Abschließend verbleibt mir nur mehr festzustellen, dass die wichtigste Erkenntnis, zu der das Buch immer wieder hinführen möchte, folgende ist: Allein durch systematisches Training kann das Lehrerverhalten professionalisiert werden!