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Hildegund Heinl hat mit ihrer feinen Beobachtungsgabe seelische Zusammenhänge in einer Zeit erspürt und in einer sonst eher knochig-biomechanisch dominierenden Männerwelt langsam Platz gewinnen können auch durch die Wirrnisse der Kriegsjahre, in denen Frauen in der sonstigen Männerdomäne „Orthopädie" notwendigerweise gebraucht wurden.
Hildegund Heinl hat diesen Platz genutzt, um - was heute ungewöhnlich erscheinen mag - nach ihrer Arbeitszeit weiter ihre Forschungen zu betreiben und - fast heimlich - an Wochenenden ihre psychosomatischen Kenntnisse zu entwickeln.
So konnte sie Stück für Stück auch dem Fibromyalgie - Phänomen, dem Weichteilrheumatismus, den Tendomyopathien und letztendlich der „Macht der psychologischen Wurzeln" auf den Körperschmerz nachgehen.
„Körperschmerz kann Seelenschmerz sein" und insbesondere frühe schmerzhafte Erfahrungen graben sich - eben auch - in die Bewegungsstruktur ein.
Diese Erkenntnis, die Hildegund Heinl zunächst nur empirisch Stück für Stück erfahren und ertasten konnte, ist inzwischen aber auch neurobiologisch gut erklärbar. In diesem Buch nimmt uns H. Heinl mit auf die Entdeckungsreise durch ihr eigenes Leben und hin zu den dabei gewonnenen Erkenntnissen. Sie stellt Fallbeispiele vor und verdeutlicht diese in Bilddokumentationen. Anklingen läst sie den Umgang mit ihrem eigenen Schlaganfall, den sie in ihrem Buch „Und wieder blühen die Rosen. Mein Leben nach dem Schlaganfall" (ebenfalls bei Kösel erschienen) ausführlich beschrieben hat.
Und nun ist sie immer noch in der Ausbildung tätig, wobei sicherlich ihrer Ausstrahlung geschuldet ist, dass sich weiter jüngere Menschen im Soonwaldschlössen im Hunsrück einfinden, um von ihren Erfahrungen zu profitieren.
Einen kleinen Beitrag dazu kann dieses Buch leisten, das ebenso spannend wie anregend zu lesen ist und das mit der Zuversicht einer Pionierin Ärzte und Psychotherapeuten ermutigt, die sehr körperlich erscheinende Beschwerden nicht nur aus dem körperlichen, sondern auch aus dem seelischen Blickwinkel zu betrachten.
Um daran zu erinnern, ist kaum ein Buch so geeignet wie "Körperschmerz - Seelenschmerz" von Hildegund und Peter Heinl. Auf ansprechende Weise erfährt man von der Autorin, die von Haus aus Orthopädin ist, wie sie in mühsamer Kleinarbeit durch tägliche kluge und einfühlsame Beobachtung am Patienten das Gebiet der psychosomatischen Orthopädie sich zu eigen machte und ganz wesentlich mitgestaltet hat. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte sie sowohl für Patienten als auch für Ärzte ihre Rückenschmerzseminare. Daraus resultierte wiederum ein reichhaltiges und hervorragend dokumentiertes Patientengut, was die Grundlage ihrer ausgedehnten kasuistischen Darstellung bildet. Dabei ist der eine oder andere dieser geschilderten Krankheitsfälle so spektakulär, dass es dem Leser schwer fällt, sie nicht mit Magie in Verbindung zu bringen. Doch den Autoren gelingt es, eine solche Annahme in einem der letzten Kapitel mit dem Titel "Neurobiologie statt Magie" überzeugend zu entkräften. Sie belegen anhand von neuesten neurobiologischen Forschungsergebnissen u.a. auf dem Gebiet der neuronalen Plastizität des Gehirns, dass nicht nur eine psychische Konfliktsituation zu chronisch körperlichen Schmerzen führen kann, sondern solche wiederum durch Behandlung des Seelenkonfliktes mittels verbaler Psychotherapie gebessert werden können.
Ob die psychosomatischen Beschwerden ihre Ursache immer nur in psychischen Traumen aus frühester Kindheit haben, so wie im Buch postuliert wird, oder auch vom Psychostress im späteren Leben herrühren können, sei dahingestellt.
Auf jeden Fall sollte das Buch, welches nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Umdenken verführt, zum Lehrbuchbestand eines jeden in Ausbildung befindlichen Orthopäden gehören, denn in dem Leitfaden, wie es die Autoren selbst bezeichnen, finden sich auch ausgiebige weiterführende Literaturangaben.
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